STILLE HOCHZEIT

VN:F [1.9.22_1171]
Ihre Filmwertung:
Rating: 7.0/10 (4 votes cast)

Eine tragische Geschichte ganz komisch erzählt!

STILLE HOCHZEIT – ZUM TEUFEL MIT STALIN

Der 1952 in Rumänien geborenen Schauspieler, Regisseur und landläufig bekannten Karikaturisten Horatiu Malaele gibt mit der Komödie STILLE HOCHZEIT –  ZUM TEUFEL MIT STALIN (Originaltitel: Nunta mutà) sein Debüt auf der Kinoleinwand.

In der Vergangenheit trat Malaele in Rumänien hauptsächlich als Regisseur an Theatern in Erscheinung. Das Drehbuch, nach einer wahren Begebenheit, schrieb Adrian Lustig – und dessen Nachname kann im Ansatz getrost als Sinnbild für den Film geltend gemacht werden.

STILLE HOCHZEIT, Filmkritik

Wer die Filme des ex-jugoslawischen Regisseurs Emir Kusturica (u.a. 1998: SCHWARZE KATZE WEISSER KATER) mag, wird mit dem Film STILLE HOCHZEIT voll auf seine Kosten kommen. Mein „Ding“ waren und sind beide nicht. Alles ist darin ein bisschen zu grell, zu bunt, zu laut, kurzum: Total überdreht und nervt auf Dauer!

Das liebestolle, frischvermählte Paar, ihre warmherzigen Eltern, der dem Suff ergebene Priester und die klischeebehaftete Dorfprostituierte – sie alle samt sind weder Typen noch Charaktere, sondern eher Statisten für den cineastischen Wahnsinn auf der Leinwand…

Zieht man allerdings den geschichtlichen Hintergrund in Betracht, dann wird im Nachhinein ein recht bitter-unterhaltsamer Nachgeschmack erzeugt, der zum Nachdenken anregt und den Film im Resümee betrachtet doch wieder ansehenswert macht. Denn trotz der total überzogenen Dramaturgie ist es gleichzeitig und vielleicht gewollt, eine Metapher auf die Unterdrückung der Menschen durch die sowjetische Besatzungsmacht – die buchstäblich vor der Tür steht, um dem Ganzen den Garaus zu machen…

STILLE HOCHZEIT, Filminhalt

Man schreibt das Jahr 1953. Rumänien ist auf Grund der geschichtlichen Tatsachen des zweiten Weltkrieges durch sowjetische Truppen besetzt und ausgerechnet an dem Tag wo Genosse Josef Wissarionowitsch Stalin stirbt, wollen in einem kleinen Dorf Mara (Meda Andreea Victor) und Iancu (Alexandru Potocean) heiraten.

Das ist längst überfällig, denn inzwischen weiß das ganze Dorf über ihre „unehrenhafte“ Zweisamkeit Bescheid…

Egal ob im Kornspeicher, unter freiem Himmel oder zwischen Tür und Angel – sie sind einfach verrückt nacheinander und können ihre Lust nicht zügeln. Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Dorfgemeinschaft und der Pfarrer ihren Glaubens-Frieden finden und alles wieder in gesitteten Bahnen verläuft.

Doch mittenhinein in die balkanbeschwingte und lustige Hochzeitsvorbereitung wird die Staatstrauer verkündet. Ab sofort sind alle Festivitäten strengstens verboten. Kein Gesang, natürlich keine Feiern (einschließlich anderer Begräbnisse) oder gar Hochzeiten sind erlaubt.

Aber was wird mit den extra für das Festmahl geschlachteten Tieren, dem Wein, den bestellten Musikanten, den engagierten Zirkusleuten und der Hochzeitsgesellschaft?

Die Dorfbewohner zeigen sich schnell erfinderisch: DANN wird es eben eine Hochzeit – ganz still und leise. Fast aberwitzig werden die Gläser zum Anstoßen mit dämmenden Lappen umwickelt, die Instrumente schallisoliert, der Hochzeitstost als stille Post vollführt und selbst der Vogel aus der Kuckucksuhr wird Schnabeltot gemacht.

Jedoch viel schwerer ist die Situation für Mara und Iancu zu ertragen. Selbstverständlich müssen auch sie beim Liebesspiel vornehme Lautstärken üben. Ob das gelingt?

Aber gegen die Natur des feierfreudigen Balkanvolkes ist eben kein Kraut und erst recht nicht Genosse Stalin gewachsen. So nehmen die Dinge alsbald ihren unvermeidlichen Lauf, bis zu jenem Zeitpunkt, als mit lautem Getöse ein russischer Panzer durch die Mauer des Festsaals bricht…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Tiberius/24Bilder

STILLE HOCHZEIT , 7.0 out of 10 based on 4 ratings

3 Kommentare zu STILLE HOCHZEIT

  1. Ein sehr schöner Film, für den die Schublade Drama zwar insgesamt stimmt, der aber über weite Strecken eine höchst amüsante Komödie ist, durchsetzt mit phantasievollen Abschweifungen ins Absurde oder Träumerische.

  2. Fand den Film auch sehr gelungen, wobei ich mit etwas Skepsis in den Film gegangen bin. Was tut man nicht alles für seine Freundin… ;)

    Aber ich war am Ende positiv überrascht. Bin überzeugt davon, dass man noch von dem Regisseur hören wird.

  3. Ich fühlte mich stark an Filme von Emir Kusturica erinnert. Eigentlich ist das auch ein Schauspielerfilm: Die bei uns völlig unbekannten Akteure „verkörperten“ die ihnen zugedachten Rollen hervorragend, voller Spielfreude und absolut glaubhaft. Davon will man gerne mehr sehen aus Rumänien.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. 87c News

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*