HELL

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Das mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnete Kinodebüt des 28-jährigen Nachwuchsregisseur Tim Fehlbau ist ein packender wie grausamer Zukunfts-Thriller, der jedoch nicht ohne psychologisches Feingefühl inszeniert wurde.

HELL – DIE SONNE WIRD EUCH VERBRENNEN

Fehlbaum, Absolvent der Münchner Filmhochschule, beweist echtes Gespür für spannende, gruselige und subtile Action. Von Anfang an fängt er perfekt die atmosphärische Endzeitstimmung der Charaktere und der Landschaft ein – denn es scheint kein Entkommen vor der Sonne zu geben…

Lediglich drei Millionen Euro hat HELL – DIE SONNE WIRD EUCH VEBRENNEN gekostet und am Drehbuch haben sich gleich drei Autoren versucht: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl sowie Thomas Woebke. Trotz des geballten Autorenteams erweist es sich das jedoch weniger spektakulär als man vermuten möchte. Sein international wettbewerbsfähiges Niveau erreicht HELL deshalb auch nur, weil im Entstehen der Konkurrenz großzügig in die Karten geschaut wurde…und weil es einen großen „Gönner“ gab.

Anyway: Der Science Fiction-Film wurde hauptsächlich in Bayern und Brandenburg in Szene gesetzt und zählt damit schon mal zu den wenigen, deutschen Produktionen (u.a. auch der Film DIE KOMMENDEN TAGE), die es mit dieser Thematik überhaupt in die Kinos geschafft haben. Das dies geschehen konnte, hat ursächlich mit Roland Emmerich zu tun. Die Produzenten von HELL sind seit langem mit dem deutschen Hollywood-Regisseur bekannt und schickten ihm im Vorfeld ein Exposé. Daraufhin erklärete sich Roland Emmerich spontan dazu bereit, den Film zu unterstützen – mit Erfolg!

HELL, Filmkritik

Wie heisst es so schön: „Denk‘ ich an Roland Emmerich in der Nacht – werd‘ ich um den Schlaf gebracht.“

So schwante mir im Vorfeld des Films eigentlich Böses. Denn immer wenn der „Jämmerlich“ die Hände im Spiel hatte (DAY AFTER TOMORROW, 10.000 B.C.), wurde bisher der Zuschauer nur mit sinnlosen Filmdialogen, bombastischen Spezialeffekten und unerträglich überzogenem Pathos überschüttet. Und diesmal?

Weit gefehlt! Regisseur Tim Fehlbau ließ sich relativ wenig beeinflussen. In seinem atmosphärisch dichten Öko-Katastrophen-Science Fiction-Thriller HELL werden nicht nur platitüd die menschlichen Urängste bedient, sondern vielmehr mit intensiven Bilder und mit einer eindringlichen Erzählweise der Wahnsinn fast körperlich spürbar gemacht.

Dabei scheint die eher etwas betont-schlichte Spielweise der Protagonisten, ja deren fast stumpfe Diszipliniertheit, zwar typisch Deutsch, bietet aber einen wohltuenden Gegensatz zur oft zugespitzten Übertreibung in US-amerikanischen Produktionen.

Fazit: Regisseur Tim Fehlbaum bediente sich in seinem post-apokalyptischen Horrorthriller zwar kräftig bei John Hillcoat’s Endzeitvision THE ROAD, findet aber dennoch zu einer starken und am Ende individuellen Inszenierung des Überlebenskampfes…

HELL, Filminhalt

Es ist fünf Minuten nach 12, unsere Welt macht gerade ihren letzten Schnaufer…

Die Sonne, einst spendete sie Leben, Licht und Wärme, verdörrt im Jahr 2016 die Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft. In nur wenigen Jahren hat sie die Oberfläche dermaßen erhitzt, dass unser Planet aussieht wie eine traurige Wüstenlandschaft, wie lebloses Ödland. Selbst die Nächte sind noch eindringlich hell und heiß. Unsere Zivilisation, die geordneten Verhältnisse wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Kannibalische Banden locken menschliches Frischfleisch in ihre Fallen, und die lebensnotwendige Wasserversorgung funktioniert nicht mehr. In kürzester Zeit verwandelt sich die Gesellschaft in blanke Barbarei…

Auch in Deutschland säumen inzwischen stinkende Tierkadaver die Straßen, während die Menschen in der erbarmungslosen Hitze zu verbrennen drohen. Wer keinen Sonnenschutz trägt stirbt innerhalb von wenigen Stunden. In dieser Apokalypse fahren Marie (Hannah Herzsprung, u.a. LILA LILA, DER BAADER MEINHOF KOMPLEX), ihre kleine Schwester Leonie (LISA VICARI) und Phillip (Lars Eidinger, u.a. ALLE ANDEREN) in einem abgedunkelten klapprigen Kombi vom Ödland Richtung Gebirge. Dort, so heißt es, soll es ab und zu regnen, Wasser geben! Die beiden Mädchen haben zudem gerade ihre Mutter verloren und besonders Leonie möchte nicht so recht akzeptieren, dass ihre große Schwester nun für sie zuständig ist.

Es ist eine verzweifelte Irrfahrt ins Nirgendwo. Auf der Suche nach Benzin lesen sie unterwegs Tom (Stipe Erceg, u.a. DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI) auf. Er erweist sich als perfekter Mechaniker und ist unentbehrlich. Doch kann man ihm auch wirklich trauen? Die Anspannung in der kleinen Gruppe wächst. Dann werden die Vier in einen Hinterhalt gelockt. Der gnadenlose Überlebenskampf beginnt…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Paramount Pictures

HELL, 7.0 out of 10 based on 9 ratings

1 Kommentar zu HELL

  1. hey, sieht nach nem guten Film aus. Auch wenn ich den vergleich mit „The Road“ etwas hart finde. Ich mein Tim Fehlbaum kann das Rad für ja auch nicht neu erfinden! Und für sein Debüt find ich das, was ich in der Vorschau sah, ziemlich stark!

    Lg
    Miranda

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