DAS FINSTERE TAL

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Once Upon A Time in den österreichischen Alpen: Thomas Willmann hatte mit seinem Roman-Debüt DAS FINSTERE TAL einen Riesenerfolg. Jetzt wurde der Thriller aus dem Südtiroler Kurzras verfilmt.

DAS FINSTERE TAL – ein Ösi-Western im Schnee?

Die Eroberung der Weite, das Überschreiten von Grenzen, Abenteuer im Wilden Westen und der Kampf zwischen Gut und Böse – Mann gegen Mann. Der Western hat eine lange Tradition, die bis an die Anfänge der Kinogeschichte und fast bis in die Zeit des wahren „Wilden Westens“ zurückreicht.

Die grundlegenden Motive kehren dabei immer wieder und werden auch in unserer heutigen Zeit noch oft als Stilmittel genutzt. Das Genre selbst hat eine geradezu mythologische Komponente und ist Teil der DNA des Kinos, selbst wenn die große Zeit der Western längst vorbei ist.

Die Liste des „Western im Schnee“, zu dem in gewisser Weise auch Andreas Prochaskas DAS FINSTERE TAL gehört ist lang – wobei sich trefflich darüber diskutieren lässt, wie viel Schnee und wie viel Western es in einem Film geben muss, damit er sich Schneewestern nennen darf. Gehört z. B. TRUE GRIT mit seinem nicht immer verschneiten Setting dazu? Kann man den durchgängig vereisten FARGO als Western bezeichnen und wie verhält es sich mit Alaska-Abenteuern wie WOLFSBLUT?

Zeifellos gehören sie dazu, denn in all diesen Filmen ist der Winter eine Naturgewalt, die den Western kälter, härter und unbarmherziger macht – und die ihm eine bis heute aufregende Dimension hinzufügt. Deshalb steht auch Andreas Prochaskas „Western“ DAS FINSTERE TAL in dieser großen Tradition und ist gleichzeitig eines der aufregendsten historischen Kapitel aus der unmittelbaren geographischen Nachbarschaft.

DAS FINSTERE TAL

Bereits Thomas Willmanns Romanvorlage bewältigt meisterhaft das Genre bzw. den Stil von Western und Heimatroman. Ein Grund dafür: Der Autor vermied es, in das dabei oft lauernde Kitsch-Fettnäpfchen zu treten.

So lebt die raffiniert geschriebene Alpengeschichte auch in erster Linie von der Stilisierung ihrer Figuren und nicht von einem Bilderbuch-Alpenleben a la Luis Trenker. Zudem klingt immer etwas Selbstironie mit, die jedoch nie komödiantische Züge annimmt:

Zunächst heißt er nur „Der Fremde“. Wir sehen ihn auf einem Pferd in die Berge reiten. Bis Mittag will er sein Ziel erreichen, ein Dorf im Hochtal, von dem kaum jemand weiß. Ein Bild auf Großleinwand: Wie ein Westernheld schreitet er durch einen schmalen Felsenkessel ein, gehüllt in einen hellen Staubmantel, dazu ein Paar ausgetretene Lederstiefel. Thomas Willmanns DAS FINSTERE TAL startet geradezu cinemaskopisch. Im Hintergrund wäre Musik vorstellbar – umschmeichelnd, bedrohlich.[ ]

Also warum nicht einen Kinofilm daraus machen – dachte sich wohl auch der 1963 in Wien geborene Filmregisseur und Drehbuchautor Andreas Prochaska und versammelte für seinen Film DAS FINSTERE TAL einen außergewöhnlichen Cast vor der Kamera.

DAS FINSTERE TAL, Besetzung

Um nur Einige zu nennen: Der Brite Sam Riley (ON THE ROAD, RUBBELDIEKATZ), der Österreicher Tobias Moretti (JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN) und die deutschen Schauspieler Clemens Schick (DU HAST ES VERSPROCHEN), Paula Beer (POLL, LUDWIG II) sowie Hans-Michael Rehberg (DIE WAND).

DAS FINSTERE TAL, Kinostart

Kinostart ist der 13. Februar 2014. Gedreht wurde DAS FINSTERE TAL an 44 Tagen, verteilt auf einmal sechs Wochen im Winter und noch mal zwei Wochen im Frühjahr.

Dabei war eine der schwierigsten Szenen des gesamten Drehs nicht die im Winter und mit Schnee, erklärt Helmut Grasser. „Die ärgste Szene war jene mit dem Schlamm. Das war einfach ein Horrordrehtag. Es durfte an diesem Tag auf keinen Fall schneien, weil die Szene im Herbst spielen sollte. Es durfte also nur regnen – aber dann fing es in Kübeln an zu schütten, worauf dann doch der Schnee fiel.

