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GLÜCK

 GLÜCK
Kinovorschau - Filmkritik für GLÜCK
Geschrieben von am 18.02.2012
Gelesen: 48734 · Heute: 2 · Zuletzt: 24. November 2014
Redaktionswertung: Post Rating 3 von 5 Sternen GLÜCK

GLÜCK -der Film, Regie: Doris Dörrie. Ferdinand von Schirach zu dem Projekt: “Doris Dörrie ist ein Ausnahmetalent der deutschen Kreativszene. Ich freue mich sehr, eine solch inspirierende Partnerin für die filmische Umsetzung meiner Erzählung gefunden zu haben. Das wird eine spannende Zusammenarbeit.”

Regie: Doris Dörrie - Drehbuch: Doris Dörrie
Produzent: Oliver Berben, Martin Moszkowicz
Darsteller: Alba Rohrwacher, Vinzenz Kiefer, Matthias Brandt, Andrea Sawatzki, Christina Große, Maren Kroymann, Oliver Nägele u.a.
Genre: Drama
Filmproduktion: Deutschland, 2011
Kinostart:
Musik: Hauschka
FSK: 12 - Laufzeit: 110 Min.
Trailer: GLÜCK
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Ihre Filmwertung:
Rating: 7.0/10 (86 votes cast)

Bereits 2011 hatte sich Constantin Film die umfassenden Verfilmungsrechte an Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichten-Sammlung “Verbrechen” gesichert. Das führende Filmproduktions- und Verleihunternehmen wird die Erzählungen in einem oder mehreren Projekten entwickeln.

GLÜCK

Den Anfang macht 2012 das Drama GLÜCK, das auf der gleichnamigen Geschichte aus dem Erzählband basiert. Die bekannte, deutsche Filmemacherin Doris Dörrie, die für KIRSCHBLÜTEN – HANAMI zahlreiche Auszeichnungen erhielt, führt darin Regie und schrieb zu einem der spannendsten und raffiniertesten Stoffe der letzten Jahre auch das Drehbuch.

Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirachs Buch “Verbrechen” erschien im August 2009 im Piper Verlag. 30 Länder haben bisher die Übersetzungsrechte erworben. Nach wie vor behauptet sich das Debüt in der Bestseller-Liste des Spiegels und verkaufte sich in Deutschland bis heute mehr als 200.000 Mal. Ferdinand von Schirach: “Ich freue mich sehr, eine solch inspirierende Partnerin für die filmische Umsetzung meiner Erzählung gefunden zu haben. Das wird eine spannende Zusammenarbeit.”

GLÜCK, Besetzung

Noah Leyden (Matthias Brandt, DAS BLAUE VOM HIMMEL, IM SCHATTEN DER MACHT) ist Strafverteidiger und bezeichnet sich als Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt.

Er erzählt die unfassbare Geschichte von Irina (Alba Rohrwacher, COSA VOGLIO DI PIÙ, IO SONO L’AMORE) und Kalle (Vinzenz Kiefer, u.a. DER BAADER MEINHOF KOMPLEX), die diesen Moment erleben. Zwei Gestrandete, die zueinander finden und das eben erst entdeckte gemeinsame Glück mit allen Mitteln zu verteidigen suchen.

Vom Kriminalfall zur poetische Liebesgeschichte

“Die Idee hatte Doris Dörrie, nachdem sie GLÜCK gelesen hatte”, erzählt Produzent Oliver Berben über die Entstehungsgeschichte des Kinofilms. “Wir hatten uns zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit dem Erwerb der Rechte beschäftigt.” Den Zuschlag erhielt Constantin Film nach Gesprächen mit dem Autor und dem Piper Verlag relativ schnell. “Da steht erst mal die Frage im Raum, was man damit macht?”, so Oliver Berben. “Macht man einen großen episodischen Film oder viele Filme?”

Doris Dörrie interessierte sich explizit für die Geschichte GLÜCK – die, darin waren sich alle einig, das Potential für einen Kinofilm hat. “Das ist eigentlich kein großer Kriminalfall, sondern eine große Liebesgeschichte”, erzählt Doris Dörrie. “Den Teil, diese Liebesgeschichte, die beschreibt von Schirach ja gar nicht. Sondern er beschreibt das Verbrechen, das am Ende gar kein großes Verbrechen ist. Da war sehr viel Luft für mich, diese Geschichte zwischen den beiden zu beschreiben und wie es dazu kommt, dass jemand so weit geht für seine Liebe.”

