TÖDLICHES KOMMANDO

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Da staunte die Männerwelt nicht schlecht: Einer der härtesten Kriegsfilme kommt von einer Frau!

TÖDLICHES KOMMANDO

Das Kriegs-Drama TÖDLICHES KOMMANDO (Originaltitel: THE HURT LOCKER) wurde von der Filmemacherin Kathryn Bigelow in Szene gesetzt, die damit zum wiederholten Mal zeigt, dass in Hollywood die Frauen – auch ganz anders können…

Kathryn Bigelow

Die Regisseurin, die mit James Cameron verheiratet war, ist nicht gerade für eine hohe Frequenz der Erscheinung ihrer Filme bekannt. Jedoch wenn Kathryn Bigelow einmal eine Geschichte ins Kino bringt, ist diese oft von exzeptioneller Qualität (u.a. GEFÄHRLICHE BRANDUNG, ZERO DARK THIRTY).

Mit dem um Realismus bemühten, intensiven Irakkriegsfilm TÖDLICHES KOMMANDO, das wirklich harten Männerstoff beinhaltet, meldet sich die vom Publikum lange verkannte Action-Regisseurin, nach sieben Jahren Schaffenspause, auf der Leinwand zurück.

THE HURT LOCKER – TÖDLICHES KOMMANDO

Auf ein Vorwort: Hölle und Alptraum, Adrenalin-Rausch oder Abenteuer? Der Krieg hat viele Gesichter!

Ja, und vielleicht ist es tatsächlich dann einer Frau vorbehalten, dem modernen, amerikanischen Kriegsfilm in seiner eher desaströsen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Aber leider ist dieser Film hinsichtlich seiner Machart, auch nur ein unter Vorbehalt gelungenes Experiment…

Wo immer ein Krieg im Film gezeigt wird, erscheint zum Anfang der Handlung der Soldat als halbwegs normales menschliches Wesen und endet meist als Wrack oder Psychopath oder als beides in einem (u.a. DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN, APOCAYPSE NOW, etc.). Aber das will der geneigte Zuschauer nicht mehr auf der Kinoleinwand sehen.

Zu sehr ist bei dieser Art von Kriegsfilm alles einmal mehr Irrsinn und Ausnahmezustand, das absolute Gegenteil von Zivilisation. Deshalb: Neue Bilder müssen her! Und zumindest den Ansatz, wie sich das Bild des Soldaten im Kino verändern könnte, zeigt der Film TÖDLICHES KOMMANDO ganz ansprechend. (mehr dazu in der Filmkritik)

Statt einem Inferno aus Kugeln Blut und Dreck, nimmt dieser Film von Anfang an nur eine dokumentarische Perspektive ein. Ohne ständig erhobenen, moralischen Zeigefinger und unkommentiert beobachtet er aus der Nähe. Er erklärt den Krieg nicht mehr als Hölle, sondern als Arbeit, als Job mit täglichen Handgriffen und Routinen. So zusagen: War-light!

Gewiss, das macht das Grauen des Krieges nicht ungeschehen, relativiert es jedoch anscheinend und vermittelt ein bisschen den nachhaltigen Eindruck: „…na irgend jemand muß die Drecksarbeit ja machen.“ Damit spiegelt TÖDLICHES KOMMANDO wohl auch den Großteil der Meinung der amerikanischen Gesellschaft zum Thema  „Herrscher über Gerechtigkeit und Tod“ ziemlich auf den Punkt gebracht wieder – ein Land, das sich dabei mit einer Mischung aus Entfremdung und Entgeisterung, nur ganz allmählich im Spiegel des Irakkrieges selbst erblickt.

TÖDLICHES KOMMANDO, Filmkritik

Der renommierten Regisseurin Kathryn Bigelow geht es augenscheinlich weniger um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Irakkrieg, statt dessen interessiert sie sich vielmehr für die Psyche der Soldaten, die süchtig nach dem Adrenalin-Kick sind. Und Bigelow vermeidet es ebenso eine politische Haltung einzunehmen.

Die Regisseurin beschränkt sich nur auf die intensive Darstellung des Lebens der Soldaten, welche während ihres gefährlichen „Jobs“ die Tage rückwärts zählen und warten, bis es wieder nach Hause geht…Deshalb ist der Film TÖDLICHES KOMMANDO aus meiner Sicht eher die halbehrliche Absicht, einen medial zensierten Krieg, von dem es kaum Bilder gibt, wirklich ins Bewusstsein zu rücken.

Das Script des Autors Mark Boal, der selbst und als Journalist bei einem Bombenentschärfungsteam im Irak war, wäre eine gute Gelegenheit -gewesen-, einen weniger vom überschwänglichen Patriotismus geprägten Realismus auf die Leinwand zu bringen. Dies scheitert aber an der Tatsache, dass am Ende auch eine Kathryn Bigelow nicht anders kann, als in dem Film TÖDLICHES KOMMANDO den guten Amerikaner zu glorifizieren: Selbst im größten Irak-Schlamassel zieht dieser seinen eigenen, kleinen Gerechtigkeitsfeldzug kernig über die Bühne…

Auch wenn es der Filmemacherin gelingt, durch den Mut zur Monotonie der Bilder, eine Art Alltagswirklichkeit zu zeigen, verpasst das Drama die Chance auf einen wirklich „anderen Kriegsfilm“. Schade, schade!

Sensation bei der Oscar-Verleihung 2010

8. März 2010: Für eine Sensation sorgte Kathryn Bigelow: Als erste Frau hat die US-Regisseurin mit ihrem Irak-Kriegsdrama THE HURT LOCKER den Regie-Oscar gewonnen.

Die kleine Independent-Produktion wurde zudem als bester Film ausgezeichnet und stach somit in beiden Königskategorien den Hollywood-Blockbuster AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA von James Cameron aus. Insgesamt gewann der Film TÖDLICHES KOMMANDO sechs Oscars, AVATAR  kam auf drei Trophäen – beide waren neunmal nominiert.

TÖDLICHES KOMMANDO, Filminhalt

Für die Soldaten des Munitionsräumdienstes ist im Irak jede Person ein potenzieller Attentäter, jeder Gegenstand möglicherweise eine Bombe.

Als die Einheit des „Explosive Ordnance Disposal“, kurz „EOD“ einen neuen Anführer bekommt, sind die Männer zuerst überrascht von der Todesverachtung des Sergeanten William James (Jeremy Renner) doch der Krieg geht auch an ihm nicht unbemerkt vorbei…

Bei der Durchsuchung eines ausgebrannten Autos nach dem Zünder einer Bombe, versammelt sich am Straßenrand eine Menschenmenge. Auch von den benachbarten Fenstern beobachten die Leute das Geschehen.

Sergeant J.T. Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Owen Eldridge (Brian Geraghty) sind einige Meter entfernt postiert und werden von Minute zu Minute nervöser. Auf dem Dach des einen Hauses steht ein Mann mit einer Videokamera und filmt die Amerikaner bis plötzlich…


Studio / Verleih- und Textnachweis: Concorde Film

TÖDLICHES KOMMANDO , 8.0 out of 10 based on 2 ratings

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