WERDEN SIE DEUTSCHER

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Fragen über Fragen: Haben Deutsche Humor, insbesondere beim Thema dreckige Schuhe im Hausflur?

Was bedeutet der urdeutsche Spruch – Zeit ist Geld? Oder können Leberwürste tatsächlich beleidigt sein?

WERDEN SIE DEUTSCHER

Die Filmemacherin Britt Beyer 1968 bei Zeitz geboren, studierte Germanistik und Geschichte in Leipzig und arbeitet jetzt als Autorin und Regisseurin in Berlin.

Ihr abendfüllender Dokumentarfilm DER JUNGE BÜRGERMEISTER wurde 2003 mit dem Hans-Klein-Medienpreis ausgezeichnet und auf dem Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2011 in Leipzig stellte sie ihren neuen Dokumentarfilm WERDEN SIE DEUTSCHER der Fachjury vor.

WERDEN SIE DEUTSCHER

Darin begleitet Britt Beyer die Teilnehmenden eines regulären Integrationskurses in Berlin-Mitte zehn Monate lang mit der Kamera.

Beginnend bei der ersten „Schul-Stunde“ bis zur abschließenden Prüfung, nach deren Bestehen das begehrte „Zertifikat Deutsch“ winkt, werden die unterschiedlichen Hürden und Befindlichkeiten gezeigt, die sich dabei ergeben können. Weiterhin finden auch Einblicke in das zu Hause, den Alltag der sogenannten Schüler und der Clinch mit den deutschen Behörden, die das Ankommen (und Bleiben) in Deutschland manchmal nicht einfach machen, in dem Film einklang.

Entstanden ist somit eine sowohl hochinteressanter wie gleichermaßen humorvolle Dokumentation die deutlich macht, dass Integration, die Beantragung der deutsche Staatsbürgerschaft – durchaus keine Einbahnstraße sein muss…

WERDEN SIE DEUTSCHER, doch was ist typisch deutsch?

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und das nicht erst seit kurzem.

Die ersten Migranten/innen der bundesrepublikanischen Einwanderungsgesellschaft waren die so genannten Gastarbeiter/innen, die seit den 1950er-Jahren den deutschen Anwerbe-Kampagnen folgten. 1973 verfügte die Bundesregierung einen Anwerbestopp, da der Arbeitsmarkt gesättigt war.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich ca. 2,6 Millionen Gastarbeiter/innen in Deutschland. Jene und natürlich ihre Nachkommen haben seitdem die deutsche Gesellschaft nicht nur geprägt, sondern vorallem auch bereichert.

Neben den sogenannten Gastarbeitern kamen und kommen weiterhin auch eine Anzahl von Asylsuchenden, Spätaussiedlern und Migranten hinzu, die alle auf der Suche nach einem besseren Leben sind. So leben heute leben in der Bundesrepublik über 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist fast ein Fünftel der Bevölkerung.

Trotzdem wurden die in Deutschland lebenden Ausländer/innen über Jahrzehnte ganz bewusst nicht durch staatliche Maßnahmen integriert, um ihnen deutlich zu machen, dass ihr Aufenthalt zeitlich begrenzt ist…

Ja, und was ist denn nun eigentlich typisch deutsch? Unter anderen das, versuchen Integrationskurse zu erklären. Diese vermitteln also nicht nur die deutsche Sprache, sondern versuchen den Teilnehmenden eine kulturelle Orientierung für ihr Leben in Deutschland zu geben. Und dies wiederum wird in dem Film WERDEN SIE DEUTSCHER intensiv beleuchtet, der wie gesagt nicht ohne Situationskomik damit einen wichtigen Beitrag zur Integrationsdebatte leistet.

WERDEN SIE DEUTSCHER, Filmkritik

Auch die Jury des DOK-Filmfestivals entschied neben Victor Kossakovskys VIVAN LAS ANTIPODAS, einem bildgewaltigen Epos, für Britt Beyers Dokumentation.

WERDEN SIE DEUTSCHER zeigt unmissverständlich, dass es höchste Zeit wäre, sich von den jahrzehntelang eingeschliffenen, kulturellen Stereotypen (sowohl über „Die Deutschen“ als auch über „Die Muslime“, „Die Asiaten“ oder „Die Afrikaner“) zu verabschieden. Denn gerade diese Stereotypen sind es, welche die Integration erschweren bzw. sie fast unmöglich machen.

Solange die Diskussion über Integration in Klischees Zuflucht finden kann, wird sie nicht gelingen…!

Wem das nicht verständlich erscheint, sollte sich bei passender Gelegenheit gern den Film anschauen. Einen besseren Intensiv-Integrationskurs -insbesondere für uns Deutsche- als diesen, gibt es kaum!

WERDEN SIE DEUTSCHER, Filminhalt

Eigentlich haben Shipon, Insaf und Jorge nicht viel gemeinsam. Der schüchterne Shipon (19) kam erst vor zwei Jahren aus Bangladesch nach Deutschland. Die 44-jährige Palästinenserin Insaf dagegen lebt schon seit über zwanzig Jahren in Berlin – muss sich jedoch von ihren drei Kindern helfen lassen, wenn ihr Deutsch nicht ausreicht.

Der Argentinier Jorge ist noch ganz frisch in Berlin. Er ist hierhergekommen, um mit seiner deutschen Freundin zusammen zu leben und träumt davon, eine Bar zu eröffnen. Sein Bekanntenkreis besteht aus Menschen aus aller Welt, so dass Jorge im Privatleben auch ohne die deutsche Sprache ganz gut über die Runden kommt. Trotzdem drücken die drei jetzt zusammen mit Niara aus Brasilien, Monteayn aus Thailand und Kenji aus Japan wieder die Schulbank. Das Lernziel: Integration.

In Deutschland führt der offizielle Weg dorthin über mehr als 600 Schulstunden, in denen die erwachsenen Schüler/innen Deutsch pauken. Außerdem wird ihnen im Integrationskurs die deutsche Geschichte, Kultur und Rechtsordnung vermittelt. Die Teilnahme ist verpflichtend für alle Ausländer, die neu nach Deutschland kommen.


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: DOK Leipzig, luc-carolin ziemann

WERDEN SIE DEUTSCHER, 8.9 out of 10 based on 14 ratings

2 Kommentare zu WERDEN SIE DEUTSCHER

  1. Ich würde gern einen Kommentar VERÖFFENTLICHEN aber bei mir steht nur „Submit Comment“…

    Und mein Name ist nicht „required“! Ich heiße Fos!

    Ich würde sagen: Lasst mal den Dämon im Wandschrank, und schreibt nicht „Mail“ sondern „Miel“, denn es ist ja die „E-Miel-Adresse“…

  2. Hallo nemetskij idioto,

    na dann mach‘ mal gleich weiter! Wie wärs denn auch mit: „Schtore“, „Schop“, „Rent a Karre“, Haar-Kutter oder „Komme in und feind out“…! Das ist jetzt very normal, früher it was Franz, and earlier war’s Latein/Griechisch. Und überhaupt bzw. apropos Dämon: In Deutschland legen im Gegensatz zu beispielsweise Frankreich, die Menschen kaum noch Wert auf den Erhalt der eigenen Sprache. Aber ist ja auch klar, verkommene Politiker – verkommene Sprache…

    beste Grüße und wenn wir schon mal dabei sind – mein Name ist auch nicht „blueplanet“ sondern Jens Klawonn (Nachname stammt im Übrigen aus dem Französischen ;)

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