JONAS – STELL DIR VOR ES IST SCHULE…

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Der Schauspieler und Filmemacher Christian Ulmen ist wieder einmal undercover!

JONAS – STELL DIR VOR ES IST SCHULE UND DU MUSST WIEDER HIN!

Mit dieser schrecklichen Vorstellung wirbt Delphi Film für ihren neuesten Streich, einer Mockumentary der besonderen Art über den Alltag in einer deutschen Schulklasse.

Es ist mit Sicherheit ein sehr skurriler Film, denn Hauptdarsteller Christian Ulmen (WER’S GLAUBT WIRD SELIG) spielt einen 18jährigen Schüler, einen mehrfachen Sitzenbleiber. Seine allerletzte Chance auf einen weiterführenden Schulabschluss ist die 10. Klasse in der Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau. Probezeit sechs Wochen…

Danach wird entschieden, ob Jonas‘ Noten und Verhalten einen weiteren Verbleib auf der Schule zulassen oder ob er sein zukünftiges Leben ohne Schulabschluss begehen muss…

JONAS, Filmkritik

Es klingt ziemlich unverfroren, dass während der sechs Wochen mit einem Kamerateam niemand die wahre Identität des Schauspielers erkannt haben will, dies wird aber mit jeder Minute plausibler.

Christian Ulmen ist ein Chamäleon, das am liebsten vor dem Hintergrund der bürgerlichen Mittelschicht verschwindet – das wiederum hat weniger mit seiner Maskenbildnerin zu tun als mit seiner koketten Nettigkeit.

So feiert die Dokumentation JONAS – STELL DIR VOR ES IST SCHULE UND DU MUSST WIEDER HIN! die Schule recht bereitwillig als vergleichsweise gemütliches Biotop, in dem Matheklausuren mehr gefürchtet werden als Hooligans auf dem Pausenhof.

Mehr noch, Jonas gründet eine Band-AG und verliebt sich in die Musiklehrerin… Tja, bei Günter Wallraff hätte es das nicht gegeben. Im Ulmen-Humor schwingt hingegen immer eine gewisse Distanz zu sich selbst mit, welche die wahre Subversion erst möglich macht. Da kommt der Schwiegersohn dem Psychopathen überraschend nahe, und umgekehrt.

In dieser Beziehung ist der Film wesentlich angenehmer als Machwerke wie DIE FEUERZANGENBOWLE, die Ulmen während der Dreharbeiten wahrscheinlich mitgedacht hat. Damit sind seine Turnschuhe, das labbrige Hoodie und die Emo-Frisur also sind nicht Teil des Projekts, sondern ein liebenswürdiger Tribut an all die Jonasse dieser Welt. [ ]

JONAS, Filminhalt

Gedreht wurde die neue Boje-Buck Produktion (u.a. auch SAME SAME BUT DIFFERENT) im tatsächlichen Unterricht mit realen Schülern und Lehrern.

Während der Drehzeit musste Ulmen sämtliche schulischen Tests mitschreiben, mündliche Prüfungen über sich ergehen lassen und auch seine Freizeit als „JONAS“ verbringen.

Ulmen, sehr erfahren im Langzeitspielen von absurden Charakteren wie Uwe Wöllner, Knut Hansen oder Alexander von Eich (FRANZISKARRRR…ICH HABE DIE SONNE VEDUNKELT!), tauchte dermaßen in die neue Rolle ein, dass er sie als Psychotherapie für sich und alle bezeichnet, die öfters von dem Alptraum geplagt werden, das Abi noch einmal machen zu müssen.


Studio / Verleih / Bild und Textnachweis: DELPHI Filmverleih, Cornelia Filipov, dcm, [Alexander Dahas]

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3 Kommentare zu JONAS – STELL DIR VOR ES IST SCHULE…

  1. Zitat: „…Es klingt ziemlich unverfroren, dass während der sechs Wochen mit einem Kamerateam niemand die wahre Identität des Schauspielers erkannt haben will…“

    Wer behauptet denn das? Darauf war der Film und deren Macher nicht aus. Konzeptionell unterscheidet sich der Film grundlegend zu dem Format von „Mein bester Freund“. Ich Zitiere: „…Das Neue gegenüber „Mein neuer Freund“ war, dass wir nicht mit versteckter Kamera gedreht haben. Und unser Anliegen der Schule gegenüber offen und ehrlich kommunizieren wollten….“ Robert Wilde, Regie, http://www.jonas-derfilm.de/film.html

    hefe

  2. Dem stimme ich voll zu! Dennoch ist es wohl richtig, dass zwar NICHT mit „versteckter“ Kamera gearbeitet wurde bzw. sowohl Schule als auch Schüler von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, aber dennoch keiner der Beteiligten über die „wahre“ Identität, das Wirken des Protagonisten (Christian Ulmen) bis zum Ende bescheid wusste?! Ist das nicht an dem, stünde ja die Frage nach Sinn und Zweck einer/dieser Mockumentary zur Debatte, die im Umkehrschluss ein reiner Spielfilm wäre…(z.B. UNSER LEHRER DOKTOR SPECHT ;))
    Vermarktungstechnisch hingegen ist die „offizielle“ Ankündigung, dass „rein“ undercover gedreht wurde, natürlich clever. Rein praktisch und faktisch bzw. logisch in dieser Form aber nicht durchführbar. Gerade deshalb ist es somit und aus meiner Sicht ein sehr interessantes Experiment – lässt es doch bezüglich der ehrlichen/natürlichen Reaktionen der „unfreiwilligen“ Mitspieler weitaus mehr Spielraum zu als herkömmliche Schul-Dokumentationen.

    beste Grüsse
    Die Redaktion

  3. Ich habe mir heute die Blu-ray angeschaut und muss sagen, dass es sich hierbei um einen der besten Filme handelt, die ich seit Langem gesehen habe. Nicht nur das Christian Ulmen es schafft mich an meine Schulzeit zurückzuerinnern, er vermag es zudem, einmal mehr über die Situation der Schüler von heute nachzudenken. Denn wie er in dem Interview auf den Extras bemerkt: …war das bei uns früher nicht so, dass wir darüber nachgedacht haben, was alles später sein wird. Wir waren unbeschwerter. Ich rate Euch, den Film unbedingt anzusehen. Viel Spaß dabei.

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