THE KING’S SPEECH

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Freundschaften, welche ein Leben lang halten entstehen oft, wenn es am wenigsten erwartet wird!

THE KING’S SPEECH

Das Drama THE KING’S SPEECH ist ein schön ausgestattetes Werk mit toller, schauspielerischer Leistung, das nahezu spielerisch einen philosophischen Exkurs über das hohe Gut der Sprache bietet. Der britische Streifen wurde in zwölf Kategorien des wichtigsten Filmpreises der Welt nominiert…

Albert Frederick Arthur George

Eigentlich könnte Albert Frederick Arthur George (geboren 1895 in Sandringham) alles egal sein: Er ist der zweitgeborene Sohn des autoritär herrschenden King George V. und wenn seinem charismatischen Bruder Edward VIII. im Laufe der Geschichte nichts Unvorhergesehenes zustößt, wird dieser den englischen Thron übernehmen.

So ehelicht am 26. April 1923 Albert Frederick Arthur George, Prinz von York, Lady Elizabeth Bowes-Lyon (Neunte von zehn Kindern des 14. Earl Of Strathmore And Kinghorne und die bekanntermaßen als „Queen Mother“ 2002 im gesegneten Alter von 101 (!) stirbt).

Von Beginn an war es eine Liebesheirat und in ihrer Ehe werden zwei Töchter geboren: Im Jahr 1926 kommt Elisabeth, die spätere Elisabeth II. – Königin von Großbritannien und Nordirland, auf die Welt, vier Jahre später Margaret, die im gleichen Jahr wie ihre Mutter, jedoch mit nur 71 Jahren, von dieser Welt geht.

George VI.

Und mit den Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten: Nachdem am 20. Januar 1936 George V. an Demenz stirbt und sich sein erstgeborener Sohn Edward VIII., der rechtmäßige Thronfolger, nicht standesgemäß in eine Bürgerliche verliebt, diese sogar heiraten möchte, müssen die Karten neu gemischt werden.

Faktisch über Nacht wird aus dem Prinzen von York das neue Oberhaupt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien, Nordirland sowie das Oberhaupt des Commonwealth, kurzum King George VI.

Albert Frederick Arthur George – ein wahrer König

Obwohl sich Albert Frederick Arthur George in keinster Weise nach dem Thron sehnte, gelang es ihm trotz aller Schwierigkeiten, insbesondere was sein Stotter-Problem betraf, die Zuneigung des Volkes zu gewinnen. Auch George‘s Entscheidung während der Bombardierung Londons nicht mit seiner Familie in ein sicheres Land zu flüchten, hob das Ansehen der gesamten Familie Windsor. Somit entstand erst mit seiner Regentschaft die große Popularität der britischen Monarchie, welche bis in die Neuzeit fast unerschütterlich blieb.

Georg VI. starb am 6. Februar 1952. Er ist in Windsor begraben.

THE KING’S SPEECH – im Kino

England, 1925: In London findet die British Empire Exhibition statt. Eine Kolonialausstellung deren erklärtes Ziel es ist, die Aktivierung des Handels zwischen den Kolonien und die Festigung der Verbindungen zum Mutterland voranzubringen.

Als bahnbrechende technische Weltneuheit wird die Abschlussrede im Wembleystadion nicht nur vor tausenden Zuschauern gehalten, sondern auch im Rundfunk live übertragen.

Jedoch George VI. -im Volksmund Bertie- genannt, der diese halten soll, hat ein Problem: Er ist nicht fürs Reden geboren, kein Naturtalent, das nur vor die Mikrofone treten braucht, um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Bertie stottert – und das ganz fürchterlich.

Gnadenlos wird jedes Wort mit einem fiesen Echo unterlegt: The…The…und mit noch mehr Hall, The…dem eigentlich „King Of England“ folgen sollte. Ein Alptraum nicht nur für ihn, auch für die ganze, englische Nation, die zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ein starkes und souveränes Staatsoberhaupt an ihrer Seite so dringend bräuchte.

THE KING’S SPEECH, Filmkritik

Unbestritten findet der Regisseur Tom Hopper (ELIZABETH, JOHN ADAMS) in THE KING’S SPEECH das richtige Lot aus Tragik und Komik.

Er zeigt psychologisches Einfühlungsvermögen für einen Mann, der wie kaum ein Anderer das Herz der Briten in schweren Zeiten zu erobern vermochte. Dennoch und hier kommt das kleinere „Aber“: Leider habe ich ein ausgeglichenes Maß an Psychologie und historischem Hintergrundwissen vermisst – konzentriert sich der Film aus meiner Sicht zu augenscheinlich auf einen kleinen, menschlichen Makel.

