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CARLOS DER SCHAKAL

 CARLOS DER SCHAKAL
Kinovorschau - Filmkritik für CARLOS DER SCHAKAL
Geschrieben von am 5.10.2010
Gelesen: 6214 · Heute: 5 · Zuletzt: 17. Mai 2012
Redaktionswertung: Post Rating 5 von 5 Sternen CARLOS DER SCHAKAL

Er ist eine der berüchtigtsten Ikonen der 70er und 80er Jahre. Sein Portrait auf den Fahndungsplakaten hat sich tief ins Bewusstsein einer Generation eingeprägt. Jeder kennt seinen Namen: Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt als Carlos. Carlos, der Schakal. Kinostart: 4. November 2010

Regie: Olivier Assayas - Drehbuch: Dan Franck, Olivier Assayas
Produzent: Daniel Leconte, Jens Meurer, Judy Tossell
Darsteller: Edgar Ramirez, Alexander Scheer, Nora von Waldstätten, Christoph Bach, Katharina Schüttler u.a.
Genre: Drama / Biopic
Filmproduktion: Frankreich / Deutschland, 2009
Kinostart:
Musik: keine Angaben
FSK: 16 - Laufzeit: 140 Min.
Trailer: CARLOS DER SCHAKAL
VN:F [1.9.16_1159]
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Rating: 9.0/10 (4 votes cast)

“Absolut Sehenswert”, “Pures Leinwanderlebnis”, “Carlos, das Ereignis”, “Ein atemberaubendes Epos”…ja, die Presse und Kritiken überschlug sich fast, ging es um die Meinung zum actiongeladenen Portrait, von einer der berüchtigsten Terror-Ikonen der 70ger und 80ger Jahre. Die Rede ist von Ilich Ramirez Sanchez oder CARLOS – DER SCHAKAL.

Für seinen hochinteressanten Film recherchierte Regisseur Olivier Assayas jahrelang und intensiv. Das Drehbuch verfasst er gemeinsam mit Co-Autor Dan Franck und es basiert ausschließlich auf direkten Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizei-Akten.

CARLOS – DER SCHAKAL

Nach den wie gesagt gründlichen und präzisen Vorbereitungen für das Drama / Biopic CARLOS – DER SCHAKAL (Originaltitel: CARLOS), sorgte nach Fertigungsstellung eine wohl völlig unnötige Aussage Assayas’ beim geschätzten Feuilleton für Missstimmung. Er behauptete, dass erst ein Lächeln von Ilich Ramírez Sánchez ihn inspiriert hätte, diesen Film zu machen.

Der am Rande des in Cannes gefallene Satz des französischen Star-Regisseurs (u.a. DEMONLOVER, BOARDING GATE), liess sogar Festival-Altpräsident Gilles Jacob die Stirn runzeln. Und die Konsequenz folgte auf dem Fuße: CARLOS – DER SCHAKAL durfte promt nur außer Konkurrenz in Cannes gezeigt werden. Da es sich bei dem besagten Lächeln, das in CARLOS zudem von fetziger Musik untermalt wird, um das von einem der meistgesuchten und schlimmsten Terroristen handelt, war diese Bemerkung zweifellos unangebracht und sollte -auch aus meiner Sicht- nicht mit den fürchterlichen Geschehnissen in Verbindung gebracht werden!!

CARLOS – der Film

An der Seite von Edgar Ramírez (u.a. DAS BOURNE ULTIMATUM, CHE – GUERILLA) ist ein hochkarätiges, deutsches Ensemble zu sehen.

Neben Shooting Star Nora von Waldstätten (SCHWERKRAFT) als Carlos’ Ehefrau Magdalena Kopp, Alexander Scheer (DAS WILDE LEBEN) – CARLOS’ Weggefährte sowie Johannes Weinrich, Christoph Bach und Julia Hummer, sind in weiteren Rollen Udo Samel (ALLES AUF ZUCKER) und Katharina Schüttler (GANZ NAH BEI DIR) zu sehen.

