UNSERE OZEANE

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Nach dem Erscheinen des grandiosen Naturfilms UNSERE ERDE, unter der Regie von Alastair Fothergill, war es nur eine Frage der Zeit, bis erneut ein Kamerateam den derzeitigen Boom von Naturdokumentationen aufgreift und medienwirksam fortführt.

Inhalt

UNSERE OZEANE

Doch diesmal geht es weder zu Lande noch in der Luft zur Sache – nein, die Schauspieler und Erfolgsproduzenten Jacques Perrin und Jacques Cluzaud (MIKROKOSMOS, NOMADEN DER LÜFTE) begeben sich UNSERE OZEANE (Originaltitel: OCEANS) auf spektakuläre Tiefseefahrt.

Wasser, Land, Luft

Zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt und damit dem direkten Blicken des Menschen entzogen.

Der für uns lebensfeindliche Raum bietet eine faszinierende Artenvielfalt, die von der Natur mit teilweise unvorstellbaren Fähigkeiten ausgestattet ist. Um jedoch den Geheimnissen filmisch zumindest ein stückweit auf die Spur zu kommen, war ein vierjähriger Entstehungsprozess erforderlich, der den involvierten Kamaraleuten alles abverlangte…

UNSERE OZEANE – unser Freizeitvergnügen ?

Nur mit Hilfe spezieller, hochkomplizierter Kamerasysteme konnten diese unbestritten überwältigenden Unter-und Überwasseraufnahmen entstehen, doch angesichts der bereits angesprochenen Schwemme an Dokumentationen (SERENGETI), melden sich auch immer vehementer radikale Naturschützer zu Wort, die fordern, dass ein generelles Umdenken notwendig ist.

So wäre es aus deren Sicht nicht nur wünschenswert sondern zwingend, dass die Tierwelt nicht mehr regelrecht vor die Schweinwerfer bzw. Linsen gezungen wird – das deren Lebensräumen mehr respektiert werden und sie damit weniger dem Beobachtungs-Stress ausgesetzt sind. Ich finde, ein Argument, dass in gewisser Art nicht von der Hand zu weisen ist. Denn wer es möchte, findet zu den übergreifenden Themen bereits genügend Informationen und Wissen in existierenden Publikationen und braucht beispielsweise keine neuen Fotos von den weltweit nur noch 3000 Exemplaren zählenden Schneeleoparden…

Auf die schöne und sehr selten gewordene Großkatze wird mit Fotofallen regelrecht „Jagd“ gemacht!

Zudem erzeugt die Bilderjagd bei den vom Aussterben bedrohten Arten nicht nur Medien-Stress, sondern auch beim Kinozuschauer das zunehmende Gefühl, dass sich die Filmteams geradezu die Kameras in die Hände geben. Somit tritt ein viel tiefgreifenderes Phänomen in den Vordergrund: Die Technologisierung des Genres führt dazu, dass insbesondere die Produzenten sich mit filmischen Höchstleistungen versuchen zu überbieten.

Und nach deren Aussage will das der Zuschauer…? Stimmt das oder geht es in erster Linie um Geld, um sehr viel Geld?! Die Lobby der Tierfilmer hat die Zeichen der Zeit jedenfalls genau erkannt – und wirtschaftliche Interessen sind schon immer „des Hasen sicherer Tod“, insofern „nichts im Westen“ und es unterstreicht die Argumentierung der radikalen Naturschützer aufs trefflichste…

UNSERE OZEANE, Filmkritik

Eine Dramaturgie, die vom ewigen Rauschen des Meeres bestimmmt wird.

Es sind sensationelle Momentaufnahmen von geradezu atemberaubenden Schönheit: Das majestätische Tauchballett der Buckelwale oder das Widerspiegeln der über dem Horizont abgeschossenen Weltraumrakete in den Augen einer Meerechse, sind stellvertretende Highlights aus einem Film der Superlativen.

Und für knapp zwei Stunden sind Kritiker, Natur und Technik miteinander versöhnt, denn Jacques Perrin und Jacques Cluzaud haben sich mit der Dokumentation UNSERE OZEANE zum Ziel gesetzt, auch auf die desaströse Entwicklung durch die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere und dem daraus folgenden, ozeanischen Artensterben hinzuweisen.

Sie wollen sensibilisieren und durch die Mittel der Ästhetik, dem Blick „hinter den Spiegel“ bzw. unter die Wasseroberfläche, ökologisch-kritisch nachhaken…um zumindest ansatzweise auch bei den Kritikern des Naturfilm-Genres die Wogen zu glätten…

Fazit: Von den angemerkten, zwiespältigen Hintergründen abgesehen, weiß UNSERE OZEANE mit tolle Bilder und einem genialen Soundtrack zu gefallen!

UNSERE OZEANE, Soundtrack

Der bewegende Soundtrack stammt vom Komponisten Bruno Coulais. Er schrieb bereits die Musik zu den Filmen MIKROKOSMOS und DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU.

UNSERE OZEANE, Filminhalt

Im Kinofilm UNSERE OZEANE werden pfeilschnelle Delphine, anmutige Wale sowie Schwärme mit tausenden von Heringen ins Kameravisier genommen.

Außerdem gibt es mikroskopisch winzige Kleinstlebewesen zu bewundern, die in unendlich erscheinenden Tiefen und in absoluter Dunkelheit existieren – können und damit der Wisssenschaft immer wieder Rätsel aufgeben.

Somit begegnet der Zuschauer in der Dokumentation Bewohnern der Weltmeere, die er bereits kennt, solche über die wir bislang nur wenig wissen und einige, die es nun zu entdecken gibt…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Universum Film

UNSERE OZEANE , 9.5 out of 10 based on 4 ratings

2 Kommentare zu UNSERE OZEANE

  1. Hab den Trailer im TV gesehen und war wirklich beeindruckt. Den werd ich mir wohl als DVD zum späteren Zeitpunkt ansehen.

  2. Es ist eine der besten Dokumentationen über das Leben unter Wasser, nicht nur weil sie interessant und informativ ist, sondern weil sie sich von den sonst üblichen Filmen des Genres deutlich absetzt. Dabei rede ich nicht von den tollen Aufnahmen. Manche sind rührend, andere lustig, wieder andere zeigen bisher nie Gesehenes vom Überlebenskampf des Fressen und Gefressen Werdens.

    Was den Film auszeichnet ist zum Einen, dass die sonst übliche Dauerberieselung durch einen Sprecher fehlt. Hier kann man ausgiebig die Bilder genießen, die begleitet werden von einem äußerst spärlich gehaltenen Kommentar, der dazu noch philosophisch distanziert, zwar schon Bezug nimmt auf die Bilder, aber eher reflektierend das Geschehen qualitativ überhöht.

    Es beginnt mit der Frage eines Kindes „Was ist das, das Meer?“ Und etwas später heißt es über die Erforschung des Ozeans „Es ist ein wahrgewordener Traum, die andere Seite des Spiegels zu erforschen.“ Zum anderen wird hier eine lebensnotwendige Message deutlich: das natürliche Gleichgewicht ist aus dem Lot geraten, wir müssen etwas ändern. Es geht um Arten- und Umweltschutz. So bekommt man Respekt vor den Tieren und es entsteht ein Gefühl der Interdependenz, begleitet von dem Wunsch, diese Lebewesen noch lange bewundern zu können.

    Ein Lob für Jacques Perrin, der sich im Alter zum Tierfilmproduzenten mit kurzen eigenen Auftritten gemausert hat. Klasse!

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