
9to5:DAYS IN PORN, eine Dokumentation von Jens Hoffmann. Es ist schon merkwürdig: Jeder kennt sie, aber niemand besitzt sie. Pornofilme führen neben der mehr oder weniger seriösen Kinounterhaltung und dem anspruchsvollen Kunstkino ein Schattendasein – und waren doch von Anfang an ein Riesengeschäft.
Die Pornobranche beklagt Umsatzrückgänge, weil böse Raubkopierer und kostenlose Angebote den Hype am großen Geld schmälern. Dennoch bleibt gerade dieses Wirtschaftsimperium und selbst in Zeiten der allgemeinen Weltwirtschaftskrise, ein überaus florierendes Geschäft. Die (er)kaufte Lust -in jeglicher Form- wird es immer geben, ja selbst wenn der Herr “DAX” einen Tiefpunkt oder gar Hänger hat ;).
San Fernando Valley ist dabei das Wirtschaftszentrum der US-Pornoindustrie. Hier werden jährlich in dem sonst nach außen hin so prüden Amerika und oft ohne gesundheitliche Beratung für die Darsteller Millionen von Dollar verdient.
“Filme lade ich schon lange nicht mehr runter, zu gefährlich. Musik genauso. Wenn jetzt noch die Pornofilmer vor Gericht ziehen, melde ich mein Internet ab!”
Sicher kein wirklich erstgemeinter Satz, den ich neulich im Vorbeigehen aufschnappte. Aber es ist so: Angebot bestimmt die Nachfrage – und wer möchte für Lust und Sex schon bezahlen?! Bei all den hinter der Kamera auf Kommando wild stöhnenden Protagonisten stehen aber Menschen, die sich teilweise oder ganz damit ihren Lebensunterhalt verdienen – müssen. Und ich glaube, nur die Wenigsten davon wären deshalb mit unbezahlter Lust und Freude einverstanden und haben nebenher diverse, rein künstlerische Ambitionen…
Die Dokumentation 9To5 : DAYS IN PORN vom Regisseur Jens Hoffmann schaut sehr offen hinter die Kulissen des amerikanischen Pornogeschäfts. In der Struktur eines Episodenfilms werden zehn Geschichten erzählt. Sie schildern sowohl das “normale Leben” der Protagonisten, aber auch ihre Hoffnungen und Träume.
Hoffmann zeigt in seinem Film tiefe Einblicke in das Geflecht aus Geld, Macht und Abhängigkeiten. Er geht zu den besten Darstellern der Branche und veranschaulicht die eher selten prickelnden Schicksale, welche hinter diesem Job stehen, bzw. macht sich auf Spurensuche nach der Lebenseinstellungen jener Leute, die vor und hinter der Kamera agieren. Dabei ist Hoffmann bemüht kritisch aufzuzeigen und zu klären, warum ausgerechnet diese Menschen in diesem Metier arbeiten. Und dass die körperliche wie selische jener Art von “Performance” auf jeden Fall tiefe Spuren hinterlässt, ihren Tribut fordert, wird der Zuschauer spätestens nach dieser Dokumentation und garantiert hortizonterweiternd verinnerlicht haben.
Dass selbst eine kurze Zeit genügen kann, um für den Beginn oder das Ende der Karriere im Filmgeschäft zu sorgen, wird in 9To5 : DAYS IN PORN sehr drastisch veranschaulicht. Und der Film zeigt auch die Kehrseite der Medaille: Ist die Pornoindustrie für die Einen der schnelle Weg zum Geld, bedingtem Ruhm oder sogar ein gewisser Grad von Selbsterfüllung, scheitern Andere dagegen gnadenlos an diesem aufreibenden Job!
