ANTICHRIST

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Das thematisch Blutrünstigste und dramaturgisch Schockierendste, was Cannes und das Kino bisher zu bieten hatte!

ANTICHRIST

Das Filmfestival an Frankreichs Côte d’Azur ist immer für Skandale und eine Polarisierung gut. Im Jahr 2009 sorgte speziell der Film ANTICHRIST, des dänischen Regisseur Lars von Trier (u.a. MELANCHOLIA, NYMPHOMANIAC) sowohl für Aufruhr und Ablehnung als auch für Lob und Respekt.

Jedoch nicht nur an diesem Beitrag teilen sich die Meinungen und Ansichten, auch andere, namenhafte Regisseure hinterließen 2009 in Cannes einen eher zwiespältigen, filmischen Eindruck. Da laufen Bilder in einer Choreografie des Grauens über die Kinoleinwand,  bei dem sich der geneigte Zuschauer fragt: „Was will uns der Künstler damit zeigen?“

Unter anderen der Film DURST, der Wettbewerbsbeitrag des koreanischen Regisseurs Chan-Wook Park. Es ist die übergeschnappte Mischung aus Vampir-und Seuchenfilm in Kombination mit einem Liebesdrama. Die Handlung ist so simpel wie platt:

Ein Priester wird infiziert, mutiert zum Vampir und hat -endlich- auch Sex. Dass darin viele Menschen sterben müssen, erklärt sich dramaturgisch von selbst! Aber dabei geht es richtig zur Sache: Korkenzieher werden in Herzen gedreht, Wirbel zerbrochen, literweise Blut verspritzt, Glieder zerquetscht und das ganze Szenario ist untermalt von einem dazu passenden 1A-7 Kanal-Digitalton…!

Also Horrorvom „Feinsten“? Extreme und geballte Gewalt und eine Zumutung im bestimmt nicht „besten Sinne“ – in jedem Fall!

Und „Tut das wirklich not?“ würde wohl die Comic-Figur „Werner“ aus dem gleichnamigen Zeichentrickfilm fragen. Ebenfalls nix für schwache Nerven, wenn auch auf einer anderen Ebene, ist Quentin TarantinosINGLOURIOUS BASTERDS, der ebenfalls in Cannes 2009 Premiere hatte…

ANTICHRIST, ein schrecklicher oder ein erschreckender Film?

Ebenfalls gut platziert in der Filmreihe des Schreckens, ist Lars von Triers ANTICHRIST (nicht zu verwechseln mit Friedrich Nietzsches „DER ANTICHRIST“). Analog zu Chan-Wook Park, Quentin Tarantino oder Jacques Audiard, mit seinem Gefängnis-Drama DER PROPHET, gelingt es dem dänischen Filmemacher das Publikum und die Kritiker gleichermaßen entsetzt in den Kinosesseln zurück zu lassen.

Wer jedoch glaubt, es gäbe bei Lars von Trier keine paranoide Steigerung – der irrt!

Er setzt mit seinen Bildern, die buchstäblich die ganze Leinwand ausfüllen und den Zuschauer verstören, dem Wahnsinn noch nach: Gainsbourg schneidet sich mit einer Schere die Klitoris ab…!

(Anmerkung der Redaktion: „Mein Gott, wie krank muß man(n) im Kopf sein…um soetwas auf die Leinwand zu bringen!“) Das ANTICHRIST das Produkt einer tiefen Depression von Trier sein soll – glaube ich unbedingt!!

ANTICHRIST, Filmkritik

Das schnell gelangweilte, ungeduldige Publikum in Cannes zu schocken und sprachlos zu machen, das schaffen nur Wenige.

Lars von Trier ist dieses „Kunststück“ gelungen. Das Drama/Horror-Werk ANTICHRIST soll das Ende eines Paares, das Ende des Geschlechterkampfes zeigen. Aus meiner Sicht stellt er vor allem das Ende der Menschlichkeit und die absolute Grenze der cineastischen Zumutbarkeit dar.

ANTICHRIST ist die wahre Apokalypse – im Besonderen für den Kinobesucher! Mel Gibsons DIE PASSION CHRISTI oder reine Horrrorfilme, wie SAW sind bild-und tontechnisch dagegen eher als „harmlos“ einzustufen.

