RUHM

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Die Regisseurin und Grimme-Preisträgerin Isa­bel Klee­feld (DER TOD MEINES VATERS) verfilmte Daniel Kehlmanns Bestseller RUHM für die Kinoleinwand.

RUM

Die Dreharbeiten zu diesem interessanten Filmprojekt fanden in Köln, Zürich, Buenos Aires, Kiew, auf der Krim sowie in der Nähe von Cancun in Mexiko statt. Die Filmstiftung NRW unterstützte das Filmprojekt großzügig mit 1,28 Millionen Euro. Jedoch nicht nur die Höhe der Fördersumme für den Tragik-Komödie RUHM ist erwähnenswert, auch die hochkarätige Besetzung sowie das Team „im Hintergrund“  lässt bereits auf großes Kino schließen.

Isabel Kleefeld

Isabel Kleefeld, 1966 in Düsseldorf geboren, studierte Publizistik, Theaterwissenschaft und Politik.

Seit 1992 arbeitete sie als Regieassistentin an diversen, deutschen Kino- und Fernsehfilmproduktionen und ist langjährige Mitarbeiterin bei Sönke Wortmann. Bei der Filmproduktion SCHLUSS MIT LUSTIG führte Isabel Kleefeld 2001 erstmals selbst Regie und gibt mit dem Film RUHM, zu dem sie auch das Drehbuch schrieb, ihr eigentliches Kinodebüt.

Daniel Kehlmann

„Die Vermessung der Welt“ heißt der 2005 veröffentlichte und wohl bekannteste Roman von Daniel Kehlmann.

Das witzig-ironisch geschriebene Buch machte den damals erst 30-jährigen Münchner-Schriftsteller zum Bestseller-Autor. Und weil die darin enthaltene Doppelbiografie über Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß mehr fiktive und umschmückende Fakten als reale und trockene Wissenschaftsgeschichte beinhaltet, lesen sich die stolzen 300 Seiten des einfallsreichen und unterhaltsamen Romans tatsächlich weg wie nix.

Das diese lockere Mischung von schlaglichtartig beleuchteten Fakten, eigenen Einfällen und überlieferten sowie selbst erfundenen Anekdoten auch guten Filmstoff bietet, erkannte der Regisseur und Erfolgsproduzent Detlev Buck haarscharf. So wurde Kehlmanns erster Bestseller DIE VERMESSUNG DER WELT ebenfalls verfilmt.

Daniel Kehlmanns „Ruhm“

Auch Kehlmanns 2009er Geniestreich, der Roman „Ruhm“, ist trotz einer vielschichtigen und anspruchsvollen Geschichte kein schwergewichtiges Buch, sondern „eine genial-leichte Fingerübung“ – schreibt ein euphorisch Literaturkritiker.

Weiter im Text: „Der Autor zeigt in diesem Episoden-Werk auf unterhaltsame Weise, wie die zunehmende Virtualisierung durch moderne Kommunikationstechniken zum Wirklichkeitsverlust führen kann. In einer Welt, in der die Kommunikation über Computer, Internet und Handy läuft, verwischen sich allmählich die Grenzen zwischen Realität und Virtualität und damit laufen wir immer mehr Gefahr, unsere Identität zu verlieren.“

RUM, Filmkritik

Dem kann ich nur zustimmen! Und auch was die Regisseurin Isa­bel Klee­feld daraus gemacht hat, kann durchaus als ansehenswert gewertet werden. Klee­feld setzte die im Roman auf den ersten Blick eher verwirrende Story cineastisch geschickt-verständlich um. Dies gelang ihr wohl nicht zu letzt durch das hochkarätige Protagonistenensemble, die alesamt phantastisch spielen.

Für mich ist damit sowohl der Roman als auch die Verfilmung ein Highlight. Das wiederum ist bei der Masse an Kino-Adaptionen bei weitem keine Selbstverständlichkeit!

RUM, Besetzung

Kein Geringerer als der derzeit möglicherweise wohl beste, deutschsprachige Kameramann Rainer Klausmann (u.a. SOUL KITCHEN und DER BAADER MEINHOF KOMPLEX) waren ebenso am Set vertreten wie die Schauspieler Heino Ferch, Justus von Dohnányi (JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN) und die großartige Protagonistin Senta Berger (SATTE FARBEN VOR SCHWARZ).

RUM, Bilder

RUHM, Filminhalt

„Wir sind immer in Geschichten. Geschichten in Geschichten in Geschichten.

Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.“ (Zitat aus „Ruhm“)

Bereits die Romanvorlage bün­delt sechs aber­wit­zi­ge und be­rüh­ren­de Ge­schich­ten. Daraus ist ein beeindruckendes, cineastisches En­sem­ble­werk entstanden, das durchaus Parallelen zu Filmen wie BABEL oder 21 GRAMM beinhaltet.

Foto: NFP

– Der Elek­tro­in­ge­nieur Joa­chim (Jus­tus von Dohnányi) ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet in einer Firma, die für die Verwaltung und Zuweisung von Telefonnummern zuständig ist.

