MILK

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Das einwenig dokumentarisch anmutende Drama MILK, des Regisseurs Gus Van Sant (u.a. GOOD WILL HUNTING, ELEPHANT), darf cineastisch durchaus als wertvoll gelten.

MILK

In der Hauptrolle ist Sean Penn (GANGSTER SQUAD) zu sehen, der den Part des Harvey Milk fantastisch ausfüllt. Somit hat Gus Van Sant, der bei der Auswahl großen Wert auf äußerliche Ähnlichkeiten legte, die perfekte Wahl getroffen und die Ereignisse in dem Film machen zudem sehr deutlich, dass zeitgeschichtlich gesehen im Grunde alles noch gar nicht so weit in der Vergangenheit liegt als man glauben mag bzw. ist die Thematik bis heute aktuell geblieben…

Harvey Milk

San Francisco, 1972: Harvey Milk und sein Partner Scott Smith eröffnen im Arbeiterviertel „Castro“ einen kleinen Fotoladen „Castro Cameras“ – und sofort schlägt ihnen der geballte und unverhohlene Hass der angrenzenden Ladenbesitzer entgegen.

Vom kleinen Mann auf der Straße über die Polizei und bis hin zu den fanatischen Glaubensbekennern sind die meisten Bürger für eine strikte und radikale Ausgrenzung der Homosexuellen aus der Gesellschaft – und dazu gehört auch Harvey Milk.

MILK, Filmkritik

Sean Penn (u.a. 21 GRAMM, GUNMAN) spielt wie gesagt brillant die Figur des Harvey Milk.

Er wurde völlig zu Recht für seinen Part mit dem 2009’er Oscar als bester Schauspieler ausgezeichnet, denn Penn spielt nicht nur diese Figur – er lebt sie förmlich. Der Schauspieler vermag geradezu mit Leichtigkeit die Hoffnung, den Mut, aber auch die Angst und Verzweiflung auf den Zuschauer zu übertragen.

Sowohl im leidenschaftlichen Zusammenleben Milk’s mit seinen Liebhabern als auch bei seinen geschliffenen Diskussionen mit den politischen Widersachern, u.a. mit der reaktionären Anita Bryant, lässt Regisseur Gus Van Sant seinem Protagonisten immer als eine glaubwürdige, ehrliche und trotzdem streitbare Figur erscheinen.

Dennoch wirkte auf mich das Drama MILK inhaltlich einen Zacken zu agitatorisch…Der empfundene Grundton: …schwule Männer sind einfach die besseren, sensibleren Menschen…Und wenn nur mehr Homosexelle an den Schalthebeln der Macht sitzen würden, ginge  es der Menschheit insgesamt besser.

Meine Meinung: Alle Kulturen und Religionen haben einen dringenden Nachholbedarf an gegenseitiger (wirklicher!) Toleranz und Akzeptanz. Und das wiederum steht im engen Zusammenhang mit der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen arm und reich – DER sozialen Sprengkraft. Erst wenn dieses existenzen- und menschenvernichtende Übe“ gelöst werden könnte, dann gäbe es insgesamt weniger Diskriminierung und Hass – auf alles „Andere“ und „Fremde“!

Ganz deutlich wurde das in den Szenen als es darum ging, die Gewerkschaft einer Bierbrauerei während des Wahlkampfes auf die Seite des Schwulenverbandes zu ziehen. Auch hier waren es letztendlich wirtschaftliche Zwänge in Verbindung mit Macht, die ein generelles Umdenken „der Heteros“ folgen lies und war dabei weit entfernt von wirklicher, offener, gegenseitiger Achtung und Respekt!

Fazit: Letztendlich beinhaltet der Film für mich nicht DAS Gänsehautkino als welches es von anderen Filmkritikern bezeichnet wird – ja selbst dann, wenn es zweifellos schauspielerisch wirklich exzellent in Szene gesetzt wurde.

Unstrittig bzw. wie bereits erwähnt, ist aber der Fakt, dass dieser Film für das Geschichtsbewusstsein wichtig ist, weil er die unbedingt positive sowie kämpferische Aussage beinhaltet: Ohne Hoffnung und Handeln, das wusste auch Harvey Milk, ist das Leben nicht lebenswert und vertane Zeit! Dieses Credo macht ihn selbst 30 Jahre nach seinem Tod zu einem modernen Helden, zu einer Lichtgestalt und im Vermächtnis gesehen, zu einem Hoffnungsträger der amerikanischen Gesellschaft.

MILK, Filminhalt

Der kleine Laden wird bald Treffpunkt und Nachrichtenbörse für die Schwulenszene in San Francisco. Harvey Milk hat jedoch ganz andere Vorstellungen und Pläne:  Er will in die Politik um sich direkt an der Schaltzentrale der Macht für die Rechte der Schwulen einzusetzen. Bald entwickelt sich eine „Gay Rights-Bewegung“, deren Aufbruchsstimmung durchaus mit der Situation der Afroamerikaner unter ihrem Führer Martin Luther King verglichen werden muss.

Aber Harvey Milk geht noch einen Schritt weiter: Er schaltet sich in die Wahl der Stadtverordneten von San Francisco ein. Und auch von dort bekommt er sofort Unterstützung von vielen, freiwilligen Helfer. Vor allem sein Berater Cleve Jones (Emile Hirsch, u.a. INTO THE WILDE) ist dabei unermüdlich an seiner Seite.

Nach drei gescheiterten Versuchen wird Milk tatsächlich zum Stadtrat gewählt. Doch seine Amtszeit währt nicht lange. Wie der große Politiker und Bürgerrechtler Martin Luther King, der 1968 in Memphis, Tennessee einem Mordanschlag zum Opfer fällt, so wird Harvey Milk im November 1978 auch durch mehrere Schüsse regelrecht hingerichtet…

Tja, anscheinend die „gute, alte“  Tradition im Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Wurzelnd aus den Zeiten des Wilden Westen wird derjenige, welcher diese grenzenlose Freiheit leben will, einfach mit dem Colt wieder auf die Linie der herrschenden Moral und Politik gebracht.

Oder vom alten Indianer-Cowboyspruch abgewandelt: „Nur ein toter Schwuler – ist ein guter Schwuler!“ Ironie im Nachhinein oder ein Zeichen der Wende (?!)…ausgerechnet Rick Warren, ein strikter Gegner der Homo-Ehe, sprach das Vaterunser zum Amtsantritt von Barack Obama…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Constantin Film

MILK , 8.5 out of 10 based on 4 ratings

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