WOMB

 WOMB
Kinovorschau - Filmkritik für WOMB
Geschrieben von am 5.04.2011
Gelesen: 5931 · Heute: 3 · Zuletzt: 30. September 2014
Redaktionswertung: Post Rating 4 von 5 Sternen WOMB

Der Science Fiction-Film WOMB des ungarischen Filmmachers Benedek Fliegauf ist eine moderne Geistergeschichte. InhaltWOMBBenedek FliegaufWOMB, DrehorteWOMB, FilmkritikWOMB, Filminhalt WOMB WOMB erzählt im Stil eines spannenden Märchens von den Geistern des Klonens – allerdings ohne dabei die heutzutage alles beherrschende Psychologie zu bemühen. Das wiederum lässt uns das Thema von einem ganz anderen Blickwinkel aus betrachten […]

Regie: Benedek Fliegauf - Drehbuch: Benedek Fliegauf
Produzent: Gerhard Meixner, Roman Paul
Darsteller: Matt Smith, Lesley Manville, Peter Wight, István Lénárt, Hannah Murray u.a.
Genre: Science Fiction / Drama
Filmproduktion: Deutschland / Ungarn / Frankreich, 2010
Kinostart:
Musik: Max Richter
FSK: 16 - Laufzeit: 107 Min.
Trailer: WOMB
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Der Science Fiction-Film WOMB des ungarischen Filmmachers Benedek Fliegauf ist eine moderne Geistergeschichte.

WOMB

WOMB erzählt im Stil eines spannenden Märchens von den Geistern des Klonens – allerdings ohne dabei die heutzutage alles beherrschende Psychologie zu bemühen. Das wiederum lässt uns das Thema von einem ganz anderen Blickwinkel aus betrachten und stellt die weitaus interessantere Frage: Wie werden wir “mit den Geistern, die wir rufen” und mit dem was eines Tages der Mensch rein technisch vollbringen kann, moralisch und emotional fertig?

Benedek Fliegauf

Regisseur Benedek Fliegauf wurde 1974 in Budapest geboren. Nach einer Ausbildung zum Bühnenbildner arbeitete er zunächst als Regieassistent für Miklós Jancsó und Árpád Sopsits. Seine Spielfilme (u.a. MILKY WAY, FORREST) erhielten mehrere Preise auf renommierten europäischen Filmfestivals.

Heute verkörpert er wie kein anderer Regisseur die neue Avantgarde des ungarischen Kinos. In seinem neuen Werk WOMB wird das Klonen als übliche Praxis dargestellt – ein bisschen wie es Schönheitsoperationen oder künstliche Befruchtung heutzutage bereits sind. Und das Inzest-Drama fragt nach den Auswirkungen des Klonens auf die Identität von Individuen und das menschliche Miteinander.

Die vollzogene Praktik wird hierin nicht als krankes Verhalten stigmatisiert, jedoch in verschiedenen Kreisen und aus unterschiedlichen Gründen noch nicht völlig akzeptiert. Somit ist das Klonen in WOMB nur ein halbes Tabu und es kommt immer auf die Umstände an, unter denen es die Leute tolerieren: Wenn jemand seinen Sohn verliert, ist man eher bereit es zu akzeptieren, als jemand der seinen Geliebten auf diese Weise reproduziert. Das klingt ziemlich paradox und ist natürlich nicht nur in diesem Film nicht wirklich zu Ende gedacht…

WOMB, Drehorte

Neben all den angeschnittenen Fragen über die Technik in einer fiktionalen, neuen Welt wird in WOMB jedoch in erster Linie auf die Nähe zur romantischen Bewegung im Genre Wert gelegt. Gedreht wurde in Norddeutschland, in St. Peter-Ording, am westlichsten Zipfel der Halbinsel Eiderstedt, einem Platz, der sowohl zeit- wie auch ortsunspezifisch anmutet und zudem am Meer liegt.

Die gezeigten Strände lassen somit die Menschen vereinzelt, sehr einsam und wieder in Verbindung mit der Natur erscheinen – ähnlich wie auf einigen Gemälden von Caspar David Friedrich. Ob wir allerdings am Ende die romantisierte Sehnsucht nach der Unsterblichkeit -das zentrale Thema des Films- stillen können, diese Frage muss jeder nach dem Film ganz unromantisch für sich selbst beantworten…

WOMB, Filmkritik

Für zarte Gemüter ist das Inzest-Drama WOMB, welches durchaus mit stilsicheren-ästhetisierenden Collagen aufwartet, auf keinen Fall geeignet. Denn was bleibt ist ein unwohlsames Gefühl, hervorgerufen durch Bilder in kalten Farben und von einer Hauptdarstellerin, die nach dem Tod ihres Geliebten eine geklonte Version von ihm austrägt.

