ARMADILLO

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Politik trifft Wirklichkeit!

ARMADILLO

Die Kriegs-Dokumentarfilm ARMADILLO, vom dänischen Regisseur Janus Metz Pedersen, ist einer der erschütterndsten und einer der besten des Genres. Unter den Preisträgern des 2010 Leipziger Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilme, auf dem ARMADILLO vorgestellt wurde, suchte man das dokumentarische Highlight jedoch vergebens.

Das finde ich insofern bedauerlich, weil der atmosphärisch dichte und schonungslose Film über den Einsatz dänischer ISAF-Soldaten in Afghanistan bereits auf dem Festival in Cannes für Aufsehen sorgte und in seinem Heimatland eine langanhaltende, kontroverse Diskussion auslöste. Schon deshalb wäre es nur logisch gewesen, ARMADILLO nicht nur unter der Kategorie „Außer Wertung“ laufen zu lassen (!).

Hingegen denke ich auch, dass die gezeigten ambivalenten Bilder es wohl noch schwerer gehabt hätten internationale Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn es sich dabei nicht um dänisches, sondern um amerikanisches oder gar deutsches Militär handeln würde. Wie das dann aussieht bzw. vermarktet wird, zeigt die amerikanische Dokumentation RESTREPO von 2011.

Insofern sollte man Janus Metz Pedersen bzw. den dänischen Pressestellen direkt „dankbar“ sein, dass der in Szene gesetzte, politische aber vor allem menschenverachtende Wahnsinn, der aus meiner Sicht hart an der Grenze von Kriegsverbrechen steht, der Öffentlichkeit gezeigt werden kann. Inwieweit und ob das Auswirkungen auf die generelle Afghanistanpolitik hat, bleibt natürlich unbeantwortet…

Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang dennoch, dass mit der Dokumentation ARMADILLO erneut das Bewusstsein der Menschen für eine friedliche Konfliktlösung in diesem Land sensibilisiert wird. Die furchtbaren Bilder des Films können jedenfalls keine eindeutigere Botschaft übermitteln…!

ARMADILLO, eine Klasse für sich

ARMADILLO (Gürteltier) ist der Name von einem der dänischen Außenposten in der südafghanischen Provinz Helmand.

Regisseur Janus Metz und Kameramann Lars Skree wurde für sechs Monate gestattet, die dänischen Soldaten im Lager und an vorderster Front, bei ihren schon fast irrwitzig anmutenden Einsätzen mit der Kamera zu begleiten. Entstanden ist daraus Reality-TV, wie es sich der Zuschauer schlimmer kaum vorstellen kann.

Wie bereits angemerkt, gab es in der Vergangenheit zum Thema Irak- und Afghanistan-Krieg schon einige Dokumentationen. Doch der Film ARMADILLO ist noch einmal eine Klasse für sich.

Abgesehen von der schrecklichen Thematik mit den drastischen, unzensierten und schockierenden Bildern -welche mich zu tiefst berührt haben- ist hauptsächlich die professionelle Kameraarbeit und der auf den Punkt gebrachte Soundtrack hervorzuheben. Überhaupt ist der Film so hochwertig produziert, dass man in der Tat kaum glauben mag, dass es sich bei ARMADILLO wirklich um eine reine Dokumentation handelt.

ARMADILLO, Filmkritik

Um es vorab zu sagen: Die Antworten und Erkenntnisse sind mehr als erschütternd…

Sätestens wenn die Absichten auf Demokratisierung und Entwicklung mit den schrecklichen Ereignissen des Krieges kollidieren, ist Schluss mit Abenteuerromantik – werden Männer zu Bestien und werden so ziemlich alle Vorurteile über den Berufsstand „Soldat“ bestätigt…!

Hier gilt nur die Devise: Du oder Ich. Vom Adrenalin aufgeputscht wird im Anschluss an die Kampfeinsätze feixend über tödliche Vorkommnisse gesprochen. Dann wird bis ins Detail berichtet, dass mit einer Handgranate gleich vier Taliban getötet wurden, wie ihre zerfetzten Leiber stanken und das sich im Grunde das ganze Land zum Teufel scheren soll…!

Und bei allem ist in ARMADILLO die Kamera hart und verstörend dabei. Sie ist derart dicht im Gefecht und Teil des Schusswechsels, dass der Zuschauer keine Chance bekommt, eine liberale Haltung einzunehmen. Sind diese jungen Soldaten Mörder? Oder nur Opfer einer gewissenlosen und machtgierigen Politik? Krieg wird in diesem Film verdammt spürbar gemacht und es gelingt ihm, einen sehr fernen Konflikt sehr nah an den Zuschauer heranzuholen.

Amerika, England, Niederlande, Deutschland, Dänemark…könnten keine vergleichbaren Kriege führen ohne solche jungen Männer wie Mads und Daniel. Dabei scheint unerheblich, ob diese „nur“ inbrünstig an Gott oder vollkommen falschverstanden an die Nation glauben.

Solange diese Männer einen „Beruf“, eine Aufgabe ergreifen können, zu dessen Inhalt das Töten gehört, solange wird es immer ein Verbrechen an den Menschen bleiben – egal welche politische Aussage oder vermeintlich humanitäre Absicht dahinter steht.

Darum sage ich: Raus aus Afghanistan! Kein Hindukusch, kein Rohstoff auf der Welt ist es wert, dass Menschen dafür sterben müssen. Terrorismus entsteht nicht nur auf den Strassen. Terrorismus ist schon in unseren Köpfen – wenn wir uns nicht gegen scheinheilige Friedens-Politik wehren!

ARMADILLO bekam den Großen Preis der „Semaine de la Critique“ 2010 in Cannes.

ARMADILLO, Filminhalt

Es ist die Überlebens-Geschichte der beiden jungen Soldaten Mads und Daniel: Freiwillig melden sie sich zum Kampfeinsatz in Afghanistan, wollen der Bevölkerung helfen, sich gegen die Taliban zu wehren. Abenteuerlustig und aufgeschlossen, den „Teamgeist“ beschwörend, begeben sie sich gemeinsam mit ihren Kameraden auf eine Reise, die für einige von ihnen ohne Wiederkehr sein wird.

Je heftiger sich die Kämpfe entwickeln, desto zynischer und desillusionierter werden die Soldaten. Die Kluft zwischen ihnen und den Einheimischen wächst von Tag zu Tag und somit ist es auch bald ein Trip in die Köpfe der Protagonisten, ein Versuch herauszufinden, was im Einzelnen Krieg für jeden bedeutet…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Frithiof Film

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