MEIN LIEBSTER ALPTRAUM

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In ihrer Komödie MEIN LIEBSTER ALPTRAUM (Originaltitel: Mon pire cauchemar) führt uns die in Luxemburg geborene Regisseurin Anne Fontaine (COCO CHANEL) vor Augen, was so alles passieren kann, wenn in einer langjährigen Beziehung die Gefühle erloschen sind und sich zwei Menschen begegnen, wie sie sozial und intellektuell unterschiedlicher nicht sein könnten.

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM

Anne Fontaine führte jedoch nicht nur die Regie, sie verfasste auch gemeinsam mit Nicolas Mercier das Drehbuch. Die Musik komponierte Bruno Coulais (UNSERE OZEANE) und die Kamera führte Jean-Marc Fabre (NATHALIE – WEN LIEBST DU HEUTE NACHT?). Das Setdesign besorgte Olivier Radot und die Kostüme entwarfen Catherine Leterrier (AFFÄREN À LA CARTE) sowie Karen Muller-Serrau (SAINT JACQUES…PILGERN AUF FRANZÖSISCH)

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM, Besetzung

Die ehemalige Tänzerin und Schauspielerin Anne Fontaine hat zu diesem Zweck drei der bekanntesten und beliebtesten französischen Schauspieler – Isabelle Huppert (DIE KLAVIERSPIELERIN), Benoît Poelvoorde (NICHTS ZU VERZOLLEN) und André Dussollier (KEIN STERBENSWORT) vor der Kamera versammelt, um geistreich, humorvoll, schlagfertig und hintersinnig die Szenen einer Ehe aufzuzeigen – und das, zudem mit höchst überraschendem Ausgang.

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM, Filmkritik

Gleich zu Beginn des Films wird der Zuschauer durch etwas platten Dialoghumor und klischeehafte Szenen auf eine Schenkelklopfer-Komödie eingestimmt. Dabei sorgen insbesondere Patricks derbe Unverschämtheiten für mancherlei grotesk-überzogene Situationskomik und brachiale sowie stellenweise durchaus wirkungsvolle Kalauer. Das wiederum macht schnell deutlich, wie sehr der Scipt auf die Perfomances des durchweg gut agierenden Protagonistentrios Isabelle Hubert, Benoìt Poelvoorde und Andrè Dussollier angewiesen ist.

Wenn diese Weltklasse-Schauspieler nicht im Cast wären -ganz speziell Benoit Poelvoorde- der den dauerbetrunkenen, prahlerischen Lebemann Patrick mit sichtlicher Freude am Krawall spielt, würde der Komödie MEIN LIEBSTER ALPTRAUM bereits nach kurzer Zeit die dramaturgische Luft ausgehen…

Fazit: Die phantastischen Schauspieler und die sympathischen Charaktere können trotz des für meine Begriffe zu vordergründigen und deftigen Humors (kein Vergleich zu beispielsweise ZIEMLICHE BESTE FREUNDE) über die Drehbuch-Schwächen gekonnt hinwegtrösten und lassen MEIN LIEBSTER ALPTRAUM nicht zum Komödenalptraum werden.

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM, Bilder

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM, Filminhalt

Sie (Isabelle Huppert) wohnt mit ihrem Lebensgefährten (André Dussollier) und dem gemeinsamen Sohn in einem schicken Appartement gegenüber vom Jardin du Luxembourg, dem früher königlichen, heute staatlichen Schlosspark. Er (Benoît Poelvoorde) lebt mit seinem Sohn in einem alten Lieferwagen oder findet bei weiblichen Bekanntschaften Unterschlupf.

Sie ist eine renommierte Galeristin, Chefin einer angesehenen Sammlung moderner Kunst. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und notfalls von der Wohlfahrt.

Sie hat sieben Jahre lang an der Universität studiert. Er hat fast sieben Jahre lang hinter Gittern gesessen.

Sie steht mit dem Kultusministerium auf du und du. Er ist jedem alkoholischen Getränk zugeneigt, dessen er habhaft werden kann.