Denn nicht umsonst entstammt der zweideutige wie treffende Satz: “…auf der Besetzungscouch nach oben schlafen” direkt aus der Traumfabrik Hollywood. Alles scheint damit möglich: Sowohl ein Oskar oder wieder (er)nüchtert zurück in’s wahre Leben. Ein Beispiel für dieses gnadenlose Filmgeschäft ist die in Deutschland arbeitende Schauspielerin und Frauenrechtlerin Sibel Kekilli. In dem preisgekrönten Kinoerfolg des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin GEGEN DIE WAND (2004) spielt Kekilli eine junge, rebellische Türkin die darin sagt: “Ich will leben, ich will tanzen, ich will ficken”! Der Ausspruch kommt wohl nicht ganz von ungefähr. Sibel Kekilli begann ihre Karriere in der Pornoindustrie. Tja, manchmal ist der Weg nur das Ziel – voreilige und abfällige Urteile eingeschlossen!
Mit 9To5 : DAYS IN PORN entstand eine Dokumentation, welche von den glamourösen bis zu den grotesken Momenten der Porno-Industrie alles zeigt. Sie ist authentisch, ehrlich, befremdlich, faszinierend, absurd und manchmal sogar witzig. Die Darsteller des Dokumentarfilmes sind die derzeit “Wichtigsten” und Erfolgreichsten der Branche, angeführt von Sasha Grey. Die 21-jährige Sasha Grey ist jedoch nicht nur in der Pornobranche tätig. Auch sie spielt in großen Kinofilmen mit. Beispiel: THE GIRLFRIEND EXPERIENCE von Oscar-Preisträger Steven Soderbergh (u.a. CHE-GUERRILLA).
Als einziger, deutscher Film konnte 9To5 : DAYS IN PORN auf renommierten Filmfestivals in Montréal, London, Philadelphia und Buenos Aires mit komplett ausverkauften Vorstellungen Erfolge feiern bzw. sowohl Kritiker als auch Publikum überzeugen. Hierzu trägt zum einen die ausgezeichnete visuelle Qualität des Films bei, aber und wen wundert es da, zum anderen wohl auch das süffisante Thema ;) ! Auf jeden Fall ohne Zweifel bzw. positiv erwähnenswert ist der Soundtrack der Dokumentation. Super Bands, wie Brant Bjork, The Dwarves und Whomadewho geben dem Film eine sehr persönliche Note und mildern die Tage im Pornogeschäft hörtechnisch etwas ab.
Die DVD zum Film 9To5 : DAYS IN PORN: ab 29. November 2009 im Handel.
Der Trailer ist sehr gut gemacht. Wann läuft der Film bei uns an? Den will ich unbedingt im Kino sehen.
9to5:DAYS IN PORN-Der Film…
Jens Hoffmanns faszinierende Dokumentation 9to5:DAYS IN PORN über die amerikanische Pornoindustrie löste weltweit auf allen Filmfestivals einen Besucheransturm und Pressehype aus.Regisseur Jens Hoffmann befragt in 9to5:DAYS IN PORN die Menschen, die …
Klingt auf jeden Fall vielversprechend. Ich bin an solchen Filmen immer sehr interessiert. Damals Boogie Night ging ja auch in die Richtung und der war eigentlich sehr gut.
Eine Dokumentation über Pornofilme anzusehen ist sehr reizvoll, zumal wenn man mit Porno aufgewachsen ist. Ein wenig Eindruck über die Welt der Darsteller erhält der Zuschauer, besonders durch Interviews mit Dr. Sharon Mitchell, einer ehemaligen Darstellerin, und weiteren Interviews mit Agenten und Darstellerinnen. Die making- of Szenen zeigen auch ein wenig Hintergrund von der Arbeit bei den Aufnahmen.
Für mich überraschend war, das außer einem Ehepaar, welche beide als Darsteller arbeiten, kein weiterer männlicher Darsteller zu Wort kam. Dies ist eher befremdlich und läßt vermuten, das die Dokumentation nicht auf ein breites Publikum, sondern eher für die mehrheitlich männliche Zuschauergemeinde der Pornos, gedacht ist. Wegen dieses Mankos und doch eher wenig Tiefgang des Films gebe ich 3 Punkte.