RABBIT HOLE

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Bereits im Frühjahr 2010 lief in den USA das Drama RABBIT HOLE, mit Nicole Kidman und Aaron Eckhart in den Hauptrollen, in den Kinos.

RABBIT HOLE

In Deutschland gab das unter die Haut gehende Beziehungs-Drama, welches auf David Lindsay-Abaire’s gleichnamigen und mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnetes Theaterstück beruht, auf dem 29. Filmfest München seinen Einstand und zog Presse wie Premierenpublikum gleichermaßen in seinen Bann.

Um etwas Filmkritik vorweg zu nehmen: Die US-Hochglanzproduktion des Regisseur John Cameron Mitchell bleibt sehr nah am Original bzw. öffnet nur minimal neue Räume für filmische Interpretationen. Bereits in seinem skandalumwitterten SHORTBUS (2005), der die sexuellen Komplikationen zwischen den Geschlechtern in einer Mischung aus traditionellem Drama mit Hardcore-Pornoszenen zu klären suchte, zeigte Mitchell eindrucksvoll, dass er der richtige Mann für eine schwierige Regie-Aufgabenstellung ist.

Und so wird auch analog zum Vorgängerwerk im Film RABBIT HOLE die Darstellung des Innenlebens der Protagonisten erneut bis zur Schmerzgrenze des Kinobesuchers ausgereizt…

Nicole Kidman

Etwas schmerzlich -im übertragenen Sinne- ist allerdings der derzeitige Anblick von Nicole Kidman. Für den ersten Moment habe ich sie gar nicht erkannt. Da war mindestens ein Gang zum Schönheitschirurgen zu viel – des Guten…

Vom betrachtungsabhängigen, äußerlichen Makel abgesehen, bietet die Schauspielerin aber einen grandiosen und überzeugenden Part. So genial aufspielend wie im Drama RABBIT HOLE habe ich Kidman zuletzt in ihrer Oscar-gekrönten Rolle für THE HOURS (2002) gesehen: Mal gibt sie sich übertrieben kühl, beherrscht und überlegt, dann wieder explodiert sie förmlich, wirkt sogar schreiend komisch oder ist gar wütend und handgreiflich…! Eine darstellerisch Meisterleistung par excellence!

RABBIT HOLE, Filmkritik

In RABBIT HOLE tragen alle Figuren Trauer. Man spürt, wie schwer die Herzen von Beccas Mutter (Dianne Wiest, u.a. PASSENGERS) und ihrer Schwester (Tammy Blanchard, u.a. DEADLINE) sind, wie belastend ihnen der Alltag vorkommt.

Doch weiterreichende, psychologische Tiefe oder Antworten über das Warum und Weshalb, werden dem Zuschauer konsequent verwehrt. Vielmehr plätschert Mitchells Film die meiste Zeit zwischen Paartherapie und Küchengespräch etwas lustlos, wenn nicht gar gelangweilt bzw. zu sehr auf seine Hauptprotagonisten fixiert, dahin.

Aber das jenes so ist, geschah wohl nicht von ungefähr. RABBIT HOLE war in erster Linie ein Befreiungsschlag für Nicole Kidman (DOGVILLE, DIE DOLMETSCHERIN). Der Film, an dessen Produktion sie auch beteiligt war, sollte die Oscargewinnerin endlich wieder auf Erfolgsspur bringen. Zumindest das ist vollkommen gelungen, zumal es selten ein Film über seine Hauptfigur geschafft hat, ein derartiges, empathisches Einfühlungsvermögen des Zuschauers zu ermöglichen.

Apropos und ein weiter Filmtipp: Eine thematisch ganz andere „Kaninchen-Geschichte“, jedoch nicht minder ansehenswert, wird in der Dokumentation MAUERHASE erzählt. Der Dokumentarfilm wirft einen tierischen Blick auf die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung – und zwar aus Sicht der Kaninchen an der Berliner Mauer.

RABBIT HOLE, Filminhalt

Ein Haus mit Garten wie aus dem Bilderbuch – alles ist sauber, glatt und zurechtgerückt oder kurzum: Ein Traum vom amerikanischem Kleinbürgertum in dem Becca (Nicole Kidman) und Howie Corbett (Aaron Eckhart, u.a. WORLD INVASION) leben und lieben.

Die bislang kleine, perfekte Welt ihres „Kaninchenbaus“ verändert sich schlagartig als ihr vierjähriger Sohn Danny (Phoenix List) bei einem Autounfall stirbt…

Fortan ist Becca Einzelkämpferin, versucht sie ihr Dasein in einer nicht mehr existenten Familie, in einer unwirklichen Umgebung und mit Freunden neu zu definieren.

Um den Schmerz zu lindern, hat Becca schon alles probiert: Zu Gott gebetet, Trauerhilfsgruppen besucht, geweint. Ein weiterer auf den ersten Blick unmöglich erscheinender, zweifelhafter Weg der Schmerzbewältigung ergibt sich, als Becca in einer geheimnisvollen Beziehungen mit einem jungen, notleidenden Comicbuch-Künstler namens Jason (Miles Teller) Trost findet: Jason ist der jugendliche Fahrer des Autos, das Danny getötet hat…!

Howies Gruppen-Termine hingegen enden auf dem Beifahrersitz seiner Selbsthilfe-Kollegin Gaby (Sandra Oh)…

Die sicherlich kurzsichtige Privatisierung der Trauerarbeit verschafft dem taumelnden Paar eine kleine aber vor allem dringend benötigte Atempause. Doch spüren natürlich beide, dass sie das dunkle Tal des Schicksals letztendlich nur gemeinsam durchwandern können…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Olympus Pictures, Blossom Films, kino.de

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