YELLOW CAKE

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Was passiert mit den Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus?

YELLOW CAKE – DIE LÜGE VON DER SAUBEREN ENERGIE

Der Dokumentarfilmer Joachim Tschirner sucht mit dem sowohl erschütternden als auch wütend machenden Film YELLOW CAKE – DIE LÜGE VON DER SAUBEREN ENERGIE nach Antworten.

YELLOW CAKE im Kino

Ende 2010 sollte die Langzeitdokumentation YELLOW CAKE deutschlandweit in die kommen. Die Betonung liegt auf „sollte“ – denn meinen Recherchen zufolge hat es das Thema, das jedem angst und bange macht, am Ende nur sporadisch auf die große Leinwand geschafft. Weshalb? Ein Grund könnte sein, dass von bestimmten Interessengruppen wohl wenig Interesse kommt, diesen Film einer breiten Öffentlichkeit schmackhaft zu machen…

YELLOW CAKE, Filmkritik

So haftet der Dokumentation YELLOW CAKE – DIE LÜGE VON DER SAUBEREN ENERGIE, bei aller Akribie und hervorragender aufklärerischer Arbeit die Joachim Tschirner darin leistet, wohl in erster Linie der vermeintliche Makel einer vergeblichen Liebesmüh‘ an.

Das sollte aber keineswegs als logisches Gegenargument für die Veröffentlichung des Films verstanden werden, sondern schlimmstenfalls als eine Art Resignation angesichts der übermächtig erscheinenden Kraft des Faktischen! Letztendlich liegt es aber nur an dem persönlichen Willen des Einzelnen und der sollte angesichts dieser aufrüttelnden Dokumentation besonders groß sein…

DIE LÜGE VON DER SAUBEREN ENERGIE

Am Freitag, den 11. März 2011, bebte in Japan die Erde. Es war das inzwischen auch offiziell bestätigte, gewaltigste Erdbeben, welches je gemessen wurde. Experten gehen von einer deutlich „9“ vor dem Komma aus. Im Anschluss fegte eine bis zu zehn Meter hohe Tsunamiwelle mit der unglaublichen Geschwindigkeit von 700 km/h (!) über die Küste im Nordosten des Landes.

Die Folgen: Tausende Menschen verloren ihr Leben, Hunderttausende ihr Hab und Gut. Das Inselreich wurde um fast drei Meter bewegt, die Erdachse um zehn Zentimeter verschoben und die Erdrotation um einige Millisekunden verändert…

Der Filmemacher Joachim Tschirner

Joachim Tschirner, 1948 in Wittenberg geboren, ist Vater von fünf Kindern. Wohl prominentestes Familienmitglied ist die Schauspielerin und Moderatorin Nora Tschirner (u.a. KEINOHRHASEN 3, OFFROAD).

Nach seinem Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitete er als Regisseur und Redakteur für die DEFA. Nachdem 1991 alle künstlerischen Mitarbeiter aus dem DEFA Studio für Dokumentarfilme entlassen wurden, gründete Tschirner die Autorenvereinigung und Filmproduktion „UM WELT FILM“ sowie die Schnittservice-Firma digital cut GmbH.

Joachim Tschirner war zudem Vorsitzender der Hilfsorganisation „Wasser für die Kinder des Aralsees e. V.“, die 1996 entstand und 2009 ihre Arbeit einstellen musste, weil sich die Zusammenarbeit mit den usbekischen Regierungskreisen als schlichtweg unmöglich herausstellte.

Zu den drei eindrucksvollsten Werken, die Tschirner auf die Leinwand brachte, zählen: DER MINOISCHE FRIEDEN (1986): Ein Filmessay über die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit unseres Kontinents, KATRINS HÜTTE (1986-1991): Die Geschichte der 1. Blockwalzerin im alten Walzwerk der Maxhütte Unterwellenborn und GIFTIGE SCHIFFE, DIE GESCHICHTE EINER FARBLOSEN SUBSTANZ, das er im Auftrag von ORB und ARTE produzierte.

