Über sechs Jahre lang arbeitete die bereits als Schauspielerin etablierte Feo Aladag an ihrem atemberaubenden Erstlingswerk DIE FREMDE. Sie schrieb nicht nur die packende Drehbuchvorlage, sondern fungierte mit ihrer neu gegründeten Independent Artists Filmproduktion auch als Produzentin und realisierte den Film kongenial in ihrer dritten Funktion als Regisseurin.
Mit einem Debütfilm zur Berlinale eingeladen zu werden, das ist eine absolut reife Leistung. Feo Aladag hat dieses cineastische Kunststück vollbracht. Mit ihrem Beitrag, dem Drama DIE FREMDE, kam, sah und siegte die 38jährige Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin auf den 2010er Internationalen Filmfestspielen in Berlin.
Der Film DIE FREMDE beinhaltet emotional aufreibend wie buchhalterisch genau die tragische Familiengeschichte einer jungen Türkin Umay (Sibel Kekilli, u.a. GEGEN DIE WAND), die, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat, um ihr Leben kämpfen muss und zudem von der eigenen Familie bedroht wird.
Die promovierte Psychologin, Filmemacherin und Schauspielerin (u.a. in der Fernsehserie “Tatort”) lebt in Berlin und ist mit dem türkischstämmigen Filmemacher Züli Aladag verheiratet. Jahrelang recherchiert Feo Aladag für den Film und hat dafür sowohl das Drehbuch verfasst als auch selbst produziert.
Das Drama orientiert sich am Schicksal der 23 Jahre alten Deutschtürkin Hatun Sürücü. Ihr Tod in Berlin, der im Zusammenhang mit einem “Ehrenmord” stand, sorgte 2005 für Schlagzeilen und Entsetzen. Bundesweit löste es eine Debatte über die Wertvorstellungen von den in Deutschland lebenden türkischen Familien aus und speziell auch der Film DIE FREMDE zeigt noch einmal den ganzen Irrsinn eines fehlgeleiteten Ehrbegriffs.
Doch genauso entsetzlich wie der Tod von Hatun Sürücü ist meiner Ansicht nach auch der Umstand, dass “die Fremden” immer nur dann thematisiert werden, wenn das “Vertraute” keine Schlagzeilen mehr hergibt…! Jedoch weder im “Berlin-Istabul” noch im “Frankfurt M.-Ankara” kann dieser Culture Clash jemals wieder auseinander dividiert werden. Deshalb ist es umso unverständlicher, dass weiterhin das Wissen -z.B. um sogenannte “Ehrenmorde”- im Allgemeinen eher nur als Zeitungsnotitz wahrgenommen bzw. einfach in einen anderen Kulturkreis verbannt wird. Ja – wir sind längst in einer Parallelgesellschaft angekommen und es wird höchste Zeit, sich der Tatsache zu stellen und möglichst bevor – diese “Taten” geschehen!
Umay, aus berlinerisch-türkischem Hause und 25 jährige Mutter eines kleinen Jungen (Cem, Nizam Schiller) wurde gegen ihren Willen ins ländliche Umland von Istambul verheiratet. Der schlag-kräftige Ehemann macht ihr das Leben zur Hölle….
Aber Umay hat noch einen Koffer in Berlin und als sie nach Deutschland zurückkehrt, sich in Stipe (Florian Lukas) verliebt und ein neues Leben aufbauen möchte, erkennt sie nicht, dass es dafür bereits zu spät ist. Denn bei ihrer Familie, insbesondere bei dem Vater Kader (Settar Tanriögen) und älterem Bruder Mehmet (Tamer Yigit), stößt Umay auf eine unbarmherzige Ablehnung und an die Grenzen der kulturellen Toleranz.
Die “deutschländer Hure” beschmutzt mit ihrem Sinn nach Selbstbestimmungen die Familienehre und Umay muß bald erkennen, dass ihre Familie die Konventionen nicht einfach über Bord werfen kann und an der Herausforderung zu zerbrechen droht.
Zerrissen zwischen Vater-Gehorsam, Bruder-Stolz und der tiefen Liebe zu ihrer Schwester Baba spitzt sich die Situation von Tag zu Tag immer weiter zu…
Die tragische Geschichte von Umay ist kein Film über die Verständigung geworden, sondern eines Verstehens unter Vorbehalten und Sibel Kekilli spielt die der Rolle der Umay mit geradezu schmerzvoller Intensität. Als Mutter erscheint sie kraftvoll, wie sie in gleichem Maße als Tochter und Schwester verletzlich ist. Ihr Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und zugleich die Liebe ihrer Familie zu erhalten, begründet Flucht und Rückkehr als treibende Momente ihres Handelns…
Die Regisseurin Feo Aladag zum FilmDIE FREMDE:
“Viele Bürger Deutschlands mit türkischen Wurzeln hadern zu Recht mit ihrer Identität. Sie fühlen sich hier als Türken, die nicht gewollt sind und in der Türkei als Deutsche. Ehrverbrechen sind auch in diesem Teil unserer Gesellschaft die Ausnahme, die schlimmstmögliche Katastrophe.
Meines Erachtens ist eine der Ursachen für die Rückbesinnung auf traditionelle Werte, gerade in der jüngeren Generation, die gesellschaftliche Ablehnung durch die Mehrheitsgesellschaft. DIE FREMDE ist somit kein repräsentatives Porträt einer gesellschaftlichen Gruppe und auch keine Lebensanleitung. Der Film soll eine Möglichkeit spürbar machen. Darin liegt die eigentliche Hoffnung dieser Geschichte.”
DIE FREMDE wurde mit dem FBW-Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet bzw. für den DEUTSCHEN FILMPREIS 2010 ausgewählt.
Die Fremde"Hör auf zu träumen!", sagt die Mutter (Derya Alabora) zu ihrer 25-jährigen Tochter Umay (Sibel Kekilli), als diese mit ihrem kleinen Sohn Cem vor der Berliner Wohnungstür ihrer Eltern steht. Umay ist aus einem unglücklichen Eheleben in Istanbul ausgebrochen und will zurück in Berlin
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Vielen Dank für die Info! Hab überall hin und her gegoogelt und nix gefunden! naja die Suche ist vorbei.
Thx
Ich habe schon “Gegen die Wand” mit Sibel Kekilli in der Hauptrolle gesehen. Das war ein wirklich starkes Stück Kino. Bin deshalb sehr gespannt, wie dieser thematisch ähnliche Film mit ihr sein wird.