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FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?

 FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?

Kinovorschau - Filmkritik für FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?
Geschrieben von am 29.09.2009
Gelesen: 6554 · heute: 5 · zuletzt: 4. February 2012
Redaktionswertung: Post Rating 3 von 5 Sternen FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?

FOOD, INC.: How much do we know about the food we buy at our local supermarkets and serve to our families? Though our food appears the same a tomato still looks like a tomato it has been radically transformed. In Food, Inc., producer-director Robert Kenner and investigative authors Eric Schlosser and Michael Pollan lift
the veil on the U.S. food industry – an industry that has often put profit ahead of consumer health, the livelihoods of American farmers, the safety of workers and
our own environment.

Regie: Robert Kenner - Drehbuch: Robert Kenner, Kim Roberts
Produzent: Robert Kenner, Karl Weber
Darsteller: Michael Pollan, Eric Schlosser, Gary Hirshberg
Genre: Dokumentation
Filmproduktion: USA, 2008
Kinostart:
Musik: Mark Adler
FSK: 0 - Laufzeit: 94 Min.
Trailer: FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?
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Rating: 8.0/10 (3 votes cast)

“Du wirst dein Essen nie mehr mit den selben Augen sehen”, fordert das Kinoplakat heraus und zeigt eine schwarz-weiß gescheckte Kuh mit aufgedrucktem Barcode. Und die Dokumentation FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? hält ihr Versprechen! Denn Autor und Regisseur Robert Kenner scheut dieses heiße Eisen nicht, legt sich in der Dokumentation mit den Großen und Mächtigen an und sowohl die Nahrungsmittelkonzerne als auch die amerikanische Regierung bekommt ihr Fett weg. Schonungslos werden deren Machenschaften angeprangert.

Filmemacher Kenner hat über 6 Jahre seines Lebens in diesen Dokumentarfilm investiert und nimmt uns mit auf eine eineinhalbstündige Reise durch die Nahrungsmittelerzeugungsindustriemaschinerie. Ein Blick über den Tellerrand der USA hinaus findet allerdings nicht statt – aber Amerika hat auch wie kein anderes Land mit der Überfettung der Nation zu kämpfen.

FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?

Robert Kenner will den Schleier über den ganzen Zyklus von der Herkunft über die Verarbeitung und Herstellung bis hin zum Verkauf von Lebensmitteln lüften. Er zeigt auf, dass nicht nur Tiere misshandelt, sondern auch Menschen im Namen der Nahrungsmittelproduktion missbraucht werden. Es gelingt ihm dabei, den Zuschauer zum Reflektieren des eigenen Konsumverhaltens anzuregen. FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? klärt auf, ohne ein Feigenblatt vor den Mund zu nehmen.

Die Kamera zeigt Hühner mit einer übergroßen Brust, deren Streichholzbeinchen unter dieser Last einknicken. Quer über die USA verteilte Fabriken, die von einer zentralen Kommandobasis aus gesteuert werden. Rinder, die bis in an die Knie in der eigenen Scheiße stehen. Industrialisierte Schlachthöfe, wo jeder Angestellte als Roboter fungiert und nur wenige Handgriffe macht – von heute auf morgen ersetzbar.

Jede Menschenseele mit einem Funken Herz und Verstand springt auf die Fakten und Bilder an, doch manchmal überspannt Regisseur Kenner den Bogen und legt zu viel Gewicht auf tragische Einzelschicksale.

Wir lernen eine mexikanische Familie als “Anschauungsobjekt” für die Folgen der falschen Ernährung kennen. Die ganze Sippe zieht sich beim Fast Food Drive-In einen Burger mit Fritten und Soda rein – weil sie sich keine Karotten und Äpfel leisten können! Deren kleine Tochter schleppt schon heute die Folgen dieser Ernährung auf den Rippen mit sich herum. Die Chancen, dass sie in wenigen Jahren an Diabetes erkranken wird, stehen gut. Der Vater kämpft bereits mit dieser Zivilisationskrankheit, und die Familie bangt, dass er seine Arbeit als Lastwagenfahrer verliert und sie nicht mehr versorgen kann.