In Anbetracht das mich THE KING’S SPEECH zudem in einigen Passagen -sowohl von der Machart als auch dem gezeigten Humor- allzu oft an die englische Familienserie nach den autobiografischen Erzählungen von James Herriot DER DOKTOR UND DAS LIEBE VIEH (1977-1990) erinnerte, scheint mir deshalb die Vielzahl an Oscar-Nominierungen als –  to much…

Zudem trumft THE KING’S SPEECH auch in Punkto historischer Wahrheit mit einigen Freiheiten auf, die eigentlich hätten so nicht sein müssen: Unter anderem die Szene, in der die Kirche versucht, direkt auf königliche Entscheidungen Einfluss zu nehmen bzw. in die Etikette „reinzuquatschen“. Selbst die  Schlüsselszene bei der dem Zuschauer ein Gespür vermittelt wird, wie lang drei Minuten -insbesondere während einer Rede- sein können, hat es so nie gegeben.

Diese drei Minuten im Zuge der Radioansprache, in denen der Zuschauer zusammen mit Bertie bangt und hofft und wobei aus einem stotternden, von Selbstzweifeln geplagtem Mann, ein selbstbewußter, strahlender König wird, jenen Moment hat es indes tatsächlich, aber zu einem viel früheren und anderem Anlass gegeben.

Die historischen Fakten sind: Die Wohnung in der Harley Street, in der Logue praktizierte, lag in einem bekanntes Medizinerviertel und war demzufolge auch kein morbides, verräuchertes Loch. Und – Albert überwand, nach nur zweijähriger Behandlung durch Logue, sein öffentliches Stottern nicht erst bei Kriegsausbruch, sondern bereits 1927 vor dem australischen Parlament in Canberra – außerdem hat Logue seinen berühmten Patienten auch nie „Bertie“ genannt…(einfach zu schön, um wahr zu sein!

Wie gesagt: Das Zentrum der Leistung des Films bildet in erster Linie das schauspielerische Zusammenspiel der Protagonisten Geoffrey Rush (MÜNCHEN, FLUCH DER KARIBIK) und ganz besonders Colin Firth (DER ENGLISCHE PATIENT, BRIDGET JONES), der mich schon als gereifter Mime in A SINGLE MAN absolut begeistert hat. Er stellt sich der Herausforderung, den sprachgehemmten Monarchen realistisch zu portraitieren, mit Brillanz und feinem, britischen Humor.

Nebenher gibt es ein paar interessante Ansätze zum Stand der damaligen, therapeutischen Methoden zu bestaunen – jedoch und wie gesagt nur wenige Einblicke in das englische Königshaus oder gar die Lebensweise der „kleinen Leute“ von London.

Fazit: THE KING’S SPEECH ist kein schlechter Film (aus 12 Nominierungen wurden schließlich 4 Oscar’s), doch mehr als ein artiger Knicks vor der Regie und dem Bühnenbild sowie ein besonders respektvoller vor den Protagonisten, ist von meinem Standpunkt aus – leider nicht ‚drin!

THE KING’S SPEECH, Filminhalt

Bertie und seine Frau (Helena Bonham Carter, u.a. ALICE IM WUNDERLAND und HARRY POTTER) versuchen alles Mögliche, um der Stotterei Einhalt zu gebieten. Nach anfänglicher, königlicher Skepsis wird der bekannte wie gleichermaßen fachlich-fragwürdige Logopäde Lionel Logue (Geoffrey Rush, u.a. SHAKESPEARE IN LOVE, MÜNCHEN) engagiert. Er soll helfen. Bald stellt sich jedoch die Frage, ob Lougue wirklich die richtige Wahl ist?!

Er ist ein Mann aus dem Volk, zudem Australier, jedem Standesdünkel abgeneigt und nennt den König von Anfang an beim Spitznamen. Aber der Autodidakt analysiert sehr schnell die Ursache für Bertie‘ s Stotterei: Sie ist in der übermächtigen Vaterfigur, in Persona des King George V., zu  suchen.

Fortan sieht man Logue und Bertie in Diskussionen vertieft durch die englische Parklandschaft wandeln, schaut zu, wenn sie in der Therapie wie Kinder um Schillinge „gaubeln“, lachen, streiten oder seine Majestät gar zum Rollen auf dem Teppich animiert wird. Natürlich werden sie dabei sowohl misstrauisch als auch gleichermaßen amüsiert vom Hofstaat, seinem Bruder David (Guy Pearce) und der Kirche beobachtet. Doch irgendwann führen die bizarren Entspannungsübungen bzw. die verbalen Schimpfkanonaden, die Lionel Logue dem König verordnet hat und welche mit aller königlichen Etikette brechen (we are not amused, zum Ziel, zum Reden ohne „steckenzubleiben“ – zu dem, was sein Volk von Bertie erwartet…


Studio / Verleih / Bild-und Bildnachweis: Senator Film

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