BARNEY’S VERSION

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Lange gab es keinen würdigeren „Bären-Bezwinger“ als den, vom 2011er Filmfestival in Berlin. Deshalb war meine Freude groß, dass es das kleine aber feine Kinohighlight, die biographisch angehauchte Tragik-Komödie BARNEY’S VERSION, bis zur Auszeichnung geschafft hat!

BARNEY’S VERSION, Darsteller

Das insgesamt sehr gelungene und episodenhaft erzählte Porträt eines wechselvollen Menschenlebens ist mit einem ausgezeichneten Cast besetzt.

Dazu gehören unter anderen Paul Giamatti, Dustin Hoffman und Rosamund Pike. Regie führte der kanadische Regisseur Richard J. Lewis. Obwohl es wiedermal -nur- eine Bestseller Verfilmung ist bzw. Literatur und Film sich ja oft wie Hund und Katze gegenüberstehen, schaffte es Lewis, eine luxuriöse Literaturverfilmung detailliert und zudem nicht ohne Humor und Wärme auf die Leinwand zu bannen.

Mordecai Richler

Der Schriftsteller Mordecai Richler, geb. 1931 in Montreal, gehört in Kanada längst zur Elite der schreibenden Kunst.

Über die Ländergrenzen hinaus und speziell hierzulande, blieb ihm jedoch bisher der ganz große Erfolg verwehrt. Zu Unrecht finde ich, denn bereits sein vorletzter Roman „Solomon Gursky“, eine packende Familiensaga über den legendenumwitterten Aufstieg der jüdisch-kanadischen Gursky-Dynastie, wurde kunstvoll verwoben in einen spannungs- sowie abwechslungsreichen Rahmen gebracht.

Aber vielleicht lag es bisher nur daran, dass man bereits bei der Person Mordecai Richler kaum etwas findet, was in Deutschland gemeinhin mit Kanada in Verbindung gebracht wird.

Der Autor ist ein Großstädter, fast schon ein Kosmopolit. Äquivalent zu dem Roman von 2002 „Wie Barney es sieht“, verbrachte sowohl der Titel-Held als auch sein Autor einige Jahre in Paris. Das weite Land, das Leben in der unwirtlichen Natur taugt in Richler‘s Werk „Wie Barney es sieht“ jedenfalls bestenfalls als Hintergrund für eine ziemlich grimmige Pointe und weit weniger für die oft plattitüden Auswanderung-Sehnsüchte einiger, deutscher Zeitgenossen.

BARNEY’S VERSION im Kino

Er hat geheiratet. Dann hat er noch einmal geheiratet – und auf seiner dritten Hochzeit findet er dann die Liebe seines Lebens. Aber hat Barney (Paul Giamatti, u.a. PLANET DER AFFEN) auch seinen besten Freund und Rivalen umgebracht?

Obwohl Boggie’s (Scott Speedman, THE STRANGERS) Leiche niemals gefunden wird, hält Barney’s Erzfeind Constable O‘ Hearne (Mark Addy, u.a. ROBIN HOOD) ihn für den Mörder. Er selbst kann diese Frage bis kurz vor dem Ende der Film-Geschichte auch nicht klären, ebenso wenig, wie er seine große Liebe bis zum Ende aller Tage festhalten kann: Denn Barney ist ein kleiner Macho, ein Schwerenöter, dem Alkohol, Zigarren, andere Frauen bzw. die Eishockey-Playoffs wichtiger sind als jene schicksalhafte Begegnung mit Miriam (Rosamunde Pike, FRACTURE, MADE IN DAGENHAM).

BARNEY’S VERSION, Filmkritik

Ich glaube, nie zuvor wurde in einem Film mehr geraucht und getrunken wie in BARNEY’S VERSION! 

