NOVEMBERKIND

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Einleitend zum Familien-Drama NOVEMBERKIND, eine Charakterdoppelstudie um eine große Lebenslüge, möchte ich den Anfangstext eines Gedichts von Burkhard Wegner zitieren, denn ich finde, dass es die Grundstimmung des Films sehr treffend reflektiert:

NOVEMBERKIND

„Novemberkinder haben es schwer
November ist dunkel und kalt
Sie sehnen sich nach Wärme und mehr
doch Frühling kommt nicht so bald…“

Das Debütwerk NOVEMBERKIND von Christian Schwochow (WESTEN), lief anlässlich der Filmkunstmesse 2008 im Leipziger Kino Schaubühne Lindenfels und ich habe mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Film in Anwesenheit des Regisseurs anzuschauen.

NOVEMBERKIND, Besetzung

Allein die Liste der Schauspieler für NOVEMBERKIND (Anna Maria Mühe – die Tochter der viel zu früh verstorbenen Eltern Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann, u.a. der Film über ihren Krankheitsleidensweg: ICH WILL DA SEIN sowie die TV-Serie LIEBLING KREUZBERG, Ulrich Matthes, Christiana Drechsler, Steffi Kühnert etc.), liest sich schon äußerst vielversprechend und das entstandene Kinohighlight gehörte mit Sicherheit auch inhaltlich zu den anspruchvollsten, deutschen Filmen des Jahres 2008.

Alle Protagonisten sind zudem in fast auf den Leib geschriebenen Glanzrollen zu sehen und spielen äußerst geradlinig, ohne Selbstverliebtheit sowie mit einer großen Sensibilität für die Charaktere. Kein Wunder also, dass Schwochow für diesen Film mit diversen Preisen bedacht wurde, zum Beispiel: 2007 in Hachenburg unter der Kategorie „Bestes Drehbuch Spielfilm“, 2008 beim Festival „Max Ophüls“ mit dem Publikumspreis und auch die Filmbewertungsstelle Wiesbaden zeichnete NOVEMBERKIND mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ aus.

Christian Schwochow

Der Regisseur absolvierte ein Studium der Filmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg und hat in der beruflichen Vergangenheit bereits seine Sporen als Reporter und Videojournalist für Sender wie ARD, ARTE, 3 SAT, RBB, MDR und NDR verdient. Neben seinem Abschlussfilm und Diplom NOVEMBERKIND produzierte Christian Schwochow auch MARTA UND DER FLIEGENDE GROSSVATER, einen Kinderfilm.

NOVEMBERKIND, Filmkritik

NOVEMBERKIND ist ein tragischer und manchmal auch wunderbar komischer Film. Im Wechselspiel mit dokumentarisch anmutenden Rückblenden erzählt das melodramatische Werk in erster Linie nicht von Ost und West, sondern beschreibt den spannenden Weg von einem trügerischen Selbstbild bis hin zur befreienden Erkenntnis.

Durch eine gezielte Farbgestaltung des Bildmaterials, welche den halbdokumentarischen Charakter zusätzlich unterstreicht und unterstützt mit einem nie aufdringlich aber intensiven Soundtrack, entstand ein Film, der an Authensität kaum zu übertreffen ist.

Mein ganz besonderes Lob geht deshalb bzw. wie schon erwähnt, sowohl an die darstellerische Leistungen der Protagonisten und an die Postproduktion. Aber mehr noch, das Drama NOVEMBERKIND von Christian Schwochow gehört aus meiner Sicht zu den besten deutschen Filmen, die auf die große Leinwand gekommen sind.

NOVEMBERKIND, Filminhalt

Foto: Schwarzweiss Film

Nachdem ihre Mutter 1980 in den Westen geflohen ist, wächst die zu diesem Zeitpunkt nur wenige Monate alte Inga (Anna Maria Mühe) bei den Großeltern in Malchow (Mecklenburg Vorpommern) auf.

Die Frage was mit der Mutter geschah, wird ihr stets mit der Erklärung, dass diese bei einem Badeunfall in der Ostsee ertrunken ist beantwortet. Auch über den Vater hüllen sich die Großeltern und die Dorfgemeinschaft in Schweigen.

20 Jahre später taucht plötzlich der mysteriöse und um einiges ältere Robert (Ulrich Matthes) auf…! Er ist ein Literaturprofessor aus Konstanz. Auch Robert hat Fragen zu ihrer Kindheit und er kennt verschiedene Details aus ihrem Leben, die sich für Inga jedoch wie ein Puzzle anfühlen und nur mühsam verbinden lassen. Gemeinsam, aber jeder aus unterschiedlichen Gründen, machen sich die Beiden mit einem alten Motorrad auf die Spurensuche in die Vergangenheit – auf die Suche nach der Wahrheit.

Dabei stoßen sie auf ein psychologisch dichtes und schicksalhaft verbundenes Geflecht von Geschehnissen aus dem Dritten Reich, DDR-Zeiten bzw. den Folgen der deutschen Teilung. Weil Inga zudem nur schwerlich die Tatsachen und geschichtlichen Zusammenhänge verarbeiten kann, wird sie während der Suche und ihrer Selbstfindung emotional fast völlig aus der Bahn geworfen…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Schwarzweiss Film

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