Sie genießt intellektuelle Debatten. Er liebt gelegentlichen Sex mit vollbusigen Bettgenossinnen…

Beide leben in zwei verschieden Welten und können den Anblick des jeweils anderen nicht ertragen. Und  – beide hätten sich eigentlich nie treffen sollen, aber sie haben heranwachsende Söhne, die trotz unterschiedlichster Herkunft die besten Freunde sind. Und so kommen sich die Erwachsenen über alle gesellschaftlichen Schranken hinweg näher – näher als sie es eigentlich je wollten…

Auszug aus einem Interview mit der Regisseurin

Wie entstand die Komödie MEIN LIEBSTER ALPTRAUM?
„Ich wollte schon seit einigen  Jahren einen Film über ein Paar machen, das nicht zusammenpasst. Mit Benoît Poelvoorde, mit dem ich schon ENTRE SES MAINS (2005) und COCO AVANT CHANEL  (2009) gedreht habe, pflege ich eine langjährige Bekanntschaft – und ich wollte unbedingt einmal mit Isabelle Huppert arbeiten. Mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und den Images, die damit verbunden sind, schienen sie perfekt, um zwei so gegensätzliche Charaktere wie Patrick und Agathe zu spielen, die sich einander dann jedoch ganz bedächtig öffnen.“

Die Dialoge sind recht harsch?!
„Manche der Sprüche hat Benoît sich ausgedacht, aber das meiste ist von Nicolas Mercier und mir. Manchmal fragten wir uns, ob wir nicht zu weit gingen. Patrick sagt zu Agathe: „Wie kommst du im Bett klar mit so einem eiskalten Arsch?“ Ich fragte mich, wie Isabelle darauf reagieren würde. Zuerst war sie ein wenig schockiert, aber dann fand sie es witzig. Ich warnte sie, ihre Figur sei eine Mischung aus ihr selbst und mir. Das beruhigte sie. Und Agathe gewinnt im Laufe der Handlung an Menschlichkeit. Isabelle endet als verlorene Frau, als Gefangene in ihrer eigenen narzisstischen Zelle. So wie Patrick hat auch Agathe ihre Gefühle ihrem Selbstbild geopfert, und beide können diese Wunde nicht heilen.“

Reden wir von den Schauspielern. Wie kamen Sie mit Benoît Poelvoorde aus?
Ich kenne seine Fantasiewelt und sein Einfühlungsvermögen, und ich habe einen guten Teil unserer persönlichen Beziehung in den Film einfließen lassen. Wir haben uns vor dem Schreiben des Drehbuchs ein paarmal getroffen, weil ich den Grundton von MEIN LIEBSTER ALPTRAUM an die Dynamik und die Atmosphäre unserer Begegnungen anpassen wollte. Zu Beginn des Films sollte sich seine Undurchsichtigkeit paradoxerweise gerade aus dem scheinbaren Fehlen jeder Tiefe, jedes Geheimnisses entwickeln – „what you see is what you get“, nichts ist verborgen oder wird zurückgehalten. Und man würde sich ihm gegenüber verhalten wie Agathe, die am liebsten weglaufen würde und heimlich hofft, es möge aufhören.

Aber Patrick wird von Benoît gespielt, und das ändert alles! Ein anderer Schauspieler hätte womöglich nicht andeuten können, dass dieser Mann eine tiefe Verletzung in sich trägt, die nach und nach zum Vorschein kommt und unser Mitgefühl weckt. Es ginge nur noch um die Mechanik der einzelnen Gags, die mich überhaupt nicht interessiert. Ich mag menschliche Komödien, in denen Darsteller mit ihrer Wahrhaftigkeit die Ambiguität ihrer Figuren in den Mittelpunkt stellen. Ohne Benoît hätte ich den Film gar nicht erst geschrieben. Dasselbe gilt für Isabelle Huppert, der es rein gar nichts ausmachte, am Anfang des Films unglaublich unfreundlich zu erscheinen.“


Studio / Verleih / Bild- und Textnachweis: Concorde Filmverleih, mg.incine.fr

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