DER ALBANER

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Das Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken gilt bei Jungfilmern schon seit Jahren als „die“ Karriere-Chance. Solche Größen des Filmgeschäfts wie Doris Dörrie (DIE FRISEUSE, GLÜCK) oder Regisseur, Produzent und Schauspieler Til Schweiger (KOKOWÄÄH, KEINOHRHASEN 3) begannen hier ihre Laufbahn.

DER ALBANER

Der Gewinner des 32. Filmfestivals Max Ophüls Preis im Rahmen der Berlinale in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino 2011“ lautet diesmal: Johannes Naber mit dem Drama DER ALBANER (Originaltitel: Shqiptari).

Das subtiles Werk -über die Irrfahrten eines Albaners im wohlhabenden Deutschland- fand bei der sechsköpfigen Jury, die unter der Leitung von Dany Levy (u.a. MEIN FÜHRER, DAS LEBEN IST ZU LANG) stand, den nachhaltigsten Anklang.

DER ALBANER

Der Film erzählt auf eindringliche, konsequente und filmisch-besondere Art und Weise die Reise eines Albaners nach Deutschland und seinen verzweifelten Kampf, die Mitgift für seine große Liebe in seinem Heimatland aufzutreiben.

Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung seines Debüt-Kinofilms, der teilweise anrührend und sehr analytisch wirkt, hat es zehn Jahre gedauert, äußerte sich der 39-jährige Johannes Naber am Rande einer Pressekonferenz und zeigte sich über die Auszeichnung in seiner Dankesrede echt ergriffen.

Johannes Naber

Regisseur Johannes Naber, der ursprünglich aus dem Dokumentarfilm-Bereich (u.a. ANFASSEN ERLAUBT, DER ZWEIFEL) kommt, über seinen Film DER ALBANER: „Das erste Thema ist illegale Immigration. Das zweite Thema, das Land Albanien, seine Menschen und seine Kultur, kam erst später dazu.

Ich wollte eine Geschichte über Illegale erzählen. Warum kommen die zu uns nach Deutschland? Was treibt sie an? Wie müssen sie hier leben?

Nach seriösen Schätzungen leben im Moment über eine Million Illegale in Deutschland, also Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Eine Million Menschen, die arbeiten, essen, leben und sterben, ohne von irgendeiner Statistik erfasst zu werden oder irgendwo registriert zu sein. Und das im überregulierten Deutschland!

Diese Menschen unternehmen große Anstrengungen, von uns nicht wahrgenommen zu werden. Und es ist auch so: Niemand nimmt sie wahr. Höchste Zeit also, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen…“

DER ALBANER, Filmkritik

Auf den ersten Blick überzeugt der Film durch seine fast dokumentarische Herangehensweise.

Doch im Laufe der Handlung entwickelt sich DER ALBANER immer mehr in Richtung „Heimatfilm“ mit schön im Hintergrund drapierten Gebirgsketten und Enzian am Wegesrand. Insofern passt das schon zur Thematik von einem der in die Fremde zog, dort im kalten Berlin, in schlechte Gesellschaft geriet und mit schmutzigen Händen wieder in die vermeintlich heile Welt der Berge zurückkehrt.

Bei aller bemühter Glaubwürdigkeit in punto Story, verpasst der Regisseur jedoch schlichtweg die Chance, dem Film auch eine Magie eine Art Seele zu geben, was gute Filme nun mal ausmacht.

DER ALBANER, Filminhalt

Arben (Nik Xhelilaj) lebt zusammen mit seiner Familie in einem Dorf in den albanischen Bergen. Mit seinem Vater reist er regelmäßig als Gastarbeiter nach Griechenland. Das Geld, das sie dort verdienen, reicht gerade zum Überleben.

Als Arbens heimliche Liebe Etleva (Xhejlane Terbunja) von ihm schwanger wird, fordert ihr Vater zehntausend Euro für die Hochzeit. Arben verspricht, das Geld aufzutreiben.

Ohne Visum und Sprachkenntnisse reist er illegal nach Deutschland, von dem man sagt, dass hier die Tüchtigen noch belohnt werden. Dass dort niemand auf Menschen wie ihn wartet, muss er leidvoll erfahren: In einem Abrisshaus findet er einen Schlafplatz, bei einer Reinigungsfirma bekommt er Arbeit – für drei Euro die Stunde.

Doch das Geld reicht auch hier nicht. Eines Tages trifft er Slatko (Ivan Shvedoff), der ihn in eine Schlepperbande einführt.

Seine aussichtslose Lage zwingt Arben, seine Skrupel über Bord zu werfen. Eine Reise auf die Schattenseite des europäischen Traums, mitten unter uns. Dort, wo niemand hinsehen will, wo Einsamkeit und Materialismus regieren…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Zorro, Neue Schönhauser Film

DER ALBANER, 7.8 out of 10 based on 19 ratings

1 Kommentar zu DER ALBANER

  1. So ist es. Die Ausbeutung und die Diskriminierung macht „die Albaner“ zu Dieben und Gesetzesbrechern. In Griechenland profitieren wir bei der Olivenernte von ihnen und die Griechen feinden uns an wenn wir bessere Löhne bezahlen. Die Illegalität muss abgeschafft werden!! Überall in Europa, ansonsten ist „die Globalierung“ nur ein anderes Wort für „Skalverei“.

    Manfred Vollmer
    82229 Seefeld

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