JOHN RABE

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Ein Film von Regisseur Florian Gallenberger.

JOHN RABE

…langsam fährt der Finger über die Landkarte – Nanking, im Osten Chinas. Unter Mao war es die ehemalige Hauptstadt des Reichs der Mitte.

Der Name der Stadt wird jedoch historisch in einem anderen Zusammenhang und unauslöschlich in Erinnerung bleiben – mit den Ereignissen vom 13.Dezember 1937! Hier fand eines der größten Massaker des japanisch-chinesischen Krieges statt, bei dem mindestens 200.000 Zivilisten und Kriegsgefangene von der japanischen Armee ermordet wurden.

So wie der Ort und das hier geschehene unermessliche Leid schicksalhaft zusammen gehören, so ist gleichfalls ein bisher relativ unbekannter Deutscher eng mit der Stadt Nanking verbunden, sein Name: John Rabe.

Mit einem überaus beeindruckenden, internationalen Kinostreifen gedenkt der Kurzfilm-Oscar-Preisträger und Regisseur Florian Gallenberger im Historiendrama JOHN RABE, dem „Oskar Schindler von China“, der in einem fast übermenschlichen Akt 1937 in Nanking mehr als 250.000 Menschen in einer von ihm errichteten Schutzzone das Leben rettet. Parallelen zu Steven Spielbergs Kinoerfolg SCHINDLERS LISTE werden dabei wach und gewisse Gemeinsamkeiten sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen…

  • Es ist die wahre Geschichte des Hamburger Kaufmanns JOHN RABE, einem Siemens-Vertreters, der ein überzeugter Nazi und absoluter Hitler-Verehrer war.
  • Es ist absolut grotesk: gerade unter diesem Einfluss und in seiner ideologischen Grundhaltung, rettet er  -wie Oskar Schindler- Tausenden das Leben, während die kaiserliche japanische Armee mit ungeahnter Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorgeht.

Das Tagebuch des John Rabe

Aus den Tagebücher des John Rabe, die Mitte der Neunzigerjahre unerwartet aus den Archiven auftauchten, wurde klar, dass für ihn der japanische Angriff ein Wendepunkt im Leben war, ein Umdenken einsetzte.

Damit scheint bewiesen, dass es somit immer möglich ist, Dinge neu zu ordnen, Ansichten zu revidieren, Fehler zu erkennen und auch etwas zu tun – wenn der Willen dazu vorhanden ist. Oskar Schindler und John Rabe hatten diesen Willen, den Mut…gegen all ihre sicherlich berechtigten persönlichen Ängste, Gewissenskonflikte und verblendeten Überzeugungen.

JOHN RABE, Filmkritik

Regisseur Florian Gallenberger setzt das für den Zuschauer irritierende Bild gleich zu Beginn des Films in Szene: Wir werden im weiteren Verlauf mit einem Nazi konfrontiert, der nicht nur auf die Täterrolle reduziert wird und der aus der Ferne an die vermeintliche Arbeiterbewegung Hitlers ehrlichen Herzens glaubt.

John Rabe verkörpert aus meiner Sicht, damit noch intensiver den „guten Nazi“ als Oskar Schindler in der Geschichte oder Kate Winslet in ihrer Rolle der KZ-Aufseherin im Drama DER VORLESER. Und ich bin sogar versucht, ihn als Sympathieträger zu betrachten.

Oder waren sie nur Helden wider Willen? Sollte man „die Deutschen“ generell in „DIE guten und DIE schlechten Nazis“ eingruppieren? Erst recht für die Nichtkriegs-Generationen – eine äußerst schwierig zu beantwortende Frage! Ja – und in wie weit kann Ideologie tatsächlich den freien Willen beeinflussen?

Florian Gallenberger beantwortet diese Frage mit seinem Film JOHN RABE nicht. Wie sollte er auch! John Rabe, als eine problematische und sehr komplexe historische Figur, bleibt eben in erster Linie ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Er ist ein politisch naiver Mann der -nur- im rechten Moment das Richtige tut, nämlich Zivilcourage zeigen. Und genau „nur“ das macht ihn zu einem besonderen Menschen – zu jenem Sympathieträger. Daran ändert selbst eine der letzten Kameraeinstellung – das Bad von John Rabe in der Menschenmenge absolut nichts!

Ich denke, dass der Film letztendlich niemanden verglorifiziert oder ein verzerrtes Geschichtsbild entstehen lässt. Und ich hoffe, dass alle Menschen, die sich mit der deutschen Vergangenheit intensiv auseinandersetzen wollen, den Film sich anschauen!

Dabei ist es nebensächlich, ob er handwerklich vielleicht nicht so perfekt wie beispielsweise der Stauffenberg-Film VALKYRIE mit Tom Cruise erscheint, das sind nur Äußerlichkeiten und sollten nicht vom Kerngedanken -dem vernommenen Ruf nach Menschlichkeit- ablenken.

Fazit: Das Drama JOHN RABE reiht sich somit nahtlos in die geschichtlich wichtigen Kinofilme ein, denn das daraus entstehende Wissen lässt uns nicht vergessen…

JOHN RABE, Filminhalt

Gerade als John Rabe (Ulrich Tukur, u.a. DAS LEBEN DER ANDEREN) nach Berlin zurück beordert werden soll, steht er mit Schnurrbart, Nickelbrille und Glatze in einem kolonialen Ballsaal, setzt zu seiner Rede mit dem Satz an: „Ich lebe seit mehr als 27 Jahren in China…“ als er jäh durch einen fürchterlichen Knall unterbrochen wird…

Der schwere Kronleuchter stürzt von der Decke, erschlägt ihn fast…und zerschellt auf dem Parkett. Der Zweite Weltkrieg hat soeben Nanking erreicht.

Japanische Kampfflugzeuge bombardieren die Stadt. Völlig kopflos und panisch fliehen die Einwohner auf das Siemens-Firmengelände, welches Rabe kurzerhand zur unabhängigen Schutzzone ausruft.

Der jüdische Diplomat Dr. Georg Rosen (Daniel Brühl, u.a. DINOSAURIER – GEGEN UNS SEHT IHR ALT AUS!, RUSH – ALLES FÜR DEN SIEG) die französische Internatsleiterin Dupres (Anne Consigny) und der amerikanische Arzt Dr. Robert Wilson (Steve Buscemi, u.a. AMARGEDDON) helfen eine riesengroße Hakenkreuzfahne als schützendes Dach auszurollen, unter der die verängstigten Chinesen verzweifelt Zuflucht suchen…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Majestic Filmverleih

JOHN RABE , 7.8 out of 10 based on 4 ratings

2 Kommentare zu JOHN RABE

  1. Vergessen war Nanking wegen der US Interessenpolitik der Nachkriegszeit .Japan war ein „Bollwerk“ gegen China . Zum Glück ging die Rechnung nicht auf und die Volksrepublik überlebt wohl nun alle die vor hatten und es immer noch haben, zu zerstören.
    Es ist traurig das J.Rabe im Leben die verdiente Anerkennung nicht zuteil bekam-es ist zu hoffen das möglichst viele junge Deutsche diese Zeit in sich aufnehmen um unsere Geschichte zu verstehen,welche uns meist von anderen vorgeschrieben wird.

  2. Mir sagte der Name J. Rabe nicht viel, bis ich mir den Film ansah.

    Traurig ist es auf jeden Fall, dass er die verdiente Anerkennung nicht zugeteilt bekam, aber ich hoffe trotzdem, dass diejenigen die sich den Film ansehen auch verstehen worum es geht. Kann ich nur weiterempfehlen.

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  1. s43.de

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