EFFI BRIEST

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An die kinogerechte Umsetzung von EFFI BRIEST, einem Meilenstein in der deutschen Literatur, wagte sich bereits 1974 Rainer Werner Fassbinder heran.

EFFI BRIEST

Im Kinojahr 2009 erfolgte die Neuauflage durch Hermine Huntgeburth und ich war einigermaßen gespannt, ob die neuerliche Romanverfilmung nach Theodor Fontanes weltberühmten Werk nicht dem gleichen cineastische Desaster anheimfällt, wie die insgesamt misslungene 2008er Verfilmung des gesellschaftskritischen Zeitdokuments DIE BUDDENBROOKS von Thomas Mann.

Hermine Huntgeburth

Regisseurin Hermine Huntgeburth zählt zu den bekannten Filmschaffenden in der deutschen Kinowelt.

Zu ihren bisherigen, herausragenden Arbeiten gehört u.a. die Bestsellerverfilmung DIE WEISSE MASSAI, der Kinoerfolg BIBI BLOCKSBERG.

EFFI BRIEST die Neuverfilmung

Produziert wurde das Drama EFFI BRIEST von Prof. Dr. Günter Rohrbach, der bereits für DEN Blogbuster aller deutschen Filme DAS BOOT verantwortlich zeichnete und somit wohl für immer unvergessenen bleibt.

EFFI BRIEST, Besetzung

Die bereits oft ausgezeichnete und für mich zu den Lieblingsschauspielern zählende Julia Jentsch (u.a. SOPHIE SCHOLL, DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI) spielt darin die Titelfigur. Sie agiert in Anlehnung an den Roman als eine moderne und selbstbewusste Frau, welche sich nicht in typische Verhaltensmuster und gesellschaftliche Zwänge der damaligen Zeit pressen lässt.

Die Rolle ihres ungeliebten sowie wesentlich älteren Mannes: Geert von Innstetten kommt Sebastian Koch zu, der zu den Top-Darstellern des deutschen Filmgeschäfts gehört. Sein überragendes schauspielerisches Können zeigte er bereits u.a. in dem Drama DAS LEBEN DER ANDEREN an der Seite von Ulrich Mühe und in Reinhard Mohns Film ES MÜSSEN MEHR KÖPFE ANS DENKEN KOMMEN.

Misel Maticevic, zuletzt in IM WINTER EIN JAHR, ist Effis Verführer – der Major von Crampas.

EFFI BRIEST, Roman vs. Filmadaption

Im Ehebruchdrama EFFI BRIEST rechnete Theodor Fontane vordergründig vor allem mit dem Mief und dem gesellschaftlichen Dogma Preußens zum Ende des 19. Jahrhunderts ab. Verkommene Ehrvorstellungen, erdrückende Bürokratie und die völlig einengenden, gesellschaftlichen Konventionen machten vor allen den Frauen das Leben teilweise unerträglich.

Auch in Hermine Huntgeburths Kinofilm-Version geht es um eine Frau, die an der frauenfeindlichen Gesellschaft tragisch scheitert. Jedoch im Unterschied zum dem 1895 erstmals erschienenen Roman-Klassikers gibt es hier ein zwar verhaltenes, aber dennoch optimistisches Ende.

Im Gegensatz zum Buch, in dem Fontane seine Romanfigur bei dem Versuch ihr eigenes Leben zu leben sterben lässt, „darf“ Effi in Hermine Huntgeburths Interpretation allerdings weiterleben bzw. als „Single“ ein neues Leben beginnen…

EFFI BRIEST, Filmkritik

Wie ich schon vermutet hatte, gewinnt Regisseurin Hermine Huntgeburth dem Roman EFFI BRIEST in der erneuten Verfilmung tatsächlich auch neue Seiten ab. Alles ist modern gehalten bzw. inszeniert und so sucht man die schöne, literarisch anspruchsvolle Sprache Fontanes eher vergeblich.

Jedoch bin ich sowieso der Ansicht, dass man das geschriebene Buch nicht seitenweise mit der anschließenden Filmumsetzung vergleichen sollte. Einfach besser ist es, die künstlerische Freiheit des Regisseurs zu akzeptieren, denn es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Äpfel und Birnen auf eine geschmackliche Linie zu bringen!

Andere Vergleiche hingegen drängen sich indes geradezu auf.

So beginnt EFFI BRIEST -analog zur Verfilmung der BUDDENBROOKS- ebenfalls mit einer Ballszene. Und dieser Film benötigt ebenso eine gute halbe Stunde, bis etwas Atmosphäre entsteht. Desweiteren hat aus meiner Sicht, die Art und Weise wie die Liebes- und Nacktszenen künstlerisch umgesetzt wurden, starke Parallelen zu dem Film WOLKE 9 von Andreas Dresen: Keine romantische oder leise Musik im Hintergrund bzw. kein weiches Licht, welches die Darsteller umschmeichelt. Alles was Fontane an Ambivalenzen sah, was er andeutungsweise und phantasievoll (be)schrieben hat, wird hier mit einem direkten und somit eher „unerotische“ Kamerastil, der sicher realistisch aber nicht stimmungsvoll wirkt, auf die Leinwand gebracht.

Ausgesprochen gut hat mir Juliane Köhler -die Mutter von Effi- und Barbara Auer als intrigante Hausdame sowie Geert von Innstettens gefallen. Ebenfalls ein besonderes, schauspielerisches Highlight ist Rüdiger Vogler, der in der charismatischen Rolle des Dorfapothekers zu überzeugen weiß.

Letzendlich sind es dann diese drei Protagonisten -und leider nicht die Hauptprotagonistin Julia Jentsch- welche der 2009er Verfilmung eine „Seele“ geben bzw. das, was ein Film braucht um den Zuschauer in sein Bann zu ziehen…

Fazit: Ansehenswert jedoch eine durchschnittlicher Film!

EFFI BRIEST, Filminhalt

Effi wächst in der nach strengen Konventionen lebenden besseren Gesellschaft im Preußen des späten 19.Jahrhunderts auf.

Sie ist erst 17jährig als das junge Mädchen von den Eltern dazu gedrängt wird, den viel älteren und aristokratisch steifen Baron von Instetten zu heiraten.

Ihre Mutter (Juliane Köhler) ist natürlich der festen Ansicht, nur das Beste für ihre Tochter zu tun, denn Baron von Instetten ist das, was man wohl damals – eine gute Partie – nannte.

Jedoch bereits ihre Hochzeitsnacht wird die Hölle. Instetten ist einfach ein lausiger und rücksichtloser Liebhaber…

Ziemlich frustriert, um es neudeutsch auszudrücken, lernt sie später den jungen Lebemann Major Crampas kennen und durch ihn erfährt Effi was Liebe sein kann.

Als von Instetten Jahre wenig später von dem Betrug seiner Frau erfährt, tötet er den Widersacher im Duell. Effi wird von ihm verstoßen bzw. gesellschaftlich verbannt und auch der Umgang mit der gemeinsamen Tochter wird ihr verboten…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Constantin Film

EFFI BRIEST , 7.1 out of 10 based on 7 ratings

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