BIRDMAN

BIRDMAN
Foto: Fox Deutschland
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Die bitterböse Komödie BIRDMAN oder DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT, von Alejandro G. Iñárritu (u.a. BABEL , BIUTIFUL), wurde mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet.

Für mich insofern keine Überrraschung, denn die Komödie, die im Grunde ein Drama ist, galt bereits im Vorfeld und ebenso wie Richard Linklaters Coming of Age Drama BOYHOOD als heißer Kandidat für die Oscar-Verleihung. So war denn die nebenher Meldung, dass es zum ersten Mal in diesem Jahrtausend eine Komödie in der Hauptkategorie geschafft hat, eher ein Witz in sich…

BIRDMAN, im Kino

Gleich Vier der begeehrten Academy Awards konnte der Film für sich verbuchen – u.a. für die ‚Beste Regie‘ und war im Dolby Theatre in Los Angeles gemeinsam mit der nicht minder schwarzen Komödie GRAND BUDAPEST HOTELebenfalls 4 Oscar’s- der Gewinner des Abends.

DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT

Foto: Fox Deutschland
Foto: Fox Deutschland

Apropos herausragend: BIRDMAN wurde nahezu ohne einen einzigen Shot gedreht. Sprich: es gibt faktisch keine Schnitte. Die Kamera fängt stets das Geschehen ein, ohne abzubrechen.

Dabei ist Iñárritu bei weitem nicht der erste Regisseur, der sich an einem solchen filmischen Mammutprojekt versuchte. Auch das russische Historiendrama RUSSIAN ARK, des Regisseurs Aleksandr Sokurov, kommt ohne einen Cut aus – und das bei stolzer Lauflänge von knapp 100 Minuten.

Selbst ein Alfred Hitchcock unternahm den Versuch ohne Shot zu drehen. In einem seiner bekanntesten Filme, dem Klassiker COCKTAIL FÜR EINE LEICHE, sah sich Hitchcock jedoch mit dem Problem konfrontiert, dass in der damaligen Zeit (1948) die Rollen der Filmkameras nur 16 Minuten fassten. So musste Hitchcock ein wenig in der Film-Trickkiste wühlen, damit zumindest der Schein gewahrt werden konnte.

Konkret dieses Problem hatte Iñárritu im digitalen Filmzeitalter natürlich nicht. Dennoch musste auch dieser Meisterregisseur das Publikum diesbezüglich ein wenig hinters Licht führen, um am Ende in BIRDMAN stilistisch seinem Vorhaben treu zu bleiben.

Die fast perfekte Täuschung

Mit Fug und Recht kann demnach behauptet werden, dass am Gelingen des Projekts der Kameramann Emmanuel Lubezki großen Anteil hat. Lubezki, dessen Arbeit bereits in Filmen wie BURN AFTER READING (Coen Brüder) oder THE TREE OF LIFE (Terrence Malick) zu bewundern war, zaubert erneut unglaubliche Kamerafahrten auf die Leinwand. Noch lange nach dem Abspann überlegt der geneigte Zuschauer, wie diese in ihrer Komplexität wohl konstruiert sind.

So bekommt man beispielsweise bei Gesprächen zwischen den Protagonisten keinen typischen Kamera-Schuss/ Gegenschuss präsentiert, sondern einen flüssigen Kameraschwenk. Schaut der Betrachter allerdings sehr, sehr aufmerksam hin, werden dennoch einige Schnitte erkennbar…was dem Gesamtkonzep aber keinen Wehrmutstropfen beimischt.

Beeindruckend sind allerdings nicht nur die überlangen Kamerafahrten. Vielmehr wurden diese in BIRDMAN geradezu grandios mit Spezialeffekten verbunden. Alles wirkt absolut flüssig – wie aus einem Guß inszeniert. Jede Szene, jede Gestik besitzt bis ins Letzte einen Feinschliff, den man in großen Hollywoodmassenproduktionen garantiert vergeblich sucht.

