LIEBESLEBEN

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Mit dem geglückten Debüt, dem Drama LIEBESLEBEN (Originaltitel: LOVE LIFE), reiht sich Maria Schrader als gestandene, großartige Schauspielerin (u.a. AIMÈE UND JAGUAR, IN DARKNESS) in jene Gruppe ihrer Kollegen ein, die neben der eigentlichen Schauspielkunst, zwischenzeitlich gern mal selbst das Zepter bzw. die Regie in die Hand nehmen.

LIEBESLEBEN

Dabei gestalteten sich die Arbeiten für den Film LIEBESLEBEN, nach dem gleichnamigen Roman Zeruya Shalev, von Anfang an eher schwierig.

Zum einen wurde der Film fast ausschließlich an Originalschauplätzen in Israel gedreht, worbei auf Grund der gespannten, militärisch-politischen Lage keine Versicherung bereit war, die daraus resultierenden Risiken zu übernehmen. Zum anderen stand nicht von vornherein fest, dass Maria Schrader die Regie führen würde. Buchstäblich etappenweise stellte sie sich der großen Herausforderung…

Trotz der geographischen und politischen Vorzeichen ist LIEBESLEBEN jedoch kein explizit israelischer, sondern eher ein Film mit universellem Charakter. Darin wird die Geschichte einer selbstbewussten, jungen Frau erzählt, welche sich durch eine für sie alles verändernde Begegnung (in Form einer obsessiven Liebe) der Sinnfrage des Lebens stellen wird.

LIEBESLEBEN, Filmkritik

Eine schlanke, blendend aussehende Frau, Anfang 30, hat eine sexuelle Beziehung zu einem „gut erhaltenen“ Mann, der ihr Vater sein könnte. Ein Szenario das vielleicht bekannt erscheinen dürfte, was aber in diesem Fall Überraschungen beinhaltet.

Denn während normalerweise die „alten Männer“ den jungen Frauen nachstellen, ist es hier genau umgekehrt. Oder anders ausgedrückt: Während im  Buch der Erzählfluss zwischen Erinnerungen und Wahrnehmung in der Gegenwart noch ständig wechselt, betritt Maria Schrader im Film ebenfalls ganz eigene Wege.

Sie verzichtet auf die Gedankensprünge und extreme „Ich-Perspektive“ und die Filmemacherin gestaltet Handlung und Figuren komplett neu. Dabei geht sie in ihrem Regiedebüt angenehm schwungvoll zur Sache und vielleicht gerade deshalb ist der Film eine äußerst gelungene Literaturverfilmung.

Geschickt umgeht die Regisseurin Maria Schrader auch die Frage, wie textnah eine Romanverfilmung sein muss, denn jeder Kinobesucher macht sich ohnehin seine eigenen Bilder – schafft die eigene Assoziation zum Roman. Die zentralen Fragen sind jedoch im Roman wie im Film die selben: Kann Mann oder sollte sich Frau auf  diese Art von Liebesleben ein- bzw. darin fallen lassen?

Oder ist es besser, in den gewohnten Liebes-und Lebensbahnen zu bleiben? Bedeuten veränderte Lebensgewohnheiten oder neue Partner immer Neuland auf ganzer Front? ja, und genauso gut könnte es trotz der Faszination immer auch als emotionales Desaster enden…

Yes, That’s life!: „Ich glaube, dass jeder, der in der Liebe „einen Fehler“ macht, das von vornherein weiß! Er kann sich nur einfach nicht beherrschen“ (aus dem Roman von Zeruya Shalev)

Fazit: In beeindruckender Erzählweise und in erotisch-anziehenden Bildern werden eindringlich diese Gewissenskonflikte und Momente aufgezeigt. Somit ist für alle jene, die vielleicht gerade selbst auf einem dieser Wege der persönlichen Erkenntnis sind, dass filmische Highlight LIEBESLEBEN  eine besondere Empfehlung.

LIEBESLEBEN, Filminhalt

Foto: X-Verleih

Im Mittelpunkt der Handlung steht die 30jährige Jara (Neta Garty), die sich in Arie (Rade Sherbedgia), einen wesentlich älteren Jugendfreund und Studienkollegen ihres Vaters verliebt.

Für diese nur sehr bedingt erwiderte Liebe ist Jara bereit, alles hinter sich zu lassen – ihre Ehe, ihre Familie, ihre Karriere und ihr gesamtes wohlgeordnetes Leben.

Erst spät erkennt sie, dass Arie der Schlüssel zu einem lange gehüteten Geheimnis ihrer Eltern ist…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: X-Verleih

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