Obwohl er selbst aus der Branche kommt, kauft sich Joachim erst relativ spät sein eigenes Handy: Es dauert nicht lange, bis sich der erste Anrufer meldet. Aber das Gespräch gilt nicht ihm, sondern irgendeinem Ralf…

Foto: Martin Menke

– Der Filmstar Ralf  Tanner (Heino Ferch, (VINCENT WILL MEER) ist eitel.

Mehrmals am Tag googelt er seinen Namen, korrigiert den Wikipedia-Eintrag über sich und liest die Meinungen in Internetforen. Fast pausenlos klingelt das Telefon und zudem schaut er ständig, ob es neue Videoclips bei YouTube über ihn gibt.

Eines Tages stolpert Ralf über eine Videoaufnahme mit einem Imitator, der ihm wirklich zum Verwechseln ähnlich sieht. Außerdem entdeckt er einen Clip, der zeigt, wie ihn seine Freundin Carla in einer Hotelhalle ohrfeigt.

Kurz darauf beobachtet Ralf, wie ein Mann, der aussieht wie er, mit seinem Agenten Malzacher aus dessen Haus kommt. Vermutlich hat der Imitator seinen Platz eingenommen. Von einem Tag auf den an­de­ren wird er nicht mehr an­ge­ru­fen – ist Ralf  Tanner ein Niemand. Es ist so, als habe je­mand sein Leben an sich ge­ris­sen…

Foto: NFP

– Der Schrifsteller Leo Richter (Ste­fan Kurt, VIER MINUTEN), der Autor vertrackter Kurzgeschichten, hat seit ein paar Wochen eine neue Geliebte: Elisabeth (Julia Ko­schitz, DER LETZTE SCHÖNE HERBSTTAG) ist Ärztin und begleitet ihn auf einer Lesereise nach Lateinamerika.

Trotz ihrer Liaison möchte Elisabeth aber auf keinen Fall, dass er sie als Figur in einem seiner Bücher verwendet.

Leo’s berühmteste Geschichte handelt von einer alten Frau, die in die Schweiz reist, um von einer dort ansässigen Gesellschaft Sterbehilfe zu bekommen. Während seines Aufenthaltes in Lateinamerika bekommt Leo die Einladung für eine Journalistendelegation in ein Land mit einem diktatorischen Regime.

Er sagt ab und schlägt statt dessen vor, die Krimiautorin Maria Rubinstein einzuladen.

Foto: Martin Menke

– Maria (Ga­brie­la Maria Schmei­de, u.a. DAS WEISSE BAND und DIE FRISEUSE) springt kurz entschlossen für Leo ein – jedoch wird die Reise zum Albtraum.

Durch die Verstrickung von unglücklichen Umständen landet Maria ohne Geld, gültiges Visa und Verbindung nach Hause auf einem Bauernhof in Zentralasien…

Foto: NFP

– Ro­sa­lie (Senta Ber­ger) ist siebzig, als der Arzt bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium diagnostiziert.

Die Witwe, mit drei erwachsenen Töchtern, sucht Er­lö­sung bei einem Schwei­zer Ster­be­hil­fe­ver­ein. Sie vereinbart einen Termin und ruft ein Reisebüro an, um den Flug nach Zürich zu buchen. D

ie Angestellte rät ihr davon ab, ein One-Way-Ticket zu nehmen. Ihr Dasein erlischt jedoch kurz darauf ohne Todeskampf, von einem Moment zum nächsten, als…

Foto: NFP

– Zu guter letzt: Moll­witt (Axel Ra­nisch, WIE MAN LEBEN SOLL) ein Blog­ger, der seine Arbeit bei einer Telefongesellschaft vernachlässigt, weil er sich unter dem User-Namen „mollwitt“ obsessiv in Internet-Foren beteiligt.

Unter anderem kommentiert er darin die Ohrfeige, welche der berühmte Filmschauspieler Ralf  Tanner von seiner Geliebten Carla Mirelli in der Lobby eines Hotels bekam.

Und – Mollwitt liest für sein Leben gern. Am liebsten Bücher von Leo Richter. Er wünscht sich nichts sehn­li­cher, als ein­mal die reale Welt zu ver­las­sen, um die Ro­man­fi­gur „Lisa“ ken­nenzuler­nen.

Unerwartet schickt ihn sein Abteilungsleiter zu einem Telefonanbieter-Kongress nach Paris. Als dort Mollwitz ein Fremder um Feuer für eine Zigarette bittet, kann er es kaum glauben: Vor ihm steht der Bestseller-Autor Leo Richter…

 


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: NFP, Filmstiftung.de, Pandora Film, © Mar­tin Menke, Rowohlt Verlag

RUHM, 7.2 out of 10 based on 53 ratings

1 Kommentar zu RUHM

  1. STEFAN KURT: Stefan ,Du bekommst von mir sechs Sterne. ******
    Gracias für diesen Film!

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