HERZ AUS STAHL

Herz aus Stahl
Foto: Sony Pictures
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Krieg zählt wohl zu den ältesten und ich wage es in diesem Zusammenhang kaum zu formulieren, zu den „beliebtesten“ Themen der Filmgeschichte.

Ergo kein Wunder, dass somit im Laufe der Zeit auch das eine oder andere cineastische Meisterwerk entstanden ist. Dazu zählen aus meiner Sicht die Filme: APOCALYPSE NOW, DIE DURCH DIE GÖLLE GEHEN oder FULL METAL JACKET…

HERZ AUS STAHL

Das Weltkriegs-Drama HERZ AUS STAHL (Originaltitel Fury) ist eines der ersten Filme, welches 2015 das Licht der Leinwand erblickt. Ob es sich dabei um einen patriotisch triefenden Bum-Bang-Kriegsfilm handelt, der in erster Linie das amerikanisches Militär verherrlicht, oder ob uns hier erneut ein inhaltlich und handwerklich erstklassiges Kriegsdrama begegnet – klärt der folgende Artikel.

Patriotismus und wehende Flaggen

Den meisten amerikanischen Produktionen mit Kriegsthematik haben sich auf die Fahne geschrieben, einer der verfeindeten Parteien das Recht zu zusprechen, Krieg zu führen. Neben Michael Bays TRANSFORMERS-Reihe gehört in diese Liga ganz irdisch gesehen Roland Emmerichs DER PATRIOT als ein gutes Beipiel für einen in dieser Hinsicht üblen Film. Sozusagen Patriotismus und Flaggenkult pur. Das es durchaus anders „funktionieren“ kann, und die Botschaft trotzdem eindeutig ist, beweist unter anderen Steven Spielberg mit dem Oscar-prämiertem Drama DER SOLDAT JAMES RYAN.

HERZ AUS STAHL, im Kino

Foto: Sony Pictures
Foto: Sony Pictures

Auch der Film HERZ AUS STAHL ist nicht allzu patriotisch inszeniert, lässt das US-amerikanische Militär nicht als alleinigen und glorreichen Streiter für die Gerechtigkeit erscheinen. Analog zu dem cinematographisch gelungenen ZDF-TV-Event UNSERE MÜTTER UNSERE VÄTER von 2014, wird in HERZ AUS STAHL ein „angenehm“ differnziertes Geschichtsbild über die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg aufgezeigt.

Ungeachtet dessen: Krieg ist Krieg und die Grenzen von Gut und Böse lassen sich kaum vorher und erst recht nicht nach dem ersten Schuss klar abgrenzen. So gibt es in HERZ AUS STAHL eine Szene, in der eine Hauptcharakter (Don Collier) einen jungen Soldaten zwingt, einen Kriegsgefangenen zu erschießen. Ein Verstoß gegen alle Gesetze der Kriegsführung und vor allem ein babarischer Akt in Hinsicht Menschlichkeit…

Völlig frei von der speziellen Logik der Unterhaltungsindustrie in Punkto amerikanische Sichtweise auf den Zweiten Weltkrieg, ist HERZ AUS STAHL allerdings nicht. Beispiel: Im Finale des Films tritt Collier mit seiner kleinen und bereits stark angeschlagenen Truppe gegen eine bis an die Zähne bewaffnete SS-Einheit von gut und gerne zweihundert Mann an – und es gelingt -natürlich-, mit wehenden Fahnen den Sieg davon zu tragen. Die Realität, die Grausamkeit des Krieges hätte wohl anders ausgesehen…

Vom Schützengraben in den Schützenpanzer

Nicht neu jedoch erwähnenswert ist die ungewöhnliche Kameraperspektive, die das Kriegsgeschehen in HERZ AUS STAHL (wer ist denn nur auf diese d… Titel-„Übersetzung“ gekommen?!) einfängt.

Bisher blieb der Zuschauer mit der kämpfenden Truppe im Kino oft auf direkter Augenhöhe. Die Landungsszene in der Normandie, aus DER SOLDAT JAMES RYAN, oder die Feldschlachten in Mel Gibsons BRAVEHEART bieten für diesen „ungeschützten“ Kontakt bzw. das unmittelbar explodierende Grauen ein gutes Beispiel. Der Regisseur David Ayer und Kameramann Roman Vasyanov wählten für ihren Film bzw. analog zu LEBANON jedoch eine Art Betrachter-Distanz – sie lassen uns das Geschehen zu großen Teilen aus einer gewissen Entfernung bzw. nur durch die schmalen Sehschlitze eines Panzers nachvollziehen.

