LET’S MAKE MONEY

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Gerade als das Medieninteresse um die Bankenkrise 2009 ihren Höhepunkt erreichte, erschien Erwin Wagenhofer`s neue, spektakuläre Dokumentation LET’S MAKE MONEY in den Kinos.

LET’S MAKE MONEY

Darin schaut der Regisseur hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherern oder anders ausgedrückt: Dem globalen Finanzsystem unter den Rock…!

Nach Wagenhofers brisantem Dokumentarfilm WE FEED THE WORLD – ESSEN GLOBAL, worin er die Nahrungsmittelpolitik und da im Besonderen die der Industriestaaten auf das Schärfste kritisiert, folgt er in LET’S MAKE MONEY den Spuren unseres Geldes im weltweiten Finanzdickicht.

Sein ernüchterndes Fazit: Alle haben die Krise kommen sehen, nur hat es keinen interessiert – solange weiterhin die Rendite stimmt!

LET’S MAKE MONEY – lassen sie ihr Geld arbeiten

Lassen Sie ihr Geld arbeiten! Welch blödsinniger Spruch!

Geld kann nicht arbeiten! Arbeiten, Werte schaffen – dies können nur Menschen, Tiere oder Maschinen! Viel treffender ist doch der Spruch von Jimmy Durante: Die meisten Menschen werden nur deswegen nicht reich, weil sie vor lauter Arbeit keine Zeit zum Geldverdienen haben.

Und wer dann denkt wir hätten das Gröbste hinter uns, der irrt gewaltig!

Wenn man nur an die Forderungen deutscher Großunternehmen (Opel, Karstadt etc.) nach staatlichen Finanzspritzen denkt – scheint eine Ende der rasanten, wirtschaftlichen Talfahrt noch lange nicht in Sicht. Schlimmer noch: Ungeachtet dessen gehen erneut einige Banken dazu über, mit dem „frischen Kapital“ aus den Steuermitteln und ohne „Lerneffekt“, weiter an der Wertvernichtungsmaschine zu drehen.

Dass die großen Wirtschaftszentralen die Strippen fest in der Hand halten, während die Regierungen mehr oder weniger machtlos zuschauen, haben ja schon Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem „Manifest“ vor rund 160 Jahren analysiert. Das nunmehr auch die sozialen Strukturen, wie etwa die Altersvorsorge oder die Trinkwasserversorgung in zunehmendem Maße privatisiert werden und es dadurch für viele Menschen immer existens-und lebensbedrohender wird, ist allerdings ein neuzeitlicher Fakt in der kapitalistischen Gesellschaft…!

Genau hier hakt LET’S MAKE MONEY nach. Denn wir erleben keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise: Paradoxerweise hervorgerufen durch das Geld des „kleinen Mannes“!

„Das ist, als ob Sie im Auto sitzen und mit 200 Stundenkilometern durch die Gegend fahren. Je länger Sie das tun, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Unfall provozieren. Gegen die Finanzkrise hat niemand etwas getan – wissend, dass sowieso immer die Allgemeinheit bezahlt.“ (Erwin Wagenhofer)

LET’S MAKE MONEY, Filmkritik

Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann ist es dieser – titelte das Magazin „Cinema“.

Natürlich, Kritik an den Auswüchsen von Kapitalismus und Globalisierung zu üben fällt in diesen Tagen leicht. Schwer hingegen ist es, die Komplexität der globalen Vernetzung von Waren- und Kapitalströmen darzustellen. Denn trotz Medienpräsenz allerorts und den anscheinend schier unerschöpflichen Möglichkeiten des Datenmissbrauchs bleibt der finanzielle Überblick bzw. Durchblick nur einer elitären Schicht vorbehalten, die sich nur ungern in die Geldsäcke schauen lässt.

Erwin Wagenhofer wagt in seinem Film LET’S MAKE MONEY diesen Blick und reiht sich damit in die Riege der ganz Großen des Doku-Geschäfts ein.

Aber letztendlich bleibt es -natürlich- ein Episodenfilm, der nur einzelne Themen herausgreift und der auch nur schlaglichtartig die Aspekte der Globalisierung von Finanzmärkten beleuchten…kann!

Trotzde – bleibt es eine sehr spannende und ansehenswerte Dokumentation !! (siehe auch: INSIDE JOB)

LET’S MAKE MONEY, Filminhalt

Ja, was hat eigentlich die Altersvorsorge z.B. mit Immobilien-Käufen in Spanien zu tun? Und weshalb sollten wir dort ein Haus kaufen – um „dabei zu sein“?

Weil, sobald wir ein Konto eröffnen, klinken wir uns auch automatisch in die weltweiten Finanzmärkte ein. Die Banken speisen dann unsere teilweise sauer verdienten Euros, Dollars etc. in den globalen Geldkreislauf ein! Jedoch was geschieht damit…?

Möglicherweise verleihen die Kreditinstitute, Versicherer und Rentenfonds das Geld mit einer sogenannten „Gewinnmaximierung“ an Spekulanten und dubiose Geldverwerter?! Somit ist der Kunde nicht nur von den Tageskursen an den Weltbörsen, sondern auch von den „Tagesformen“ der Broker und Finanzberater abhängig.

Der „kleine Mann“ weiß also nicht wo, wie und wovon „die Schuldner“ leben, die von den Krediten profitieren. Und er weiß auch nicht, was diese tun, um die Zinsen eines Tages bezahlen zu können.

Alles bleibt im Verborgenen und wir können nur hoffen und vertrauen. Doch wie heißt es so schön: „Vertrauen ist gut, Kontrolle w ä r e besser! Aber weit gefehlt!

Erst wenn die Spitze des Eisbergs sichtbar ist, das schöne Oberdeck des Schiffs zerschrammt wird, dann geht wieder der Aufschrei nach mehr „Kontrolle“ durch die Medien und Sitzungssäle der Politik.

Dabei wissen wir doch alle: Kapital lässt sich nicht kontrollieren, denn darauf beruht schließlich das Grundprinzip des Kapitalismus…dem Gesetz des „vogelfreien“ Marktes!


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Allegro Film/ Delphi Filmverleih

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2 Kommentare zu LET’S MAKE MONEY

  1. Ich schlage auch I.O.U.S.A. vor. Ein Dokumentar über die Verschuldung in der U.S.A., von Sommer 2008..

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