Doris Dörrie

1955 als Tochter eines Arztes in Hannover geboren, machte Doris Dörrie ihr Abitur an einem humanistischen Gymnasium. Von 1973 bis 1975 studierte sie zunächst Schauspiel und Film am Drama Department der University of the Pacific im kalifornischen Stockton, dann Philosophie und Psychologie an der New School for Social Research in New York.

Doris Dörrie gilt als Ausnahmetalent in der deutschen Kreativszene. Sie ist zudem eine der wenigen deutschen, weiblichen Regisseure und inszeniert seit über 25 Jahren regelmäßig erfolgreiche Kinofilme: MÄNNER, ICH UND ER, KEINER LIEBT MICH, NACKT oder die Komödie DIE FRISEUSE ernteten in gleichem Maße begeisterte Kritiken, kommerziellen Erfolg und darüber hinaus zahlreiche Preise.

Deutsche Punk-Kultur

Ob aus der Unterschicht, Mittelschicht oder Oberschicht – Punks finden sich in Deutschland aus allen Ebenen der Gesellschaft zusammen. Aus der Protestkultur der 1970er Jahre entwickelt, sind die Vertreter dieser Szene meist männlich, zwischen 14 und 40 Jahren alt und setzen sich oft mit zerrissener Kleidung, Piercings und Tattoos, Irokesen-Schnitt und politischer Musik gegen gesellschaftliche Normen und für mehr individuelle Freiheit ein.

Vorurteile gegen Straßenpunks

Es gibt politische und unpolitische Punks, Mode-Punks, auf der Straße lebende Punks und solche mit Wohnung oder Bauwagen – die Szene ist trotz der gemeinsamen Ideale sehr vielfältig. Dennoch: Viele Außenstehende sehen die Vertreter der Bewegung mit Ihrer Anti-Haltung gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft vor allem als Unruhestifter, die vermeintlich alle auf der Straße leben, sich betrinken, randalieren und faulenzen. Oft werden sie auch fälschlicherweise pauschal mit linksautonomen Radikalen gleichgesetzt.

Osteuropäische Prostituierte in Deutschland

Während Punks meist männlich sind und sich aus einheimischen Gesellschaftsschichten rekrutieren, stammen Prostituierte in Deutschland häufig aus dem Ausland – die meisten Migranten in diesem Bereich kommen ursprünglich aus Osteuropa, Thailand oder der Sowjetunion. Ca. 400.000 Prostituierte arbeiten aktuell in Deutschland, mehr als 90 Prozent davon sind weiblich. Die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen ist riesig: Mehr als eine Million Mal werden sie hierzulande im Schnitt täglich wahrgenommen. Leider ist die organisierte Kriminalität oft nicht weit entfernt vom Geschehen: Zahlreiche Frauen werden von verbrecherischen Banden eingeschleust und zur Prostitution gezwungen.

Schwierige Situation in der Prostitution

Doch auch für alle anderen Vertreter der Prostitution ist die Situation oft schwierig. Auch das Prostitutionsgesetz, das 2002 in Kraft getreten ist und das die rechtliche Stellung des Gewerbes als Dienstleistung regelt, hat daran nicht viel ändern können. Die Innenminister der Bundesländer gaben zu Protokoll, dass es keine messbaren Belege dafür gibt, dass durch das Gesetz ein „kriminalitätsmindernder Effekt“ erzielt wurde. Gefahren der Diskriminierung, der finanziellen und sexuellen Ausbeutung sowie gesundheitliche Risiken sind allgegenwärtig.

Sexarbeit und Protestbewegung – das scheinen in Deutschland immer noch heikle Themen zu sein. Umso schöner, dass Doris Dörrie in ihrem neuen Film GLÜCK an der Liebesgeschichte zwischen dem Punk Kalle und der Prostituierten Irina zeigt, dass auch die Menschen aus diesen Bereichen der Gesellschaft wie alle anderen auch nach ihrem eigenen Stück Glück und Zufriedenheit streben.

