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WINTERDIEB

 WINTERDIEB
Kinovorschau - Filmkritik für WINTERDIEB
Geschrieben von am 29.10.2012
Gelesen: 5769 · Heute: 3 · Zuletzt: 22. Oktober 2014
Redaktionswertung: Post Rating 5 von 5 Sternen WINTERDIEB

Auf der Berlinale 2012 standen zwei Filme in der Gunst des Publikums ganz oben. Zum einen das DDR-Flucht-Drama BARBARA von Christian Petzold und zum anderen, man lese und staune, ein Schweizer Beitrag: Der Film WINTERDIEB (Originaltitel: L‘ enfant d’en haut / engl. SISTER ). InhaltWINTERDIEBWINTERDIEB, nicht neu, aber gut gemachtWINTERDIEB, FilmkritikWINTERDIEB, BilderWINTERDIEB, Filminhalt WINTERDIEB Der […]

Regie: Ursula Meier - Drehbuch: Antoine Jaccoud, Ursula Meier, Gilles Taurand
Produzent: Ruth Waldburger, Denis Freyd
Darsteller: Kacey Mottet Klein, Léa Seydoux, Martin Compston, Gillian Anderson, Jean-François Stévenin, Magne-Håvard Brekke u.a.
Genre: Drama / Komödie
Filmproduktion: Schweiz / Frankreich, 2011
Kinostart:
Musik: John Parish
FSK: 12 - Laufzeit: 100 Min.
Trailer: WINTERDIEB
VN:F [1.9.22_1171]
Ihre Filmwertung:
Rating: 8.8/10 (11 votes cast)

Auf der Berlinale 2012 standen zwei Filme in der Gunst des Publikums ganz oben. Zum einen das DDR-Flucht-Drama BARBARA von Christian Petzold und zum anderen, man lese und staune, ein Schweizer Beitrag: Der Film WINTERDIEB (Originaltitel: L‘ enfant d’en haut / engl. SISTER ).

WINTERDIEB

Der Film WINTERDIEB (welch’ sinnige, deutsche “Filmtitel-Übersetzung” ist eine gelungene Mischung aus Sozial-Drama und Komödie, in der die französisch-schweizerische Filmemacherin und Schauspielerin Ursula Meier Regie führte. Nach HOME ist WINTERDIEB zudem der zweite Kinofilm, mit dem sie auch international einen Achtungserfolg erzielen konnte.

WINTERDIEB, nicht neu, aber gut gemacht

Ursula Meier siedelt die Geschichte, die mit einem überraschenden und nicht zu erwartenden Ende einher kommt, in einer Alpen-Touristenhochburg an. Die zentrale Figur ist der street-smarte Simon, gespielt von Kacey Mottet Klein. In der Rolle eines wortwörtlichen Klein-Ganoven glaubt dieser, einen Weg gefunden zu haben, seine prekären sozialen Lebensverhältnisse mit Diebstählen etwas zu mildern.

Das Konzept, welches einsam-melancholische Kinder als traurige Helden auf Kriegsfuß mit einer mitleidlosen Welt in den Fokus rückt, hat besonders im französischsprachigen Kino eine große Tradition. In jüngster Vergangenheit fällt mir dazu das Drama DER JUNGE MIT DEM FAHRRAD ein, dass seinen Protagonisten auf einen abenteuerlichen Reifeprozess schickt.

Und auch in Ursula Meiers Film WINTERDIEB ist es ein kleiner Gangster-Junge, der für sein Alter weit über sich hinauswachsen muss.

WINTERDIEB, Filmkritik

Ursula Meiers raues Jugenddrama WINTERDIEB zeigt faszinierend das zwiespältige Bild eines Heranwachsenden, der zwischen Kleinkriminalität und der nicht erwiderten Zuneigung seitens seiner Mutter zerrissen wird.

Und der fantastisch reif spielende, erst 12 Jahre junge Kacey Mottet Klein eroberte damit die Sympathien des Publikums im Sturm, weil er seine arglistige Profession nicht willkürlich einsetzt, sondern schlicht ums Überleben und seinen Platz im Leben kämpft.