„Der Film diente mir als Therapie“ – gesteht der Meister des Streifens. „Es ist ein Horrorfilm, und es gibt tonnenweise Blut, aber ich hoffe, dass der Horror auch noch auf einer tieferen Ebene sichtbar wird. Ich musste herausfinden, ob ich überhaupt noch Filme machen kann, ob ich es schaffen würde die große Depression, die fast unkontrollierbaren Zwangsvorstellungen, die mich in den letzten zwei Jahren plagten, noch einmal zu besiegen“, antwortete Lars von Trier bereitwillig auf die Frage nach der Entstehung des Films.

Nun muss das Publikum versuchen, dieses deftige Stück zu verarbeiten. Denn wie der Macher bereits selbst konstatierte: „Wenn ich Koch wäre, wäre das ein Schweinebraten.“

Na dann, „Mahlzeit“ Herr von Trier! Oder sollte dieser kranke Geist nicht doch lieber zurück auf die Couch seines Therapeuten?!

Denn was dem ANTICHRIST meiner Meinung nach völlig abhanden gekommen ist, ist der gesunde, notwenige aber nicht vorhandene Abstand des Regisseurs zum Geschehen. Der künstlerische Anspruch und nicht zu Letzt, der moralische Filter für diese vordergründige Bestialität.

Das angesehene US-Magazin „Variety“ schreibt zum Film:“… es sei ein tolles „Date Movie“ für Sado-Maso-Paare!“

Also dann doch lieber nur ein bisschen Til Schweigers PHANTOMSCHMERZund dazu Schweinebraten – well done…

ANTICHRIST, Filminhalt

Das zwei Personen Stück teilt sich in 3 Kapitel: Trauer, Schmerz und Verzweiflung.

Zu Beginn sieht man Willem Dafoe (u.a. EIN LEBEN FÜR EIN LEBEN, DER ENGLISCHE PATIENT) und Charlotte Gainsbourg (u.a. 21 GRAMM, LES MISÈRABLES) in einer halbpornographischen Liebesszene, während eine traurige Frauenstimme Händels „Rinaldo“ interpretiert.

Zeitgleich zum Orgasmus stürzt ihr kleiner Sohn aus dem Fenster. Der Aufschlag des kleinen Körpers gleicht auf der Leinwand einer Explosion aus Schnee und Blut…

Was folgt ist Trauer und Verarbeitung. Um die Depression der Mutter zu überwinden, zieht das Paar nach diesem traumatischen Schicksalsschlag in eine abgelegene Waldhütte.

Während ihr Mann, von Beruf Therapeut, versucht die Panikattacken und die Zusammenbrüche seiner Frau mit Rollenspielen zu überwinden, (ent)gleiten Beide jedoch immer mehr in eine Wahnwelt, die letztendlich ihr Leben bzw. den ganzen Film bestimmt.

Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich Charlotte Gainsbourg, die diese Rolle aus Verlorenheit und urwüchsiger Aggression hervorragend spielt, dann zum halbnackten, mörderischen Hexenwesen.

Am Ende des Kinoalbtraums zertrümmert sie das Geschlechtsteil ihres Mannes…mit einem Holzscheid…!


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: MFA (24 Bilder), Zentropa Entertainments

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1 Kommentar zu ANTICHRIST

  1. Ich bin es leid, dass psychisch gestörte, traumatisierte Regisseure ihre Filme als Therapie missbrauchen (damit auch die Darsteller für ihre kranken Phantasien missbrauchen) um ihre Psychosen auszuleben. Wenn interessieren die Psychosen irgend eines Mannes? Soll zum Psychologen gehen ! Wenn ich was dagegen tun könnte, würde ich den Leute, die dafür verantwortlich sind, dass dieser L.V.T so viele Preise kriegt, ins Gewissen reden, damit sie verstehen, dass so ein kranker Mensch andere mit in den Sumpf ziehen kann. Es gibt Leute, die kriegen von solch kranken Filmen Angstzustände und Depressionen..all das was der Regisseur ja alles in seiner Kindheit gehabt hat, aber doch kein Zuschauer mit nach Hause nehmen möchte. Meiner Meinung nach ist doch ein Film zur Unterhaltung da, dass man sich danach besser fühlt oder zumindest das Denken anregt und moralische, gute Werte weitergibt.
    Ich bin es wirklich leid und hoffe ich kann irgendwann mal was gegen dieses Phänomen: kranke Regisseure werden bekannt durch kranke Filme…aufhalten !!

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