Darin wird das sogenannte Fouling erklärt, mit dem die Seeleute den Unterwasserbewuchs ihrer Schiffe mit Algen, Muscheln sowie Seepocken bezeichnen und der als Forschungsgegenstand auf der einen Seite als von Meeresbiologen als faszinierend angesehen wird, aber auch für die Seefahrt einen gewissen Schrecken beinhaltet.

So werden um das „Foulen“ der Schiffe zu verhindern immer neue farblose und schleichende Giftre eingesetzt, selbst wenn diese in ein sehr komplexes, ökologisches System eingreifen. Erst nach mysteriösen Veränderungen in der Natur wurde zum Beispiel nach der Wirkung von TBT auf sogenannte Nicht-Ziel-Organismen gefragt… Und zu diesen gehört dann wohl auch der Mensch!

YELLOW CAKE, die Gelbe Gefahr

Am Anfang der nuklearen Kette steht der Uranerzbergbau. Über ihn ist nur wenig bekannt…

Ein regelrechtes Geflecht aus Geheimhaltung und Desinformation liegt über seiner fünfundsechzigjährigen Geschichte – weltweit und bis heute. Selbst die jüngsten, öffentlichen Debatten über die Kernenergie übersehen die verheerenden Folgen der Urangewinnung. Deutschland, einst drittgrößter Uranproduzent der Welt, hätte allen Grund zur Sensibilität, doch die Regierung beschließt wiedermal den Ausstieg vom Ausstieg.

Unsere strahlende Zukunft

Seit vielen Jahren ist die Atommüllentsorgung einer der brisantesten, politischen Streitpunkte in Deutschland.

Die Auseinandersetzung um das geplante Atomendlager Gorleben und die skandalösen Berichte um die Erprobung der Schachtanlage Asse II sind ein Thema, das die Menschen auf die Straße bringt – auch und gerade in den letzten Monaten und erst recht nach der Reaktorkatastrophe in Japan.

YELLOW CAKE, Filminhalt

Joachim Tschirner hat außer in Deutschland fünf Jahre lang für YELLOW CAKE in Namibia, Australien und Kanada recherchiert und gedreht.

Der Film beginnt jedoch in Deutschland und wirkt mit seinen Bildern beinahe wie die Aufarbeitung einer bislang sträflich vernachlässigten, deutsch-deutschen Geschichte. Bis 1990 existierte hier der drittgrößte Uranbergbau der Welt. Seit der Schließung sind in Sachsen und Thüringen fast sieben Milliarden Euro in die Aufräumarbeiten geflossen. Ein Ende der Maßnahmen ist noch lange nicht in Sicht.

Während in Deutschland der Uranbergbau immerhin eingestellt ist, geht die Suche nach dem wertvollen Metall in anderen Ländern allerdings unvermindert weiter.

Mit dem Energiehunger von China und Indien und der Renaissance der Kernenergie als „Brückentechnologie“ (weltweit befinden sich gerade 150 neue Atomkraftwerke im Bau oder in der Planung!!) ist der Uranbergbau ein lukratives Geschäft mit exponentiell steigenden Profiten. Dennoch: 99,3 Prozent des abgebauten Gesteins ist für die Gewinnung von Uranoxid („YELLOW CAKE“ genannt) unbrauchbar und mit den verschiedensten Schwermetallen belastet.

Stark radioaktiv strahlend, wird es unzureichend gesichert gelagert, verseucht den Boden, die Pflanzen das Grundwasser – kurz: Die Lebensgrundlagen ganzer Landstriche.

Demnach wird wohl selbst nach dem Super-Gau in Japan der Kampf um den „gelben Kuchen“, mit den unübersehbaren Spätfolgen des Uranabbaus, nur in die nächste Runde gehen bzw. wird uns noch in einigen Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden das „strahlende Geschehen“ mit Angst und Schrecken verfolgen.


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Um Welt Film, kino-zeit.de

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