GLÜCK, Bilder

GLÜCK, Filminhalt

Irina verlässt das Glück, als ihr Land vom Krieg überrollt wird, Soldaten in ihr Zuhause eindringen, ihre Familie töten und sie vergewaltigen. Traumatisiert flüchtet sie nach Berlin und arbeitet dort als Prostituierte. Auf der Strasse lernt sie dann Kalle kennen, einen arbeitslosen Punker. Zaghaft verlieben sie sich ineinander und schaffen es sogar, ein bescheidenes aber gemeinsames Leben aufzubauen.

In der gemeinsamen Wohnung empfängt Irina dennoch weiterhin ihre Kunden. Eines Tages bricht ein Freier (Oliver Nägle, ICH CHEF, DU NIX) tot zusammen und Irina flüchtet in Panik. Kalle kommt nach Hause, entdeckt die Leiche – und beschließt…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Constantin Film, Piper Verlag, Frank Schönewerk

GLÜCK, 7.0 out of 10 based on 86 ratings

GLÜCK Trailer

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Ihre Meinung -

7 Antwort zu “GLÜCK”

  1. Kick am 9.5.2012 um 11:55

    ich kann eah nur recht geben! nie in meinem leben habe ich so einen müll gesehen. wer horrorstreifen nicht sehen kann wird hier vollkommen irre! ein einzig kranker streifen

  2. roller am 8.3.2012 um 22:36

    habe mir auch den film gestern angesehen – konnte aber das drama nicht bis zum ende ertragen – zu dramtisch!
    die vergewaltigung, die harte u. kalte welt der prostitution, der tragische tod des hundes – der betrachter wird nicht aus der unheilschwangeren umklammerung der tragödie entlassen – die liebesgeschichte kann sich zu wenig entfalten

    bei der leichenzersägung wahr für mich schluss

  3. Annette am 4.3.2012 um 10:19

    Ganz großes Kino. Tolle Darsteller!

  4. Christina am 27.2.2012 um 23:06

    Ich hab den Film gestern im Kino gesehen und muss sagen: klasse… Ich fand ihn richtig richtig gut. Ich hab bei dem Film gelacht und geweint, fand die Geschichte super erzählt, ohne zuviel Pathos und Klischees dabei, ehrlich und trotzdem bewegend. Natürlich kann man über die blutige Leichen-Zerschneide-Szene streiten. Ich fand sie super, tiefschwarz und absolut makaber, aber wir haben zu viert Tränen gelacht über diese skurile Szene (ob das von den Machern so gewollt war oder nicht weiß ich natürlich nicht).
    Fazit: unbedingt anschauen!!!!

  5. gaffel am 27.2.2012 um 17:19

    Wahnsinn… einer der besten Filme seit langem. In selten poetischer und realistischer Weise gelingt es Doris Dörrie, dass wahre Glück in den kleinen Dingen fein heraus zu arbeiten. “Wupp dich..”

    Die Zersägung der Leichenteile ist in der Tat ein Kontrapunkt besonderer Art… Muss man nicht gut finden, hat aber dramaturgisch etwas… ich bin ‘raus gegangen bei der Szene. Keine Ahnung, ob das einfach realer oder erfundener Bestandteil der Schirach-Geschichte war – sollte dann aber auch nicht gestrichen werden, wenn man die Story verfilmt.

  6. eah am 26.2.2012 um 14:14

    OMG! 7 Stern?! Unglaublich. Ich habe seit langem keinen so schlechten Film gesehen. Einfach Müll.

  7. christahengsbach am 24.2.2012 um 01:03

    Ich komme gerade aus diesem Film und bedaure sehr, dass das Anfangs (von den Wirren des Überfalls abgesehen) aufgezeigte, schöne und mit Leichtigkeit angefüllte kleine Glück der Protagonisten, so fürchterlich enden muss! (sprich: die splatter-hafte Zersägung der Leichenteile). Wie schön arbeiten hingegen französische Filme solche Glückserfahrungen auf! Aber scheinbar mögen die Deutschen immer noch diese harten Schnitte, diese unglaubwürdigen Zerbrecher – oder ging es nur um einen spektakulären Plot?

    Schade, schade, so gute Schauspieler! Den Holzhammereffekt hätte es jedenfalls nicht bedurft, denn das überdeckt mit brachialer Gewalt die Leichtigkeit der restlichen Geschichte bzw. das gut in Szene gesetzte Suche und Finden des Glücks der beiden Menschen nach ihren bisher unglücklichen Lebenserfahrungen.

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