Es war ein Elend unter diesen Bedingungen zu arbeiten, aber die Bilder, die wir dadurch bekommen haben, waren grandios. Das, was wir da an sichtbarer Stimmung und Unwirtlichkeit für die Leinwand bekommen haben, hätten wir uns im Nachhinein, in der Postproduktion, niemals leisten können…“

DAS FINSTERE TAL, Filmkritik

Dem kann ich nur zustimmen, denn die Mischung aus Drama, Thriller und ja, auch einem Schnee-Western, ist absolut genial fotografiert.

Bereits nach wenigen Minuten ist der Zuschauer mitten im Zeitgeschehen, spürt förmlich die Kälte des Winters und den harten Alltag der österreichischen Bergbauern in der damaligen Zeitepoche. Weshalb die FSK für DAS FINSTERE TAL allerdings eine „12“ vergeben hat, ist mir persönlich schleierhaft? Die Bilder der Handlung sind stellenweise an der aushaltbaren Schmerzgrenze des Zuschauers und ein Vergleich mit Tarantinos DJANGO UNCHAINED drängt sich förmlich auf.

Apropos: Neben einem durchweg brillant aufspielenden Schauspielemsemble, und da allen voran der wortkarge und dafür sehr ausdrucksvoll spielende Sam Riley, ist der einzige Kritikpunkt der Soundtrack. Hierbei sind es vorallem die gesungenen Stücke ganz am Anfang des Films und beim fuliminanten Showdown. An diesen Stellen sind wohl dem sonst ohne Fehl und Tadel arbeitenden Andreas Prochaska etwas die Pferde durchgegangen bzw. wusste er wohl nicht so recht, ob nun ARTHOUS-Zeitgeschichte oder durchkomponierter Genrefilm.

Fazit: Unterm Strich gesehen ist DAS FINSTERE TAL also nicht finster, sondern ein stahlender Stern am Filmhimmel bzw. großes Leinwandkino. Und nur wer hauptsächlich wegen der grandiosen Naturaufnahmen in den Film gehen möchte, sollte sich das angesichts der harten, weiteren Bilder noch einmal reiflich überlegen…

DAS FINSTERE TAL, Bilder

DAS FINSTERE TAL, Filminhalt

Herbst 1875 – ein Hochtal in den Alpen: Der Weg dorthin ist mehr ein halb verwitterter Fußsteig als eine einladende Strecke durch die beeindruckende Bergwelt. Dass dort so nah unter dem Himmel jemand lebt, ist Unten deshalb kaum mehr als eine halb vergessene Legende.

Es liegt bereits der Geruch von Schnee in der Luft, während der Fremde mit seinen beiden Pferden durch die schmale Kluft zwischen den Felswänden die Ebene erreicht.

Am Dorfeingang erwarten ihn bereits sechs Männer mit geladenden Gewehren und finsteren Minen. Hinter ihnen stehen die anderen und eingeschüchtert wirkenden Bewohner des Tals.

Der Fremde wird den Winter über hier bleiben und die sechs Söhne des Berner Bauern Greider werden es ihm gestatten – gegen gute Bezahlung.

Noch ahnen diese nicht, wer da gekommen ist, dass er ihr furchtbares Geheimnis kennt. Das Geheimnis ihres Vaters, der seit Menschengedenken Herr über das finstere Tal ist…

Doch was will der Fremde, der aus Amerika kommt? Er will Vergeltung – für alles…


Studio / Verleih / Text-und Bildnachweis: X Filme, [FAZ]

DAS FINSTERE TAL, 8.8 out of 10 based on 26 ratings

3 Kommentare zu DAS FINSTERE TAL

  1. Vergessen Sie nicht: „Leichen pflastern seinen Weg“ mit Klaus Kinski.
    Der Fremde reitet auf einem Pferd und nicht auf einem Maultier!

  2. Andreas Prohaska hat mit viel Gespür aus einem Mix aus Italowestern und Heimatdrama in Südtirol einen Alpenwestern gedreht. Es ist eine Freude zuzusehen. Die Darsteller sind authentisch, auch wenn einige wenige Elemente der Ausstattung dem Western entliehen wurden, ist diese stimmig, die Bewaffnung ist historisch korrekt, wenn Greider als Racheengel durch die schneebdeckte Landschaft reitet, und in dieser nach getaner Arbeit wieder entschwindet, fühle ich mich an „Pale Rider“ und „Django“ erinnert. Prohaska hat ganz bewußt keinen Hollywoodfilm gemacht, sondern ein neues Genre erschaffen, in dem er seine Protagonisten (ähnlich wie schon Sergio Leone) einer feindseligen Welt aussetzt, und sie in einer bedrückenden Atmosphäre zum handeln zwingt, ohne sich abgedroschener Klischees zu bedienen. „Das finstere Tal“ ist im großen und ganzen endlich mal ein gelungener österreichischer Film, der genau dort ansetzt, worum es eigentlich geht: Es ist ein Film, den ich gerne im Kino sehen möchte.
    (Richard Scaltro)

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