KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE

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Michael Moore’s Dokumentation KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE wirft einen ironisch-komödiantischen Blick auf den politischen wie unternehmerischen Blödsinn den die Finanzmärkte anrichten und was dann den kleinen Leuten auf der Strasse mehr als unverdaulich im Magen bzw. auf den Konten liegt.

KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE

Wie sagte die Kanzlerin in einer Gesprächsrunde mit führenden Wirtschaftsunternehmen so treffend: „Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber würden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst…“!

Tja – der Humor ist zumindest Angela Merkel nicht verloren gegangen!

Für den bekanntermaßen nicht konfliktscheuen Filmemacher Michael Moore indes, gilt die derzeitige Finanzkrise als der größte Raubzug in der Geschichte weltweit. Der kritische Zeitgeist, der während der Präsidentschaft von George W. Bush für den Film FAHRENHEIT 9/11 die begehrte Goldene Palme in Cannes bekam, schickte bei den Filmfestspielen Venedig seine mit viel Spannung erwartete dokumentarische Antwort auf die drängenden Fragen des Weltgeschehens deshalb in den Wettbewerb um die Filmpreise.

Eine Liebesgeschichte in Venedig !

Das sich solche Größen des Filmgeschäfts wie Michael Moore oder Fatih Akin, die ihre Filme sonst auf anderen entsprechenden Events präsentieren, für Venedig entschieden haben, zeigt zudem den hohen Stellenwert, welches das Festival in der italienischen Metropole inzwischen eingenommen hat. Somit konkurrierte eine Liebesgeschichte der besonderen Art erstmals mit den Teilnehmern des eher unterhaltenden Kinos um den Preis des „Goldenen Löwen“.

Kapitalismus – eine Liebesgeschichte ?

In der Dokumentation KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE (Originaltitel: Capitalist: A Love Story) stellt Moore die USA im Zeitalter von wirtschaftlichen und „Pleiten, Pech und Pannen“ auf den Prüfstand einer subjektiven Analyse. „USA TODAY“ gegenüber äußerte er sich wie folgt zu diesem Thema:

„Es gibt von allem etwas: Luxus, Leidenschaft, Romantik und den Verlust von täglich 14 000 Arbeitsplätzen. Dieser Film wird keine Lektion in Ökonomie, sondern eher ein Vampir-Film. Nur, dass sich die Hauptakteure nicht am Blut ihrer Opfer weiden, sondern an ihrem Geld. Und, wie es aussieht, bekommen sie nie genug davon.“

Und bereits in ROGER  & ME rückt Michael Moore die bizarren Auswüchse der kapitalistischen Geschäftswelt ins grelle Scheinwerferlicht der Wahrheitsfindung. Die ironischen Seitenhiebe auf Roger Flint, den damaligen General Motors-Chef, der golfspielend Arbeitslosen solch sarkastische Tipps gibt wie: „Get a job“ oder „This is a great chance to start all over again“, waren schon zu diesem Zeitpunkt bissig, entlarvend und machten Moore legendär.

Durch dramaturgisch gut angesetzte Schnittfolgen in ROGER & ME verbindet Moore die Schicksale der delogierten Ex-Mitarbeiter aus seinem Heimatort Flint, mit denen der Konzernchefs von Genreal Motors sowie allmächtiger Gewerkschaftsbosse. Dabei kommt es zu Szenen, bei denen Roger Smith, während seiner Weihnachtsrede vor der Belegschaft, an die Warmherzigkeit der Menschen appelliert und zur selben Zeit die Leute aus ihren Häusern gehen müssen.

Nicht zuletzt durch diesen unkonventionellen und fast revolutionären Filmstil wurde Michael Moore damit zu einem der bekanntesten Filmemacher in der Neuzeit der Dokumentarbranche. Zwanzig Jahre später steht General Motors, in der Dokumentation KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE, erneut im Brennpunkt der Aufmerksamkeit…und die Geschichte scheint sich auf sarkastische Weise zu wiederholen!

KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE, Filminhalt

Nach BOWLING FOR COLUMBINE und SICKO versucht Michael Moore die Ursachen der globalen Finanzkrise und deren  Auswirkungen auf jeden Einzelnen von uns aufzuzeichnen. Ja, der Filmemacher hat augenscheinlich sein Herz für diejenigen entdeckt, welche die aktuelle Finanzkrise und das Waterloo an den Börsen verursacht haben.

Aber Michael Moore wäre nicht „Moore“, wenn er in diesem Zusammenhang nicht mit einer besonders delikaten und ironischen Werbebotschaft für seinen Film aufmerksam machen würde: Es ist ein Spendenaufruf an die Menschen seines Landes, in dem er für die Vorstände diverser US-Banken auf seiner Webseite www.michaelmoore.com wirbt und für sie um eine „milde Gabe“ bittet!

Damit kehrt der Filmemacher zu der entscheidenden Frage zurück, mit der er 1989 bzw. mit ROGER  & ME, seine Karriere in diesem Genre bereits eingeleitet hat: „Welche Auswirkungen hat das desaströse Verhalten von Großunternehmen und ihr ungebändigtes Profitstreben auf das Leben der Menschen?“


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Concorde Film

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