Die Protagonisten in der DOKU FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? sind Menschen, die mit diesem Industriezweig in irgendeiner Art und Weise in Kontakt kamen. Als Zuschauer bewundern wir die Farmerin für ihre Courage, trotz Drohungen mit dem Filmteam zusammenzuarbeiten. Andere Farmer sind mit Knebelverträgen zum Schweigen gebracht worden und treten nur verdunkelt vor der Linse auf.

FOOD, INC. – die Filmkritik

Der Filmemacher Robert Kenner verpasst die Gelegenheit, ein Commitment beim Publikum abzuholen, um aktiv etwas gegen die gezeigten Missstände zu unternehmen. Dem Film fehlt auch ein konstruktiver Dialog mit den Nahrungsmittelkonzernen – dass diese nicht zu einer Stellungnahme bereit waren, klingt wie eine abgedroschene Plattitüde, um mit dem Finger auf diese Konglomerate zeigen zu können. Aber FOOD INC. wäre kein Dokumentarfilm, wenn nicht auch die selbsternannten Experten ihre Weltanschauung kundtun können. Natürlich gibt Regisseur Kenner seinen Senf dazu, während er genüsslich einen Hamburger vertilgt. Und er lässt auch andere kritische Stimmen wie die von “Fast Food Nation” Journalist Eric Schlosser oder Bestseller-Autor Michael Pollan zu Wort kommen.

Erfrischend ist der Beitrag von Gary Hirshberg, CEO von Stonyfield, dem drittgrößten Joghurt-Erzeuger der USA. Der ökonomisch getriebene Konzern Walmart hat sich Stonyfield kurzerhand einverleibt und setzt damit auf biologische Produkte. Dies ist ein aufgehender Silberstreifen am Horizont und ein Ereignis mit Symbolcharakter, denn Walmart ist der größte Einzelhandelskonzern und das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, insbesondere bekannt für seine rigorose Preispolitik. Hirshberg legt sich bewusst mit seinem ehemaligen Erzfeind ins Bett und nutzt dessen Marktmacht um die Bio-Joghurts unter das Volk zu bringen.

Von einer Trendwende zu sprechen wäre dabei verfrüht, doch der Kreis schließt sich und die Botschaft von FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? ist klar: Die Gesellschaft ist sich der industrialisierten Nahrungsmittelerzeugung nicht bewusst. Der Film versucht das zu ändern, klärt auf und verfasst ein Manifest, dass eine neue Zeitrechnung beginnen soll, indem wir uns auf die alten Traditionen besinnen. Der Aufruf, auf dem lokalen Markt einzukaufen, Selbstversorger zu werden oder sich mehr Informationen unter www.foodincmovie.com einzuverleiben, ist ein guter Anfang. Guten Appetit!

Der Dokumentarfilm FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? eröffnete am 8. Februar 2008 das Berlinale-Spezial “Kulinarisches Kino”, schaffte es bisher in ausgewählte Kinos in Amerika und Kanada und erhielt die Oscar-Nominierung für “Bester Dokumentarfilm”.

DVD & BLU-RAY Disc zum Film

Die DVD zum Film FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?: ab 05. November 2010 im Handel.


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: magnolia pictures

Über den Autor: Reto Stuber ist freischaffender USA-Korrespondent und Außenposten für deutschsprachige KMUs. Er berichtet für Unternehmen in Deutschland und der Schweiz direkt aus dem Herzen von New York über die neusten Entwicklungen.
www.SocialMediaBuch.com

FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH?, 8.0 out of 10 based on 3 ratings

FOOD, INC.: WAS ESSEN WIR WIRKLICH? Trailer

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