THE GRANDMASTER

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Der Filmemacher Wong Kar-Wai (u.a. 2046, MY BLUEBERRY NIGHTS) lässt in seinem epischen Drama THE GRANDMASTER (Originaltitel: YI DAI ZONG) mit grandiosen Bildern eine ganze Epoche wieder aufleben.

THE GRANDMASTER

Bereits Ende 1990 hatte Wong Kar-Wai die Idee zu diesem Film, dessen Umsetzung weitere fünf Jahre in Anspruch nahm.

Der Perfektionist hinter der Kamera, mit der stets präsenten, dunklen Sonnenbrille, verlangte dabei seinen Schauspielern alles ab. So mussten die Hauptdarsteller Tony Leung Chiu-Wai und Zhang Zi-Yi vor dem eigentlichen Dreh ausgiebige Trainingseinheiten über sich ergehen lassen. Aber auch der Meister selbst schonte sich nicht. Erneut verbrachte er im Anschluss mehrer Monaten in der Postproduktion zu, bis der stark stilisierter Martial-Arts-Bilderreigen endlich seinem hohen Anspruch genügte.

Tony Leung Chiu-Wai über seinen Film

Wurde in den Kampfszenen des Films richtig zugeschlagen oder wie in Hollywood üblich nur „angetäuscht“?

TL: „Ja. Sie wollten die Kungfu-Szenen nicht auf die übliche Weise filmen. Es sollte authentisch sein. Aber ich konnte das nicht machen. Ich konnte diesen Schritt nicht tun. Ich bin von mir selbst ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht so weit gehen konnte. Andererseits kämpfte die von mir verkörperte Person nicht, um Menschen zu töten. Für sie war es eine Art Spiel. So war es nicht notwendig, derart hart zuzuschlagen. Aber für mich war es hart, diese Szenen zu drehen.

Von all den Kampfszenen war die im Regen die härteste – in jeder Hinsicht. Wir drehten sie in 30 aufeinanderfolgenden Nächten. Jedesmal die ganze Nacht lang. Von sieben Uhr abends an waren wir klatschnass, konnten aber die Kleidung nicht wechseln bis zum Drehschluss am folgenden Morgen. Ab Mitternacht zitterte ich vor Kälte. So ging das jede Nacht…und auf so etwas wird man beim Training nicht vorbereitet!“

THE GRANDMASTER, Filmkritik

THE GRANDMASTER spielt vor dem Hintergrund der Turbulenzen im China der 1930er/40er Jahre, basiert auf wahren Begebenheiten aus dem Leben von IP Man, dem legendären Kampfkunst-Meister sowie Mentor von Bruce Lee und feiert wortwörtlich die Schönheit der Kampf-Kunst.

Mit dem für Wong Kar-Wai typischen außergewöhnlichen Stilwillen verbindet THE GRANDMASTER somit die Geschichte einer innigen aber unerfüllten Liebe mit Kungfu in Reinkultur. Neben der gezeigten Kampfartistik werden jedoch auch philosophische Aspekte betont – ohne die es kein „echter“ Wong Kar-Wai-Film wäre.

Klassische Eastern-Themen wie Verrat und Vergeltung, Konflikte zwischen Meister und Schüler finden also ebenso Eingang wie die Wechselwirkung von kämpferischer Meisterschaft und sittlich-moralischer Tugendhaftigkeit. Das Ganze findet in der erneut visionärer Bildgestaltung und unkonventioneller Dramaturgie ihre Formvollendung und unterstreicht wiederholt die inzwischen unverwechselbarer Handschrift des Meisterregisseurs.

THE GRANDMASTER, Bilder

THE GRANDMASTER, Filminhalt

Südchina 1936. In der Stadt Foshan, ein Zentrum der chinesischen Kampfkunst, trifft hoher Besuch ein: Kungfu-Großmeister GONG Bao-Sen (WANG Qing-Xiang) kommt, um offiziell seinen Rücktritt als führender Vertreter der Kampfkunstschulen Nordchinas zu erklären und seinen Eintritt in den Ruhestand zu verkünden.

Das Zeremoniell verlangt, dass GONG sich zum Abschied mit dem besten Kämpfer aus dem Süden Chinas misst. Das ist IP Man (Tony LEUNG Chiu-Wai), der zuvor mit seiner Wing Chun genannten Kampftechnik alle Konkurrenten geschlagen hat. Unter den Ehrengästen in Foshans „Gold Pavillon“, wo die Martial Arts-Meister des Südens Hof halten, ist auch GONG Bao-Sens Tochter, die ebenso stolze wie schöne GONG Er (ZHANG Zi-Yi), auch sie eine ausgezeichnete Kämpferin und Meisterin des Bagua-Kampfstils…

Im Jahr darauf bricht im Norden Chinas der Krieg mit Japan aus. IP Man und GONG Er, die sich beim gemeinsamen Kampfduell schätzen und lieben gelernt haben, können nur von Ferne per Brief miteinander kommunizieren. Als die Japaner 1938 in Foshan einmarschieren, verlieren IP Man und seine Familie alles Hab und Gut…

Derweil kommt es am Wohnsitz von Großmeister GONG in Nordchina zur Konfrontation des alten Kungfu-Lehrers mit seinem Meisterschüler und designierten Nachfolger MA San, der mit den japanischen Besatzern kollaboriert. Als GONG im Streit getötet wird, schwört seine Tochter Rache und stellt MA San in einem Bahnhof zum Kampf…

1952 treffen sich IP Man und GONG Er in Hongkong wieder. Beide sind in die britische Kronkolonie emigriert, nachdem die Kommunisten in China die Macht übernommen haben. Beide empfinden noch immer tiefe Zuneigung füreinander, aber durch widrige Lebensumständen ist die Kluft zwischen ihnen so groß geworden, dass sie nicht zueinander kommen können: GONG Er arbeitet als Ärztin mit Mitteln der traditionellen chinesischen Medizin während Wing Chun-Großmeister IP Man eine Kungfu-Schule leitet und junge Leute in seiner Kampfkunst unterweist. Einer seiner Schüler ist ein gewisser Bruce Lee…


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: Wild Bunch Germany

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