BIRTMAN – ein Comeback im Film und im wahren Leben

Michael Keaton, der Hauptdarsteller des Films, gelang zu großer Bekanntheit als legendärer Superheld Batman.

Im Anschluss wurde es verhältnismäßig ruhig um den Darsteller. Er entzog sich regelrecht der Tretmühle Hollywoods. Um so erstaunlicher ist sein Comeback als „Batman“ zu werten, dass sogar als eine Art Biographie angesehen werden kann. Mehr noch, erst in BIRDMAN zeigt Keaton beeindruckend die gesamte Bandbreite bzw. die zahlreichen Facetten seiner Schauspielkunst. Damit ist meiner Meinung nach seine Performance im Part eines nahezu gescheiterten Schauspieler noch ausgereifter als die von Eddie Redmayne in Stephen Hawkings DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT.

BIRTMAN, Filmkritik

Doch nicht nur Keaton kann überzeugen, auch die Nebendarsteller Edward Norton und Emma Stone zeigen schauspielerische Höchstqualität. Norton weiß als hektisch-egozentrischer Theaterschauspieler zu gefallen, der in seinem Part ausdrucksstark eine unfassbare Arroganz an den Tag legt.
Ebenso hat mich Emma Stone überzeugt, die ruhig aber emozional auf der Leinwand präsent ist.

FAZIT: BIRDMAN ist ein intelligentes und beeindruckendes Stück Filmgeschichte, mit einer Kameraführung, wie man sie nur selten sieht. Oder kurz gesagt: ein Film mit absoluter Empfehlung!

BIRTMAN, Besetzung

Michael Keaton: relativ festgeschrieben auf den legendären Superhelden aus Tim Burtons BATMAN und BATMANS RÜCKKEHR.
Emma Stone: die Schauspielerin mit schwedischen Wurzeln erlangte Bekanntheit durch ihre Rollen in SUPERBAD und ZOMBIELAND. Einer ihre jüngsten Kinofilme lautet THE AMAZING SPIDERMAN 2: RISE OF ELECTRO.
Edward Norton: Hauptcharakter in FIGHT CLUB sowie die Verkörperung des grünen Monsters in DER UNGLAUBLICHE HELD. Zu Letzt gesehen in AMERICAN HISTORY X im Part des Neonazi.
Zach Galifianakis: Der Halbgrieche spielte in HANGOVER und den entsprechenden Sequels mit. Weiterhin in der Komödie STICHTAG.

BIRDMAN oder DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT, Bilder

BIRTMAN, Filminhalt

Der Bühnenschauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton) landete vor langer Zeit mit der Verkörperung des ikonischen Superhelden BIRDMAN einen großen Kinohit. Weiterer Erfolg blieb jedoch aus…seine Karriere ist quasi am Ende.

Total vom Leben und der Arbeitswelt frustriert, versucht er sich nun als Regisseur und möchte ein Broadway-Stück auf die Theaterbühne bringen.

Kurz vor der Premiere von ‚What We Talk About When We Talk About Love‘ fällt eine wichtige Charaktere aus. Riggans sucht dringenden Ersatz. Diesen findet er in Mike Shiner (Edward Norton), einem sicher begabten aber gleichzeitig arrogant-exzentrischem Choleriker.

Jener baggert auch sofort Riggans Tochter Sam (Emma Stone) an, die im Grunde ganz andere Probleme hat. Sam ist auf Drogenentzug.

Zur weiteren Misère gestaltet sich seine ehemalige Freundin Laura (Andrea Riseborough), die herumposaunt, von ihm schwanger zu sein. Auch seine Ex-Frau Sylvia (Amy Ryan) macht ihm das Leben schwer bzw. spielt auf den sensibel gespannten Künstlernerven…

Kann das ‚Theaterstück‘ gut aus-gehen…?


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: Fox Deutschland

BIRDMAN, 6.8 out of 10 based on 4 ratings

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