CARLOS – DER SCHAKAL – die Filmkritik

Olivier Assayas’ fast zweieinhalbstündiges Biopic gibt es auch als 187 Min- bzw. sehr viel Sitzfleisch fordernde Kinoversion. Doch die geradezu epische Lauflänge benötigte der Regisseur auch, um ein exakt recherchiertes, historisches Panorama aufzuzeigen und damit nicht, bzw. im Gegensatz zu Eichingers DER BAADER MEINHOF KOMPLEX, die widersprüchlichen Antriebskräfte der Figuren und die weltpolitischen Umstände an Eindeutigkeit verlieren zu lassen.

Mit dem Protagonisten Edgar Ramírez, der analog zu Ilich Ramírez Sánchez aus Venezuela stammt, fand Assayas’ zudem einen überaus charismatischen Hauptdarsteller, der die Entschlossenheit der Titelfigur eindrucksvoll vermittelt – sie dabei jedoch nicht romantisiert. Im Gegensatz zu Steven Soderbergh’s Che-Biografie vermittelt Olivier Assayas’ Werk auch eine entlarvende Haltung seiner Hauptfigur, die direkt im Zusammenhang mit den damaligen, politischen Verhältnissen steht…

Ilich Ramírez Sánchez

Das Gesicht auf den Fahndungsplakaten kennt fast jeder und hat sich tief ins Bewusstsein der Menschen eingeprägt. Es steht stellvertretend für eine Ära, die jedes Mittel legitimierte, um eine Ideologie -selbst mit extremster Gewalt- durchzusetzen.

Ilich Ramirez Sanchez, geboren 1949 in Caracas, wird in den frühen Siebzigerjahren schnell zum Aushängeschild des internationalen Terrorismus. Mit der aufgesetzen Maßgabe die Welt von ihren Unterdrückern befreien zu wollen, verschaffte sich CARLOS mit kaltblütigen und brutalen Aktionen, zum Beispiel für die “Der Volksfront zur Befreiung Palästinas”, nachhaltiges Gehör.

Doch spätestens nach dem Ende des OPEC-Geiseldramas im Dezember 1975 in Wien, als Carlos “lächelnd” aus dem Flugzeug steigt, hat er sich neu erfunden und die Wandlung vom marxistischen Revoluzzer in Che-Klamotten zum Karriere-Söldner vollzogen. So verkommt CARLOS – DER SCHAKAL in den Wirren der Achtzigerjahre immer mehr zum Kriminellen, der für Diktatoren die Bluttaten verrichtet. Geschützt wurde er dabei durch verschiedene Ostblockstaaten, zu denen auch die DDR gehörte! Im Anschluss an den inflationären Zusammenbruch des Kommunismus wird er von sämtlichen Geheimdiensten gejagt und 1994 schließlich verhaftet.

Ilich Ramírez Sánchez befindet sich in einer Haftanstalt in Frankreich, wo er die lebenslange Haftstrafe bis zum Tode absitzen wird. In ihrem 2007 erschienen Buch beschreibt Magdalena Kopp, seine Ehefrau und Komplizin, wie Sánchez aus dem Hochsicherheitsgefängnis für sie albern anmutende Postkarten mit seinem Foto schickte. Einziger Inhalt der Texte waren Ziele, die seiner Meinung nach angegriffen werden sollten, um ihn wieder frei zu bekommen! Seit 2005 schreibt CARLOS unter seinem muslimischen Namen, Salim Muhammed, Artikel für eine illegale Monatszeitschrift der türkischen, militant-islamistischen Organisation IBDA-C…


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: NFP (Warner), wikipedia

CARLOS DER SCHAKAL, 9.0 out of 10 based on 4 ratings

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2 Antwort zu “CARLOS DER SCHAKAL”

  1. Franzi am 5.11.2010 um 11:06

    Ich denke, dass dem Regisseur gelingt es ein großes Kunststück zu meistern. Er stellt die Geschichte von Ilich Ramirez Sanchez sehr authentisch dar, was natürlich die Qualität des Filmes steigert.

  2. CARLOS – DER SCHAKAL | Filmkritik am 5.10.2010 um 09:19

    Wie Regisseur Assayas in seinem geopolitischen Thriller CARLOS – DER SCHAKAL die Komplexität der Allianzen auflöst in Bewegung, wie er beim Opec-Anschlag im Chaos die Kontrolle behält, wie er ein ganzes Zeitalter auffaltet im Blick auf seinen Protagonisten, das ist schon ein kleines Wunder, das man nach Möglichkeit in voller Länge gesehen haben sollte.

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