GNADE

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GNADE oder: Welche Rolle spielt „Das Böse“ in uns für unser Glück?

Das Familien-Drama GNADE des Erfolgsregisseurs  Matthias Glasner (THIS IS LOVE, DIE KOMMENDEN TAGE, Produzent) ist ein Werk, das gewollt dem Zuschauer das Denken nicht abnimmt…

GNADE

Es geht um Schuld, Vergebung, Liebe und Tod – und GNADE ist ein Film, der bereits sehr erfolgreich auf der 62. Berlinale als Premiere lief bzw. zu den drei Filmen aus Deutschland gehörte (WAS BLEIBT von Hans Christioan Schmids, BARBARA von Christian Petzold), die im Wettbewerb um einen „Bären“ konkurrierten.

Das Drehbuch schrieb der Däne Kim Fupz Aakeson (u.a. PERFECT SENSE) und gedreht wurde in Hamburg sowie original im norwegischen Hammerfest auf einer „Red One“, die selbst bei den nahe am Polarkreis herrschenden, extremen Temperaturen technisch nicht einknickte.

GNADE, Besetzung

In der deutsch-norwegischen Produktion sind in den Hauptrollen Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel sowie der 12-jährige Henry Stange zu sehen. Markenzeichen von letzterem sind: Sommersprossen, rote Haare und freches Grinsen. Der junge Mann interessierte sich bereits sehr früh für die Schauspielerei und hatte in dem RTL-Drama DIE STURMFLUT seinen ersten, großen TV-Auftritt.

Die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr hingegen, die neben diversen Filmengagements auch ein festes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters ist, spielte bereits in verschiedenen Kinofilmen mit. Dazu gehören Doris Dörrie’s KIRSCHBLÜTEN – HANAMI und Michael Haneke’s Drama DAS WEISSE BAND.

Auch der deutsche Schauspieler, Drehbuchautor, Comedian, Filmproduzent, Sänger sowie überaus symphatische Anti-Filmstar Jürgen Vogel, der im Berliner Familien- und Szeneviertel Prenzlauer Berg lebt, wo er, wenn er nicht dreht, „ganz normale Sachen“ macht ;)), stellte bereits sein Können in den Produktionen DIE WELLE, BOXHAGENER PLATZ oder SCHWERKRAFT unter Beweis.

Jürgen Vogel

[ Vogel wurde in Hamburg-Altona geboren, wuchs in Schnelsen auf und zog im Alter von 15 Jahren zu Hause aus. Vor fast genau 20 Jahren begann er dann die Karriere mit dem Kultfilm KLEINE HAIE und gibt oft in seinen Rollen „beschädigten Figuren“ sein Gesicht: Verbrechern, Fremdgängern, emotionalen Krüppeln. „Mich interessieren Kinofiguren, die vielleicht nicht sympathisch sind, aber für die man eine gewisse Nähe empfindet…“ sagte er kürzlich in einem Interview zur Vorstellung des Films GNADE.

Mit seiner Rebellenattitüde und dem Schmuddelkindimage hat er es somit längst in die Oberliga der deutschen Schauspieler geschafft – und es gibt wohl niemanden, dem diese Tatsache ähnlich wurscht wäre wie Vogel selbst. Titelstorys? Roter Teppich? Nicht sein Ding. Genauso wenig wie das Herumdeuten an einer Filmfigur oder ein Philosophiecrashkursus über den eigenen Berufsstand. ]

GNADE, Filmkritik

Der Film bietet grandiose Bilder, die den Zuschauer durch den Kontrast von frostigen Berg- und Meereslandschaft der norwegischen Finnmark und den gemütlichen Innenansichten der Wohnungen, von Anfang an in ihren Bann ziehen. Ebenso sehenswert in der atemberaubenden, eisigen Kulisse, ist der komplette Cast. Besonders Birgit Minichmayr, liefert einen glaubhaften und in gewisser Weise sogar nachvollziehbaren Part. Und auch die vielen norwegischen Protagonisten, allen voran Ane Dahl Torp und Stig Henrik Hoff, können absolut überzeugen!

Was ebenfalls positiv zu bewerten ist: Regisseur Matthias Glasner gibt erneut bzw. analog zum Drama DER FREIE WILLE dem Zuschauer die Gelegenheit, sich der mit spannenden und unverhofften Richtungswechseln durchzogen Geschichte langsam zu nähern. Und auch die darin agierenden Figuren, denen es anscheinend erst unter der Last einer furchtbaren Tat gelingt, wieder zu einander zu finden, sind wieder und nicht von Anfang an Sympathieträger – finden nur Schritt für Schritt den Weg zum Verständnis des Betrachters.

Fazit: Absolut sehenswert – und nicht nur für den, der stürmische, arktische Landschaften mag!

GNADE, Filminhalt

Die Stimmung in GNADE wird vom acht Stunden andauernden Dämmerlicht nördlich des Polarkreises beherrscht.

Foto: Badlands Film

Nils (Jürgen Vogel), Maria (Birgit Minichmayr) und ihr gemeinsamer Sohn Markus (Henry Stange) sind aus Deutschland nach Norwegen ausgewandert, um ihrem Leben und wohl auch ihrer Liebe neuen Schwung zu geben. Doch was so vielversprechend beginnt, endet wenige Monate nach der Ankunft in Hammerfest in einer Katastrophe.

Ausgerechnet Maria, die als „guter Engel“ und Krankenschwester in einem Hospitz jeden Tag Menschen beim Sterben begleitet, überfährt mit dem Auto in arktischer Dunkelheit ein 16jähriges Mädchen – und begeht Fahrerflucht: Eine Schuld die bald größer wird, als Maria es ertragen kann. „Ich bin nicht dieser Mensch“, sagt sie zu ihrem Mann Nils – und beide beginnen mit erschreckendem Automatismus, dieses Geschehen zwischen sich zu begraben. Nicht einmal Markus, der Sohn, darf davon wissen – doch das ist gar nicht so leicht in dieser kleinen Welt, in der jeder jeden kennt…

Auch Niels geht im weiteren Verlauf an der Schuld, dem Mädchen nicht geholfen zu haben, fast zu grunde. Er beendet eine seit Monaten andauernde Affäre mit einer Kollegin und beginnt sich Maria wieder intensiv zu nähern – eine Art Gefühls-Durchbruch scheint möglich…


Studio / Verleih / Bild-und Textnachweis: Badlands Film, Schwarzweiss Filmproduktion, Almonde Film, [Karolin Jacquemain, Hamburger Abendblatt]

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