UNTER BAUERN

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Der Regisseur und Produzent Ludi Boeken (u.a. DEADLINES, ZEUS & ROXANNA) ist bekannt für eine sensible Art der Umsetzung von Romanvorlagen.

UNTER BAUERN – RETTER IN DER NACHT

Seine 2009er Adaption, das Weltkriegs-Drama UNTER BAUERN – RETTER IN DER NACHT, dem die Erinnerungen der heute in Münster lebenden Marga Spiegel zu Grunde liegen, setzte Boeken allerdings eher ambivalent in Szene – was mich in letzter Konsequenz dann auch enttäuschte.

UNTER BAUERN, Besetzung

Darin ist nach längerer Fernseh- und Kinoabstinenz Veronica Ferres (u.a. DIE FRAU VOM CHECKPOINT CHARLIE, DER TEUFELSGEIGER) zu sehen, sie verkörpert in der Verfilmung des 1965 erschienen Buchs „Retter in der Nacht“ als junge Frau die Marga Spiegel.

Der Schauspieler Armin Rohde hingegen, unvergessen aus der rabenschwarzen Komödie BLUTHOCHZEIT, brilliert zum wiederholten male in einer Charakterrolle: Er spielt den Pferdehändler Siegmund „Menne“ Spiegel, der mit seiner Familie von den Nazis nach Osten deportiert werden soll.

Der geschichtliche Hintergrund

Mit dieser fast übermenschlichen Tat einzelner Dorfbewohner gelang währen der Naziherrschaft tatsächlich das scheinbar Unmögliche: Die kleine Familie wurde zwei Jahre lang vor der Deportation bewahrt und überlebten als Einzige von ehemals einhundert, jüdischen Mitbürgern der Stadt Ahlen den Krieg und den Naziterror.

Dennoch bleibt natürlich die Frage, was wohl die Bäuerin (Margarita Broich) während der eigene Sohn in Russland stirbt letztendlich bewogen hat, Marga und Karin zu verstecken und schützend aufzunehmen?! Und konnte Siegmund Spiegel, der fast völlig isoliert zwei Jahre lang auf einem Dachboden leben mußte, das psychisch verkraften…?

UNTER BAUERN, Filmkritik

UNTER BAUERN – RETTER IN DER NACHT lief auf dem Filmfestival in Locarno außerhalb des Wettbewerbs und Marga Spiegel ließ es sich mit ihren 97 Jahren nicht nehmen, bei der Präsentation anwesend zu sein.

Regisseur Ludi Boeken betreibt in seinem Film keine Ursachenforschung. Er hinterfragt auch nicht, warum so viele Menschen in der faschistischen Mordmaschinerie als willfährige Helfer funktionierten. Boeken stellt des Weiteren die Deutschen im Allgemeinen nicht an den Pranger der Geschichte und verurteilt genauso wenig, dass es nur wenige Mutige gab, die letztendlich die Kraft für Zivilcourage oder gar zum aktiven Widerstand aufbrachten. In Punkto „geschichtlicher Neutralität“ ist das Werk also durchaus gelungen.

Schlecht hingegen ist die Tatsache, dass es dem Film an authentischer Atmosphäre fehlt. Vor allem kommt das Sprachgefühl für diese Zeitepoche viel zu kurz. Die einzelnen Sequenzen muten zudem etwas zusammenhanglos sowie halbfertig an und vermitteln eher die Sichtweise eines dokumentarischen Zeitgeschehens als das, eines Spielfilms im eigentlichen Sinne.

Somit ist UNTER BAUERN bestenfalls eine TV-gerechte Inszenierung mit deutlichen Schwächen in der Ausstattung. Auch soundtechnisch ist der Film kein Highlight und bleibt hinter den Erwartungen an den neuen, deutschen Film (beispielsweise JOHN RABEoder DER UNTERGANG) weit zurück.

Apropos Soundtrack: Dieser ist nur bruchstückehaft vorhanden und so ziemlich das Gegenteil von dem, was im Trailer „versprochen“ wird. Ebenfalls kaum vorhanden ist der trockene, westfälische Humor bzw. der spezielle Sinn für das Absurde im Alltäglichen jener Zeit…

Fazit: Insgesamt ist UNTER BAUERN – RETTER IN DER NACHT trotz großer Historie und stellenweise guter, darstellerischer Leistung der Protagonisten (genial: Margarita Broich), für mich -wie gesagt- eher enttäuschend und entsprach erst recht nicht, den bereits im Vorfeld geweckten, emotionalen Erwartungen.

UNTER BAUERN, Filminhalt

Ein Mann in Todesangst: Pferdehändler Siegmund Spiegel ist Jude, doch Juden gibt es nach Aussage der Verantwortlichen für „Judenfragen“ 1943 im Münsterland nicht mehr. Nur noch in der Dunkelheit und im Schutz der Bäume, gehetzt wie ein wildes Tier, traut sich deshalb „Menne“ in die Öffentlichkeit und wagt sich an die Kneipe heran, in der Viele aus seinem Dorf sitzen, die ihn kennen.

Als fast alle gegangen sind, hat „Menne“ den Mut, einen von ihnen anzusprechen. Es ist Heinrich Aschoff (Martin Horn) sein alter Kriegskamerad und überzeugtes Mitglied in Hiltlers Partei. Jener erschrickt fürchterlich als er „Menne“ erkennt, denn dieser dürfte nicht mehr hier sein! Doch „Menne“ ist total verzweifelt und bitte Heinrich um einen „todsicheren“ Gefallen…

Aschoff soll Spiegels Frau Marga (Veronica Ferres) und ihre kleine Tochter Karin (Louisa Mix) auf seinem Hof verstecken. Ein absolutes Verbrechen in den Augen der Nazis und ein lebensbedrohendes Unterfangen für alle evtl. Mitwisser obendrein. Aber es (er)scheint als einzige Chance, der unausweichlichen Deportation und damit dem sicheren Tod zu entgehen.

Aschoff zeigt Zivilcourage bzw. Menschlichkeit – er willigt ein. „Menne“ selbst versucht indes in seine Heimatstadt Ahlen, in Westfalen, zu flüchten und dort unterzutauchen…


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: 3L Filmverleih, PANDORA

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