Ungeachtet von dieser allzu menschlichen Schwäche, trifft Regisseur Richard J. Lewis (u.a. CSI: CRIME SCENE INVESTIGATION) den richtigen Ton zwischen Komödie und Tragödie und vermag so zwischen Wortwitz und tiefen Gefühlen einen sensiblen Balanceakt zu vollbringen. Das Spektrum des Films reicht vom stillen Schmunzeln bis zu herzzerreißend offenen Momenten – die jedoch zu keinem Zeitpunkt kitschig wirken.

Wie gesagt, die Tragikkomödie BARNEY’S VERSION ist eine Lebensbeichte. Und wie jede Lebensbeichte, die ins Kino gebracht wird, steht und fällt diese unter anderem mit der Leistung der Protagonisten. Und diese zeigt sich über jeden Zweifel geradezu erhaben.

Neben Paul Giamatti, der hervorragend aufspielt und hier wohl den besten Part seines Schauspieler-Lebens aufzeigt, ist in einer fast Nebenrolle Dustin Hofman sowie dessen Sohn Jake Hofman zu sehen.

Gekonnt und unnachahmlich vermag der kleine Mann -aber die große Filmlegende Dustin Hofman- die vielschichtige Rolle des gutherzigen und unkonventionellen Ex-Cops auszufüllen…ja, und man möchte fast auf die Knie fallen vor diesem Darsteller.

Oder mit anderen Worten: Richard J. Lewis funkensprühende Achterbahnfahrt BARNEY’S VERSION stahlt nebenher eine menschliche Wärme aus, von der wohl jeder Zuschauer noch lange nach dem Kinobesuch zehren kann. Meine Empfehlung!!

BARNEY’S VERSION, Filminhalt

Das Chaos im Liebesleben von Barney beginnt 1974 in Rom.

Ein One-Night-Stand lässt ihn zum Vater werden und die freigeistige Claudia (Rachelle Lefevre, BREAKING DAWN – BISS ZUM ENDEDER NACHT) gleich heiraten. Doch bei der Geburt stirbt das Kind und es stellt sich zudem heraus, dass Barney keinesfalls der Vater sein kann. Vielmehr ist es einer seiner zahlreichen Freude, der Afro-Amerikaner Cedric, gespielt von Clé Bennett (HARVARD MAN).

Was folgt ist die Trennung.

Claudia begeht daraufhin Selbstmord und Barney beendet das wilde Boheme-Leben, verlässt Rom. Er nimmt das Job-Angebot seines Onkels an, in Kanada als Fernsehproduzent zu arbeiten.

Bald darauf lernt Barney seine zweite Frau kennen. Doch schnell wird deutlich, dass die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Familien unüberwindlich sind. Seine wohlhabende, jüdische Prinzessin (Minnie Driver, DAS PHANTOM DER OPER, CONVICTION) hat nicht nur promoviert, sondern stammt -wie gesagt- auch aus einer hochangesehenen Familie. Barney‘s eigenwilliger Vater (Dustin Hoffman, RAIN MAN, DAS PARFUM) hingegen, ist nur ein einfacher, pensionierter Polizist, der während der gemeinsamen Mahlzeiten damit prahlt, wie er Verbrecher gejagt hat…

Somit wird Barney bereits auf der Hochzeit klar, dass auch die Liebe zu seiner zweiten Frau nicht derart tief sein kann, wie er anfangs dachte.

Eigentlicher Auslöser für diesen Gefühlswandel ist jedoch eine junge Frau namens Miriam, eine New Yorkerin, die bei einem Radiosender arbeitet und eine Bekannte seiner Gemahlin ist.

Alle Messen scheinen gelesen und Barney will ohne die  Schöne keine Sekunde mehr leben. Noch auf seiner eigenen Hochzeit fleht er Miriam an, ihn zu heiraten. Das amouröse Angebot wird natürlich mit Unverständnis abgelehnt.

Barney versucht daraufhin widerwillig mit seiner Frau ein geregeltes Leben zu führen: Also ein Plan, der nur scheitern kann…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Universal Pictures

BARNEY'S VERSION, 8.8 out of 10 based on 4 ratings

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