KIRSCHBLÜTEN – HANAMI

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Ein Witwer beginnt das Leben mit neuen Augen zu sehen und reist von Deutschland nach Japan, um die unerfüllten Träume seiner Frau zu finden…

KIRSCHBLÜTEN – HANAMI

Doris Dörries Beitrag zur Berinale 2008, die tragikomische Liebesgeschichte KIRSCHBLÜTEN – HANAMI, ist längst kein Geheimtipp mehr, aber immer noch einer der besten Filme in der deutschen Kinogeschichte.

Obwohl der Film direkt auf der Berlinale keine Auszeichnungen erhielt, wurde Elmar Wepper (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Fritz Wepper, aus der Krimiserie DERRICK) als bester Darsteller geehrt und auch die Regisseurin Doris Dörrie (DIE FRISEUSE, GLÜCK, ALLES INKLUSIVE) erhielt insgesamt drei Auszeichnungen für ihr sehr intimes Werk.

Elmar Wepper (DIE STURMFLUT) sagte anläßlich der Ehrung und sichtlich gerührt: „…das Schauspieler nicht alle Tage solch eine Chance mit 60 Jahren bekommen und schon gar nicht, wenn man eher bei der Abendunterhaltung der ARD, mit ihren berühmt-berüchtigten und oft „tief-seichten“ Degeto-Produktionen, auf die darin enthaltenen ebenso „flachen“ Rollen gemünzt ist.“

KIRSCHBLÜTEN

Das Drama KIRSCHBLÜTEN – HANAMI („Hanami“ bezieht sich auf das Kirschblütenfest in Japan) ist wie gesagt, ein Film über die Liebe, die Sehnsucht, den Tod und die Trauer. Es zeigt den zunehmenden Verfall vom Wert der Familie in der heutigen Gesellschaft, in der es in großen Teilen nur noch ums Geld und die eigene Verwirklichung geht.

KIRSCHBLÜTEN – HANAMI, Besetzung

Sicher – dieser Rudi (Elmar Wepper), an dessen Seite Trudi (Hannelore Elsner, u.a. ZEITEN ÄNDERN DICH) als seine langjährige Ehefrau zu sehen ist, könnte tatsächlich aus einer jener leichten, vorabendlichen Unterhaltungsproduktion stammen, aber sehr schnell kann der Zuschauer zwischen dem anfänglichen etwas oberflächlichem Humor und dem wirklich großen, inhaltlichen Gefühlskino differenzieren und sich dann auch auf die Charaktere einlassen.

KIRSCHBLÜTEN – HANAMI, Filmkritik

Zu Tränen rührend und absolut erstklassig besetzt! Der Regisseurin und Drehbuchautorin Doris Dörrie gelang mit KIRSCHBLÜTEN ein über weite Strecken einfühlsamer Film, der nicht zu Letzt von der Unfähigkeit der meisten Menschen im Umgang mit dem Tod erzählt.

Stets zielsicher pendelt das Drama zwischen heiler, bayerischer Dorfidylle und dem gnadenlosen Millionenmoloch Tokyo sowie den darin vorkommenden Protagonisten und deren Lebensgeschichten. Dabei gleitet der Film aus meiner Sicht nie ins Klischeehafte oder gar Kitschige ab. Besser noch: Der Zuschauer ist fast unwillkürlich versucht, auch Parallelen zu den eigenen Lebensmaximen zu ziehen…

KIRSCHBLÜTEN – HANAMI, Filminhalt

Foto: Majestic

Trudi trauert schon um ihren Mann obwohl dieser noch sehr lebendig scheint. Aber Rudi ist wirklich schwer krank und die Ärzte können nicht sagen, wie lange er noch zu leben hat.

Die Zeit rinnt den beiden durch die Finger und ihre ganz persönliche „Bucket List“ duldet einfach keinen Aufschub mehr: Vielleicht noch eine gemeinsame schöne Reise, ein kleines Abenteuer erleben oder einfach nur mal die Kinder in Berlin bzw. den Sohn in Tokyo besuchen!

Doch Rudi fühlt sich momentan gut und ist mit solchen Sätzen wie: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest das morgen alles vorbei ist?“ im Grunde total überfordert. Er liebt seinen Alltagstrott, die eingefahrenen Gleise zwischen dem Stullenpaketen im Büro und den Krautwickeln auf dem Abendbrottisch daheim. Mehr noch, Rudi mag einfach keine Überraschungen, keine Veränderungen und erst recht keine Abenteuer!

In geradezu stoischer Weise beharrt er deshalb auf dem Standpunkt: „…warum Geld dafür verschwenden (?!)…billiger wäre es ohnehin, wenn die Kinder einfach zu ihnen kämen und überhaupt…in zwei Jahren geht er in Pension…dann ist noch Zeit genug zum Reisen und für liebe Gemeinsamkeiten.“

Aber Trudi schafft es schließlich, Rudi wenigstens zu überreden, ihre beiden Kinder (Felix Eitner, Birgit Minichmeyer) die in Berlin wohnen, zu besuchen.

Den Traum, ihren Sohn Karl in Tokyo wiederzusehen und dabei die heimliche Leidenschaft: dem japanischen Ausdruckstanz „Butoh“ im Land der aufgehenden Sonne live zu erleben, diesen Wunsch kann sie ihrem Mann jedoch nicht abringen. Rudi schmettert alles ab: „…was ist schon der „Fuji“…auch nur ein Berg und davon gibt`s hier in Bayern genug !“

Doch das Schicksal geht seine eigenen Wege, hat seine eigenen Zeit-Regeln – und deshalb geschieht etwas ganz anderes, ganz ohne jede Vorwarnung…


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: Majestic

KIRSCHBLÜTEN - HANAMI, 8.4 out of 10 based on 5 ratings

2 Kommentare zu KIRSCHBLÜTEN – HANAMI

  1. ich bin froh dass elmar wepper ausgezeichnet wurde. nur schade, dass kirschblüten bei der berlinale nicht gewonnen hat – ich fand den film super – besser als die anderen.

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