Unterstützung erhält Kacey Mottet Klein neben Hollywood-Prominenz Gillian Anderson (Akte X, MR. MORGAN’S LAST LOVE) durch die junge Französin Léa Seydoux. Sie mimt perfekt eine von ihrem Leben Getriebene. Dies schafft Léa Seydoux in ihrem Part zudem so brillant, dass der Zuschauer es ihr regelrecht wünscht, einen Weg zu finden, endlich aus der Tristesse und Verantwortungslosigkeit auszubrechen…

Fazit: Großes Schweizerisches Kino, prämiert mit einem “Silbernen Bären”, das meiner Ansicht nach durchaus in die Nähe des absoluten Programmkinoerfolgs ZIEMLICH BESTE FREUNDE kommt.

WINTERDIEB, Bilder

WINTERDIEB, Filminhalt

Simon fährt in den Wintermonaten jeden Tag mit der Seilbahn vom Industriegebiet im Tal, wo er in einem unwirtlichen Hochhaus mit seiner jungen Mutter und seiner großen Schwester Louise (Léa Seydoux, u.a. MIDNIGHT IN PARIS) lebt, in das Skigebiet für die Reichen und Schönen.

Dort angekommen, mit Skibrille und -helm bis zur Unkenntlichkeit getarnt, macht er sich an sein Tagewerk: Simon klaut den Touristen die unachtsam abgestellten Ski- Ausrüstungen, um sie anschließend an die Kinder seines Wohnblocks zu verkaufen.

Aber das macht Simon nicht, damit er sich diverse Luxusartikel kaufen kann, vielmehr bezahlt er von dem Erlös des Diebesguts die eher banalen Dinge des Lebens wie Lebensmittel und das Toilettenpapier oder hilft seiner Schwester Louise, die vor kurzem ihren Job verloren hat, damit aus der Patsche.

In selbiger steckt diese offensichtlich häufig und eine gewisse Hoffnung auf bessere Zeiten kommt nur durch ihre rasch wechselnden Männerbekanntschaften auf. So hat sich Simon inzwischen daran gewöhnt, die Verantwortung für die kleine Familie zu tragen und geht routiniert-raffiniert seinen täglichen Gaunereien nach.

Als ihn Hilfskoch Mike (Martin Compston, THE PRAYER) erwischt, wie er das Restaurant als Lager für sein Diebesgut missbraucht, hat er fortan einen Mitwisser, der zudem die Hände aufhält.

Und nachdem Louise auch noch mit allem Ersparten eines Tages verschwunden ist, steht Simon vor der Pleite und muss das Risiko erhöhen…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: filmcoopi, ARSENAL

WINTERDIEB, 8.8 out of 10 based on 11 ratings

WINTERDIEB Trailer

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Eine Antwort zu “WINTERDIEB”

  1. Martin Zopick am 30.11.2012 um 12:59

    Der zweite Film von Ursula Meier ist durchdachter und daher auch eindrucksvoller als ihr Erstling!

    Der 12jährige Simon, der unten im Tal in einem seelenlosen Hochhaus wohnt, fährt ins Skigebiet hinauf auf den Berg und klaut den reichen Touristen ihre Ausrüstung. Damit verdient er für sich und seine ‘Schwester‘ Louise den gemeinsamen Lebensunterhalt. Diese Ausgangssituation wird dramaturgisch gesteigert durch diverse Probleme, die der Job für Simon mit sich bringt. Gleichzeitig erhöht aber auch die menschliche Seite der Geschichte ihre Schlagzahl. Louise gesteht, dass für sie Simon seit 12 Jahren ein Klotz am Bein war. Zweifel an dem angeblichen Bruder-Schwester Verhältnis kommen auf.

    Hier liegt die Stärke des Films. Während Simon unter der Einsamkeit leidet und erst am Ende unter Tränen seine verletzte Seele offenbart, ist Louise alles andere als eine Mutter. Diese Rolle hat sie immer schon abgelehnt und dabei bleibt es auch. Meier schildert auch Ansätze der Verwahrlosung des sonderbaren Pärchens. Die lokale Differenz von unten (wo die Armen wohnen) und oben (die Reichen) ist eine ebenso geistreiche Facette wie das Ende: Simon und Louise in zwei gegenläufig fahrenden Gondeln. Die Welt der Reichen wird kurz aber eindrucksvoll von Gillian-Akte-X- Anderson verkörpert.

    Fazit: Plot und Schauspieler überzeugen. Das wunderschöne, winterliche Panorama dient als Kontrast zum menschlichen Drama.

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