GANZ NAH BEI DIR

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Irgendwann muß sich jeder dem Leben stellen! Oder: GANZ NAH BEI DIR lässt selbst Blindenwitze nicht platt wirken und man kann darin auch über eine Bügelmaschine schmunzeln…

GANZ NAH BEI DIR

Mit einfühlsamen Bildern und nach einer Vorlage des Drehbuchautors Speedy Deftereos erzählt die Filmemacherin Almut Getto eine märchenhafte, aber nicht kitschige Geschichte, die auf der einen Seite von Angst und Einsamkeit geprägt ist, jedoch noch genug Raum für Sehnsüchte, Träume und Humor lässt.

Bereits 2002 begeisterte Almut Getto mit ihrem überaus erfolgreichen Liebesdrama FICKENDE FISCHE, das unter der Thematik von Aids und HIV entstand, dass Kinopublikum auf breiter Front. Auch ihr zweiter Spielfilm die skurrile Liebes-Komödie GANZ NAH BEI DIR verglichen die Kritiker bereits im Vorfeld mit Klassigern wie: BESSER GEHT’S NICHT (Jack Nicholson) oder DIE FABELHAFTE WELT DER AMÈLIE (Audrey Tautou). Und „Der Tagesspiegel“ bezeichnete den Film, der 1964 in der Südpfalz geborenen Regisseurin, sogar als „einen Lichtblick in der deutschen Komödienlandschaft“.

GANZ NAH BEI DIR, Besetzung

In GANZ NAH BEI DIR lernt der neurotische Pedant und Einzelgänger Phillip (Bastian Trost, u.a. DAS LEBEN DER ANDEREN) die blinde Musikerin Lina (Katharina Schüttler, u.a. LILA LILA) kennen. Sie bringt Phillip mit ihrer offenen und unkonventionellen Art endlich dazu, sein persönliches Schneckenhaus zu verlassen…

GANZ NAH BEI DIR, Filmkritik

Der Film ist besonders durch die originelle Umsetzung der autistisch anmutenden Problematik eine eher „ersthafte „Komödie geworden. So gelang der Filmemacherin Almut Getto gemeinsam mit ihren beiden Protagonisten ein filmisch-sensibles und dramaturgisches kleines Meisterstück.

Die beiden Hauptdarsteller, die überzeugend und treffend spielen, bringen ihre Lebensumstände sehr anschaulich für den Zuschauer auf die Leinwand. Dabei geht es  in Form  der aufeinander prallenden Charaktere manchmal leise, dann wieder unvermittelt und unübersehbar laut zu.

Es macht einfach Freude der Entwicklung zuzuschauen – auch wenn das Filmende dann keine Überraschung beinhaltet. Sehr empfehlenswert!

GANZ NAH BEI DIR, Filminhalt

Phillip, der tagsüber in einer Bank Geld auf seine Echtheit untersucht und die Abende an der Bar einer Kleinkunstbühne verbringt, dessen einzige Freunde die vollautomatische Bügelmaschine und seine Schildkröte Paul sind, trifft eines Tages auf die blinde Cellospielerin Lina.

Fortan bekommt Phillip Probleme „mit seiner inneren Balance“ und weiß vor allem nicht, wie er das seinem Psychiater stecken soll…!

Seine Marotten und Ticks hält einfach kein Mitmensch auf Dauer oder halt nur seine Schildkröte aus. Bald können selbst die Kellner des Lieblingsrestaurants ein Lied davon singen.

Aber Phillip hat trotz der Unverstandenheit und den sichtlichen, kommunikativen Schwierigkeiten natürlich Wünsche und Träume. Zum Beispiel: Einmal auf  der Bühne als Pantomime aufzutreten. Der völlige Gegensatz zu ihm: Die lebenslustige, blinde Lina – eine „Macher-in“, die sich trotz oder gerade wegen ihres Schicksals niemals unterkriegen lässt und die unverhofft über sein Leben „herfällt“.

Gegensätze ziehen sich magisch an oder: Obwohl sich schnell herausstellt, dass beide deshalb im Grunde nicht miteinander können, gelingt es Lina dennoch, dass Vertrauen von Phillip zu gewinnen und die Welt des kontaktscheuen Eigenbrödlers zu öffnen…ihm neuen Lebensmut zu geben.

Ja – und manchmal braucht es dann eben nur die richtige Frau, um solche verschrobenen Typen mit der Welt der „normalen“ Menschen wieder bekannt zu machen und die emotionalen Störungen ein wenig zu lindern…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Timebandits Films

GANZ NAH BEI DIR, 9.7 out of 10 based on 3 ratings

1 Kommentar zu GANZ NAH BEI DIR

  1. Es dauert fast den ganzen Film hindurch, bis er ganz nah bei ihr ist: Der pedantische Spießer Phillip (Bastian Trost) und die lebenslustige Cellistin Lina (Katharina Schüttler) sind im höchsten Maße inkompatibel.

    Er, ein Banknotenprüfer (sic!), steht sich selbst im Wege, weigert sich zu fühlen, was er nicht denken kann. Und sie, von ihrer Blindheit behindert, rührend hilflos aber voller Lebenslust.

    Lange Zeit ist es eine traurige Liebesgeschichte mit vielen grotesken Elementen und vielen komischen Situationen. Allein schon die Schildkröte, die Polizisten, die einarmige, alte Cellistin und die Musik (humda, humda…) unterstreichen das Skurrile an dem Film. Aber auch feinsinnige Parallelen zum Fernsehprogramm (Buster Keaton) oder manche Stellen im Dialog lassen den Zuschauer schmunzeln. So fragt Phillip: „Stört es sie, das Licht an zu lassen? Und später versucht er sie durch eine Pantomime zu beeindrucken.

    Mit einer überraschenden Wendung verliert sich die Depression und schließt sich früheren Schmunzlern an. Das liegt aber auch an den beeindruckenden Darstellern. Katharina Schüttlers leerer Blick überzeugt total und der verklemmte Pedant ist so gut, dass er Mitleid herausfordert.

    So kommt es, dass in diesem leisen Film aus unterschiedlichen Gefühlsebenen heraus eine Sympathie entsteht, und man sich über das Ende sogar freuen kann. Wer den Witz mag, die Aufnahmen genießt, wird vom Plot nicht unbeeindruckt bleiben.

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