Der schützende Stahl des Panzers, auf dessen Abschussrohr in weißer Schrift „Fury“ (eng. für Wut) steht, ist aber -und wie jeder weiß- trügerisch. Zwar wird der rollenden Sarg als gewaltiges und relativ unverletzbares Monstrum inszeniert, jedoch bietet es letztendlich dem Zuschauer wie gleichermaßen den Protagonisten inner-und außerhalb der Kriegswaffe keine wirkliche Deckung. So wälzt das Kettenfahrzeug Feind wie Natur nieder, klingt es soundtechnisch als ob man selbst neben dem Kanonier sitzen würde. Oder mit anderen Worten: Eine klaustrophobische Enge, die rein atmosphärisch betrachtet, absolut großes Kino bietet und selbst hartgesottene Kinogänger an ihre mentalen Grenzen führt…

HERZ AUS STAHL, Besetzung

Brad Pitt: So ziemlich jeder Kinogänger kennt ihn und seine Filme. Darunter befinden sich Meilensteine der Filmgeschichte wie FIGHTCLUB oder SNATCH – SCHWEINE UND DIAMANTEN. Mit 12 YEARS A SLAVE gelang es ihm gar 2014 als Produzent einen Oscar einzustreichen.

Shia LaBeouf: Aufgrund einer unglücklichen Aussage über das illegale Streamen von Filmen ist es in letzter Zeit sehr ruhig um den ehemaligen TRANSFORMERS-Star geworden. Mit Lars von Triers ARTEHOUSE Sexualdrama NYMPHOMANIAC VOL.I & VOL. II erlangte er etwas positivere Aufmerksamkeit und mit HERZ AUS STAHL wagt sich LaBeouf erneut in die Welt Hollywoods.

Logan Lerman: Die wohl bekannteste Rolle des bald fünfundzwanzigen Schauspieler ist die des Pery Jackson, aus der gleichnamigen Filmreihe. Mit seiner Darstellung als Norman Allison IN HERZ AUS STAHL liefert er seine bisher erwachsenste Leistung ab.

HERZ AUS STAHL mit langen Emotionen, Filmkritik

Neben markigen Sprüchen a la in Quentin Tarrentinos INGLOURIOUS BASTERDS und den in die Magengrube zielenden und auf Action ausgerichteten Panzergefechten gibt es Bilder, die einem noch lange nach dem Kinobesuch im Kopf bleiben…Zwar mag ein Film wie SCHINDLERS LISTE die Greultaten besonders der SS und SA bereits eindringlich gezeigt haben, doch wenn in HERZ AUS STAHL eine erhängte Mutter, mit dem Schild vor der Brust: „Ich wollte mein Kind nicht kämpfen lassen“, zu sehen ist und Kindersoldaten erschossen werden, wird dieser ganze Wahnsinn nochmals deutlicher…

Dennoch sind einige nachdenklich machende Momente des Films etwas zu langatmig geraten. Insbesondere jene,  in der die Aliierten ein deutsches Dorf säubern…

Im Anschluss bleibt Collier und seine kleine Truppe bei einer Frau und ihrer Cousine zum Essen. Regisseur David Ayer versucht hierbei augenscheinlich mit Macht, den krassen Gegensatz zwischen Soldaten als Tötungsmaschinen und dem ganz normalen Menschendasein aufzuzeigen. Leider einwenig vergebens. Denn gut zwanzig Minuten plätschern die Szenen dahin, ohne Tiefenwirkung oder die Handlung wirklich zu bereichern.

Auch das bereits angesprochenen Finale, was nicht sonderlich viel Wert auf Realismus legt, ist zu langatmig. Außschließlich der in diesem Zusammenhang, pardon, grandiosen Optik und dem donnernden Sound ist es zu verdanken, dass in HERZ AUS STAHL keine Langweile -zugegeben auf hohem Nivau- aufkommt…

HERZ AUS STAHL, Bilder

HERZ AUS STAHL, Filmhandlung

Deutschland 1945 – kurz vor der Kapitulation. Noch hat sich die Generalität der Wehrmacht nicht ergeben und besonders die vereinzelt herumstreunenden SS-Truppen leisten er-und verbitterten Widerstand.

Don Collier (Brad Pitt), auch „Wardaddy“ genannt, kämpft sich mit der Besatzung eines Sherman-Panzer, bestehend aus Grady Travis (John Bernthal), Trini Garcia (Michael Pena) und Boyd Swan (Shia LaBeouf), durch die deutschen Reihen. Seit den Kriegshandlungen in Nordafrika sind sie ein eingeschworenes Team.

Doch jetzt wird ihnen der blutjunge Norman Ellison zugeteilt. Völlig kriegsunerfahren kennt er weder den Krieg, geschweigedenn hat er bisher auf den Feind geschossen…


Studio/ Verleih / Bild- und Textnachweis: Sony Pictures Germany

HERZ AUS STAHL, 7.7 out of 10 based on 3 ratings

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