
Bei all der Freude die das Schreiben am Film-Blog mit sich bringt, hatte ich mir an Weihnachten eine kleine Film-Auszeit gegönnt ;))! Doch ungeachtet dessen gab es zum Jahreswechsel 2008, neben dem bewegenden Drama DER VORLESER (Originaltitel: THE READER), mindestens zwei weitere erwähnenswerte Kinohighlights, die ich kurz vorstellen möchte. WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS Zum Einen: [...]
Bei all der Freude die das Schreiben am Film-Blog mit sich bringt, hatte ich mir an Weihnachten eine kleine Film-Auszeit gegönnt ;))! Doch ungeachtet dessen gab es zum Jahreswechsel 2008, neben dem bewegenden Drama DER VORLESER (Originaltitel: THE READER), mindestens zwei weitere erwähnenswerte Kinohighlights, die ich kurz vorstellen möchte.
Zum Einen: Der erfolgreichste französische Film aller Zeiten – WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS. Die Culture-Clash-Komödie vom Regisseur Dany Boon (NICHTS ZU VERZOLLEN) trägt insbesondere dank einer gelungenen, deutschen Synchronfassung dazu bei, auf humoristische Art und Weise einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Und das wiederum ist bei der oft schlimmen Nachrichtenlage aus aller Welt nicht die schlechteste Botschaft die ein Film leisten kann. Zudem wurde bereits soviel Gutes über diesen Film rezensiert, dass es mir nicht schwer fällt, mich diesem positiven Feedback ebenfalls anzuschließen.
Der zweite Film kommt vom Regisseur Dr. Heinrich Breloer. Er entstand nach Thomas Mann’s bedeutenden, deutschen Gesellschaftsroman: DIE BUDDENBROOKS. Inhaltlich brauche ich hierzu wohl nichts schreiben, denn die Geschichte der angesehenen Lübecker Kaufmannsfamilie gehört schon immer zur Schulpflichtlektüre.
Trotz der klassischen Filmvorlage und eines beeindruckenden Staraufgebots (Armin Müller-Stahl, Iris Berben, Jessica Schwarz, August Diehl und Justus von Dohnanyi) kann die durch die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen geförderte Kinofassung, mit der 1979er und unter der Regie von Franz-Peter Wirth entstandenen 11-teiligen TV-Verfilmung, nicht mithalten. Kurz gesagt, dem 2008er Kinofilm DIE BUDDENBROOKS fehlt eine gehörige Portion inszenierte Atmosphäre! Das kann und können selbst jene erlesene Riege von Schauspielern und die zugegeben gut recherchierten Bilder aus der Zeitepoche nicht mehr zum Positiven wenden. Zu allem Überfluss werden mit dem Klangteppichbrei des Soundtracks Mißtöne erzeugt, was die vertane Chance auf eine weitere, gute Verfilmung des großen Literaturstoffs nur zusätzlich unterstreicht!
Doch genug der “alten Geschichten” bzw. zur Verfilmung des Bestsellers THE READER von Bernhard Schlink. Auch dieser Film, nach einer Drehbuchadaption von David Hare und vom britischen Regisseur Stephen Daldry auf die Leinwand gebracht, kann mit Staraufgebot punkten. Aber im Gegensatz zu den BUDDENBROOKS fügt sich dieser Film zu einem ansehenswerten Ganzen. So ist neben Ralph Fiennes (DER ENGLISCHE PATIENT) Kate Winslet (LITTLE CHILDREN, DER GOTT DES GEMETZELS) zu sehen, deren Part ursprünglich mit Nicole Kidman (EYES WITH SHUT, INVASION) besetzt werden sollte. Als die Schauspielerin jedoch kurz vor Drehbeginn schwanger wurde, musste Daldry noch einmal umdisponieren.
Der fiktive Schauplatz der Geschichte um den 15-jährigen Jungen Michael Berg (David Cross) ist im Nachkriegsdeutschland, in Heidelberg angesiedelt. Hier lernt Michael die als Straßenbahnschaffnerin arbeitende Hanna Schmitz (Kate Winslet) kennen. Während der anschließenden, heimlichen Treffen mit der 20 Jahre ältere Frau entwickelt sich bald ein Ritual, das der zunächst rein körperlichen Beziehung eine selische Dimension gibt: Michael muss Hanna, über deren Vergangenheit er bis dato nur wenig weiß, vor jedem Liebesakt etwas aus einem Buch vorlesen…
Und ausgerechnet diese erste, unschuldige Liebe wird Michael im späteren Verlauf seines Lebens mit den Schrecken des Holocaust konfrontieren: Als Beobachter eines Prozesses muss der inzwischen zum Juristen avancierte Mann erkennen, dass seine einstige Geliebte Hanna Schmitz, eine Aufseherin im Konzentrationslager Auschwitz war…
Die FAZ äußerte sich wie folgt zum Film: “Es fällt schwer, dem Film seinen Anspruch abzunehmen, weil alle moralischen Appelle in der Hochglanzästhetik von Regisseur Stephen Daldry versinken. Wenn ein Film das Konzentrationslager Auschwitz im Gegenlicht der Morgendämmerung zeigt, die Gaskammern in elegante Braun- und Beigetöne taucht und die Schatten an den Öfen perfekt arrangiert: Dann hat der Artdirector sein Bestes gegeben und der Regisseur versagt.”
Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen! Meiner Ansicht nach ist das Drama DER VORLESER ein sehr berührend und akriebisch inszenierter Film! Die darin aufgeworfenen, heiklen Fragen zur deutschen Geschichte werden analog zur großen, literarischen Kraft des Romans sowohl stimmungsvoll wie auch glaubwürdig umgesetzt. Kate Winslet bekam deshalb zu recht einen “Golden Glob” für ihre Rolle der Hanna Schmitz verliehen.
Für den Film ZEITEN DES AUFRUHRS, in dem ihr Mann Sam Mendes die Regie führte, bekam sie 2009 ebenfalls eine begeehrte Trophäe: Die des “Besten Schauspielers”. Im dem Sozialdrama stand Kate Winslet im Übrigen und nach dem Sensationserfolg TITANIC, erstmals und gemeinsam wieder mit ihrem damaligen Partner Leonardo DiCaprio vor der Kamera.
Die DVD zum Film DER VORLESER: ab 04. September 2009 im Handel.
Schauspielerisch weist sich DER VORLESER als deutscher Film aus. Außer Kate Winslet, Ralph Fiennes und Lena Olin sind die meisten Darsteller deutschsprachig. Sowohl Winslet als auch Fiennes tun sich zu Beginn des Filmes in ihren Darstellungen etwas schwer.