Also eine besser nicht vorstellbare Vorstellung oder doch “nur” ein gut inszeniertes Sci-Fi-Märchen aus der nahen Zukunft? Ich würde WOMB jedenfalls explizit nicht als reinen Science-Fiction-Film bezeichnen. Man kann ihn natürlich so definieren, aber wenn sich der Zuschauer die Stimmung und die Struktur der Handlung anschaut, ist WOMB viel eher ein verstörend-brutales Märchen als alles andere – ja, und man(n) war fast froh, den Kinosaal wieder verlassen zu können.

Wenn ich mich allerdings für eine kulturelle Referenz entscheiden müsste, dann würde sich der Film aus meiner Sicht eher auf Orpheus und Eurydike beziehen. Wer einen reißerischen Science-Fiction-Blockbuster erwartet, wird also enttäuscht sein: Denn ausschlaggebend ist nicht der technische Punkt des Klonens mit dem genetischen Fingerabdruck, sondern die darin enthaltene, durchaus lyrische Seite der Thematik – die im Ansatz durchschimmert. Dies ist insofern wichtig, weil das Klonen neben der eigentlichen Verfahrenstechnik häufig auch mit der Religion in Zusammenhang gebracht wird. Aber allein auf diese beiden Aspekte bezogen, sollte sich die Diskussion auf keinen Fall und ausschließlich beschränken.

Nur weil jemand wissenschaftlich “betriebsblind” oder nicht religiös ist, bedeutet das nicht, dass man ihn leichter dazu bringt, seine Einstellung zu diesem Thema zu ändern. Ich denke vielmehr, dass sich alle ab einem bestimmten Punkt mit Moral und Ethik auseinandersetzen müssen! Und die Antwort ist -besonders wenn es um Ethik geht- im wahren Leben wie im fiktiven Filmsript, nicht einfach zu geben…

WOMB, Filminhalt

Die 12-Jährige Rebecca (Ruby O. Fee) besucht während der Sommerferien ihren Großvater, der in einer abgelegenen Küstenregion wohnt. Dort freundet sie sich schnell mit dem gleichaltrigen Thomas (Tristan Christopher) an. Aus der Freundschaft entwickelt sich eine unschuldige, kindliche Romanze, die jedoch nur von kurzer Dauer ist, denn Rebecca wird mit ihrer Mutter ins ferne Tokio ziehen.

Zwölf Jahre später kehrt Rebecca (Eva Green, u.a. KÖNIGREICH DER HIMMEL, CASINO ROYALE), inzwischen eine junge Frau, in das Haus ihres verstorbenen Großvaters zurück. Beim Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Tommy (Matt Smith, sein Kinodebüt) ist die gegenseitige Anziehungskraft ungebrochen und es entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden. Es ist das perfekte Glück, bis Tommy bei einem Autounfall getötet wird.

Rebecca kommt über den Verlust ihrer großen Liebe nicht hinweg und fasst einen folgenschweren Entschluss. Trotz anfänglicher Bedenken geben ihr Tommys Eltern (Peter Wight. u.a. ABBITTE, BABEL sowie Lesley Manville, u.a. ALL OR NOTHING, ANOTHER YEAR) schließlich die notwendige DNA-Probe, damit sie einen neuen Tommy austragen kann.

Als der neue Tommy zehn Jahre alt wird, zieht Rebecca mit ihm in ein abgelegenes Stelzenhaus am Strand. Von der Außenwelt weitestgehend isoliert, widmet Rebecca ihr ganzes Dasein der absoluten Zweisamkeit mit Klon Tommy. Doch je älter Tommy wird, desto schwerer wird es, den Folgen ihrer Entscheidung zu entfliehen. Wie lange kann sie die Wahrheit um den neuen Tommy geheim halten?

Die befreienden Antworten treten zu Tage, als Rebecca sich auf die bittersüße Erfüllung ihres Lebenstraums vorbereitet…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Razor Film, Camino Filmverleih

WOMB, 7.0 out of 10 based on 3 ratings

WOMB Trailer

Womb Trailer DE 2011 from Camino Filmverleih on Vimeo.

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